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Spargelpreise Feines Edelgemüse für das gemeine Volk

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"Mit dem Spargel verbunden ist ein Luxusgedanke"

Der Selbstversorgungsgrad liege hierzulande beim Rekordwert 84 Prozent, erklärt Jochen Winkhoff aus der Bundesfachgruppe Gemüsebau, die vom Deutschen Bauernverband, dem Raiffeisenverband und dem Zentralverband Gartenbau getragen wird. Über die ganze Gemüsepalette hinweg sei Deutschland nur zu 38 Prozent Selbstversorger. Bei den Spargel-Importen führe bei den Herkunftsländern Spanien vor Griechenland, den Niederlanden sowie Italien und Polen. 2015 hätten die inländischen Anbieter rund 380 Millionen Euro mit Spargel umgesetzt (ohne Mehrwertsteuer). Auch der Verbrauch pro Kopf steige stetig; zuletzt auf 1,26 Kilogramm.

Den ausländischen Spargelerzeugern macht auch die Ausweitung der deutschen Anbauflächen das Leben schwerer. Dem Statistischem Bundesamt zufolge hat sich die Anbaufläche für deutschen Spargel seit dem Jahr 2000 verdoppelt, die Menge legte sogar noch stärker zu. Zum Vergleich: Während beim Spargel auf eine importierte Stange fünf heimische kommen, stammt bei den Erdbeeren noch jede dritte aus dem Ausland.

Bio-Spargel hat es übrigens schwer: Mit fünf Prozent der gesamten Spargelfläche hierzulande fristet die Öko-Variante des Edelgemüses ein Nischendasein. Der nötige Preisaufschlag ist schwer durchsetzbar.

Die Verbraucher kaufen laut AMI-Beobachtung nur rund ein Viertel der gesamten Spargelmenge beim Discounter, während es jedoch beim Gemüse insgesamt etwa die Hälfte ist. 22 Prozent des Edelgemüses holen die Kunden im Direktverkauf beim Bauern - etwa im Hofladen - und weitere 16 Prozent vom Wochenmarkt. Spargel ist also hyper-regional.

Für die Ernährungssoziologin Claudia Neu nimmt der Spargel generell eine Sonderrolle ein: „Bei ihm ist der Gedanke 'Das gönne ich mir jetzt' entscheidend“, sagt die Wissenschaftlerin von der Hochschule Niederrhein. „Bei Erdbeeren ist das ganz ähnlich.“ Der Trend zu meist teureren regionalen Produkten, der bei den Lebensmitteln generell zu beobachten sei, habe bei Spargel aber eine viel längere Tradition und auch andere Wurzeln. „Mit dem Spargel verbunden ist ein ausgeprägter Luxusgedanke: Er war schon elitär und exklusiv, als es noch gar keine Supermärkte gab“, sagt Neu. Auch das Symbol als Frühlingsbote um die Feste Ostern und Pfingsten spielten in diese Sonderstellung ebenso hinein wie der Fakt, dass der Anbau aufwendig und zeitbegrenzt ist.

Passt zum Spargel

In diesem Bündel sieht die Ernährungssoziologin auch eine Erklärung für das Nischendasein der Bio-Ware beim Spargel. „Regio toppt Bio, das gilt beim Spargel erst recht“, sagt sie. „Am ökologischsten wird oft das wahrgenommen, was aus der Region stammt.“ Insgesamt sei aber zu beobachten, dass der Spargel seinen Nimbus als Essen der feinen Leute verliere. „Der Spargel wird demokratisiert, obwohl er immer noch ein teures Produkt bleibt“, sagt Neu. Bei Champagner etwa sei Ähnliches zu beobachten - ihn gibt es inzwischen auch im Discounter.

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