Sportartikel Der große Sneaker-Hype

Der limitierte "Nike Air Yeezy II" schrieb Geschichte in Sachen Turnschuh-Verrücktheit. Rund um den Globus campten Fans vor den Läden, um ein Paar zu ergattern. Unter Sammlern sind die Sneaker Tausende Euro wert. Doch was bringt der Hype eigentlich Herstellern und Händlern?

Nike-Fans campen tagelang für neue Sneaker
Nike Air Yeezy II Quelle: dpa
Tagelang campten Fans vor dem Spezialladen, um sich ein Paar der begehrten limitierten Schuhe für 260 Euro zu sichern. Einige brachten sogar Zelte mit. An den Füßen: Natürlich nur Nikes! Das Ganze ist auch ein Event für die "Sneaker Freaker", um ihre liebsten Errungenschaften zu präsentieren. Quelle: dpa
Damit der Ansturm auf die Turnschuhe möglichst gesittet abläuft, gibt es Listen, in die die Camper sich eintragen können. Doch die sind schnell voll und müssen geschlossen werden. Wer nicht draufsteht, hat Pech gehabt. Quelle: dpa
Die Kaufwütigen dürfen sich maximal zwei Stunden von ihrem Platz entfernen. Regelmäßig werden die Namen von der Liste verlesen, wer nicht durchgehalten hat und schon wieder weg ist, fliegt runter. Quelle: dpa
Der Lieferant, der einen Tag vor Verkaufsstart mit einer Sackkarre Kartons voll der heiß begehrten Ware bringt, ist der Mann des Tages. Die Schuhe kommen aber erst einmal nur in den Laden. Sehnsüchtige Blicke folgen ihnen. Quelle: dpa
Yeehaw! Ein Kunde springt vor Freude in die Luft, nachdem er ein Exemplar der Yeezys II ergattert hat. Bei der begrenzten Stückzahl darf man nicht zimperlich sein. Gibt es den Schuh nicht mehr in der eigenen Größe, wird einfach ein anderes Paar gekauft. Die Fans hoffen dann, über das Internet einen Tauschwilligen zu finden, dem es genauso geht, und der zufällig die passende Schuhgröße hat. Quelle: dpa
Nike Air Mag Back to the Future Quelle: dapd

Der Sneaker, der vom US-Rapper Kanye West entworfen wurde, entfachte einen unvergleichlichen Hype: Schon Tage, bevor der "Nike Air Yeezy II" am 9. Juni, einem Samstag, verkauft werden durfte, campten die Sneaker-Jünger vor ausgewählten Läden rund um den Globus, sei es nun Köln, New York oder Stockholm, die eine begrenzte Stückzahl des limitierten Treters verkaufen durften. Ausgesucht werden sie zum Beispiel, weil sie sich in der Sneaker-Szene einen Namen gemacht haben und schon jahrelang mit den Herstellern zusammenarbeiten.

Auch auf dem Asphalt vor dem Kölner Szene-Schuhladen "The Good Will out" finden sich bereits am Montag, fünf Tage vor Verkaufsstart, die ersten Camper ein, erinnert sich Geschäftsführer Alex Imiela. Richtig voll wird es dann ab Mittwoch. Auf dem Bürgersteig ist kein Durchkommen mehr. Manche der Schuh-Liebhaber haben Zelte aufgebaut, andere schlafen in Campingstühlen oder ausrangierten Bürosesseln. Nur, um ein Paar Turnschuhe zu ergattern.

Der Laden nutzt den Hype natürlich, um sich ins Gespräch zu bringen. Auf der Geschäftsseite im sozialen Netzwerk Facebook gibt es zahlreiche Fotos von der Camping-Aktion. Sogar das Fernsehen kommt und berichtet über das Event, das zu einem regelrechten kleinen Festival wird. Auch umliegende Läden lassen sich mitreißen, spendieren den Campern Pizza und feiern mit ihnen.

In Köln bleibt alles vorbildlich friedlich

Damit die Aktion nicht aus dem Ruder läuft, gibt es eine Liste, in die die Kaufwütigen sich eintragen können; jeder wird nur ein Paar der 103 Exemplare bekommen, die dem Kölner Laden geliefert wurden. Die Liste ist unumgänglich, so Imiela, es müsse schließlich geordnet und gerecht abgehen, wenn der Laden seine Türen öffnet. Nur so ließe sich verhindern, dass die Massen nicht nach dem Motto "der Schwächere verliert" den Laden stürmen. Wer vorne auf der Liste steht, hat natürlich auch bessere Chancen, noch ein Modell in der richtigen Größe zu ergattern.

Schon einen Tag vor Verkaufsstart ist die Liste voll. Am Samstag drängen sich rund 140 Menschen vor dem Laden, vorrangig junge Männer. Darunter sind natürlich Schaulustige, aber eben auch ein paar Hoffnungsvolle, die darauf warten, dass jemand von der Liste doch nicht mehr da ist und sie nachrücken können. Als es endlich losgeht und der Laden öffnet, bleibt trotzdem alles friedlich.

Leider ist das keine Selbstverständlichkeit: So eskalierte der Markenwahn etwa beim Verkaufsstart des Nike Air Jordan Concord in den USA im Dezember 2011 gewaltsam. Turnschuh-Verrückte prügelten sich in mehreren Einkaufszentren. In New Jersey wurde ein 20-Jähriger niedergestochen, in Kalifornien fielen sogar Schüsse.

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