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Spielkasinos Japan öffnet die Büchse der Pandora

Legale Kasinos sollen Nippons Wirtschaft beleben. Gegner warnen vor Spielsucht und befürchten den Einstieg der Mafia.

Die Roulettkugel liegt im Kessel auf der Null. Quelle: dpa/dpaweb

Mordkammern heißen in Japan illegale Kasinos, in denen Superreiche ausgenommen werden. Dort ist das Glücksspiel im wahren Wortsinn abgekartet: Gäste und Personal gehören allesamt zur japanischen Mafia, der Yakuza. Hostessen in nahen Bars lotsen vermögende Gäste zu den versteckten Spieltischen etwa für Blackjack oder Oichokabu, der japanischen Version von Baccara.

Einem solchen Betrug fiel japanischen Presseberichten zufolge auch Ikawa Mototaka zum Opfer, der oberste Chef des Papierherstellers Daio. Der heute 49-Jährige verspielte in dubiosen Hinterzimmern und in Kasinos im Ausland umgerechnet 42 Millionen Euro. Weil er sich das Spielgeld von eigenen Tochterfirmen besorgte, sitzt Motokawa seit einem Jahr im Gefängnis.

Die Mordkammern sind nur die Spitze des Eisbergs aus illegalem Glücksspiel in Japan: Allein im Großraum Tokio soll es mehr als 1000 überwiegend von der Yakuza organisierte Untergrundkasinos geben. Ungeachtet dieses kriminellen Sumpfes wollen Politiker Nippon jetzt zu einem zweiten Las Vegas machen und Kasinos legalisieren – was hoch umstritten ist.

Bislang sind an Glücksspielen nur einige Sportwetten, Fußball-Toto und eine nationale Zahlenlotterie zugelassen. Die Kasinobefürworter argumentieren wirtschaftlich: Bau und Betrieb der Anlagen würden die Binnenkonjunktur ankurbeln und dem Staat mehr Einnahmen bringen. Zudem sei das Verbot überholt, da viele Japaner Kasinos etwa in Südkorea besuchten. „Dadurch fließen die Steuern woanders hin“, sagt Hiroyuki Hosoda, Abgeordneter der Regierungspartei LDP und Sprecher der Kasinobefürworter im Parlament.

Jetzt könnte die Vergabe der Olympischen Spiele 2020 an Tokio den nötigen Zeitdruck erzeugen, damit das Parlament das bestehende Verbot noch vor dem Jahresende kippt. Das erste Kasino könnte dann öffnen, bevor die olympische Fackel Tokio erreicht. Sicher ist das aber noch nicht. Konservative Elternvertreter befürchten die Ausbreitung des Glücksspiels in die Klassenzimmer. Und die Polizei warnt vor Korruption, Geldwäsche und der Unterwanderung durch die Yakuza.

Wegen dieser Bedenken strich Premierminister Shinzo Abe vor den Wahlen im Juli die Kasinopläne aus seinem Programm. „Die Chancen für einen Durchbruch stehen bei 40 bis 50 Prozent“, schätzt Toru Mihara, Wirtschaftsprofessor und Glücksspielexperte der Universität Osaka.

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