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Sport-Discounter Die Furcht vor Decathlon

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Lieber an den Rand

Das gilt für nahezu alle Sportarten, Decathlon zählt 70 auf. In den funktionalen Regalen mit eher nüchterner Ausleuchtung, wie in der jüngsten Filiale in Karlsruhe, finden sich Jagdgummistiefel ebenso wie Darts, Stand Up Paddle-Bretter wie auch Golfschläger. Badeanzüge für unter vier Euro, Stollenschuhe unter 15 Euro. "90 Prozent der Produkte, die wir verkaufen, sind Eigenentwicklungen", sagt Niemann. Den Wettbewerb mit den Händlern, die das gesamte Programm von Adidas, Nike oder Spezialanbietern wie Babolat für Tennisschläger anbieten, suche Decathlon erst gar nicht. Nicht wenige Hobbysportler kaufen zwar bei Decathlon, um im Training Kosten zu sparen, holen für die Wettbewerbe dann die wertigen Stücke hervor.

Decathlon kämpft über den Preis. Möglich ist das, weil das Unternehmen auf Fremdmarken weitgehend verzichtet und bei den Standorten wählerisch ist - sie dürfen nicht zu teuer sein. "Sonst wäre unser Geschäftsmodell nicht möglich", sagt Niemann. Innenstadtlagen wie die Ende Mai eröffnete Filiale über zwei Etagen in der Postgalerie in Karlsruhes City sind die Ausnahme. In Darmstadt hatte das Unternehmen die Türen seine Innenstadtfiliale in den ehemaligen Verkaufsräumen des Möbelmarktes Mömax wegen mangelnder Wirtschaftlichkeit wieder schließen müssen.

Die Ankündigung oder allein die Gerüchte einer neuen Filiale allein versetzen Politik und Handel in den jeweiligen Gemeinden in Aufregung. In Schwerin ist es beispielsweise das "Schwerino" genannte Shoppingcenter, in das eine Filiale einziehen sollte. Eingerichtet wie der Idealfall einer Decathlonfiliale mit bis zu 10.000 Quadratmeter: Freie Wege, um die Räder Probe zu fahren oder mit dem Fußball auf ein Tor zu schießen. Die Kunden sollen die Produkte ausprobieren könne, so gut es eben geht.

In Ulm wurde lange gerungen, bis Decathlon die Zusage vom Regierungspräsidium in Tübingen bekam, im Blautalcenter die rund 3000 Quadratmeter Fläche eines ehemaligen Elektromarktes zu füllen. Niemann hat erlebt, wie mühselig es ist, das französische Konzept eines Sportartikeldiscounts mit Eigenmarken in Deutschland genehmigungsreif zu bekommen. Zu eigenständig sei das Format, um es mit den gängigen Regeln zu erfassen, sagt Niemann. Für das Center gelten genaue Regeln, wieviel Fläche für "innenstadtrelevante" Sortimente verwendet werden darf: Bekleidung 46 Prozent, 26 Prozent für ein Warenhaus und 20 Prozent für Technik, der Rest für Gastronomie. Das Problem für Decathlon - sie bieten aus allen diesen Segmenten Waren an.

Der Onlinehandel betreibt Decathlon nach eigenen Angaben trotz immer mehr stationärer Ladenflächen mit wachsendem Erfolg. Etwaiger Konkurrenz durch Versandportale und unabhängigen Händlern braucht sich Decathlon nicht zu erwehren, da sie im Grundsatz nur bei Decathlon selbst zu erhalten sind. Wachstumsraten von mehr als 30 Prozent im Onlinehandel habe das Unternehmen im vergangenen Jahr gesehen.

Kannibalismuseffekte fürchtet das Unternehmen nicht. Im Gegenteil. "95 Prozent aller unserer Kunden, die sowohl online wie auch stationär kaufen, machen mehr Umsatz als diejenigen, die nur über einen Kanal kaufen." Niemann wird entsprechend weiter durch die Republik reisen und mit Behörden Wege finden, um noch eine weitere Filiale eröffnen zu können.

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