Sportartikelhersteller Puma findet weder Chef noch Wachstumskurs

Der Sportartikelhersteller bekommt die Konsumflaute in Europa zu spüren. Der Überschuss sinkt trotz Rekordumsatz dramatisch. Obendrein hat der Konzern keinen Nachfolger für den scheidenden Chef Koch gefunden.

Der Sportartikelhersteller Puma hat 2012 weniger Gewinn gemacht. Quelle: dpa

HerzogenaurachBeim Sportartikelhersteller Puma ist der Gewinn im vergangenen Jahr drastisch eingebrochen. Hohe Kosten für den derzeit laufenden Konzernumbau sowie die Konsumflaute im von der Schuldenkrise gebeutelten Europa setzen der weltweiten Nummer drei der Branche zu. Unter dem Strich sank der Gewinn auf 70,2 Millionen Euro, wie das Unternehmen am Donnerstag mitteilte. Im Vorjahr hatte Puma noch rund 230 Millionen Euro verdient.

Auch operativ zeigte die Kurve nach unten: Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) schmolz um Sondereffekte bereinigt um knapp 13 Prozent auf 290,7 Millionen Euro. Der Umsatz legte hingegen um 8,7 Prozent auf den Rekordwert von 3,27 Milliarden Euro zu.

Den Gewinnrückgang werden auch die Aktionäre zu spüren bekommen. Die Dividende, die im Vorjahr noch bei zwei Euro lag, wird auf 50 Cent je Aktie zusammengestrichen. Betroffen davon ist davon in erster Linie der französische Luxus- und Lifestylekonzern PPR, dem über 80 Prozent der Aktien gehören.

Zudem hat der Sportartikelhersteller hat sechs Wochen vor dem Abschied von Vorstandschef Franz Koch noch keinen Nachfolger gefunden. Der Konzern werde deshalb ab April übergangsweise von Finanzvorstand Michael Lämmermann und Vertriebsvorstand Stefano Caroti geleitet, sagte Koch bei der Bilanz-Pressekonferenz in Herzogenaurach.

Welche Konzerne den Sportartikelmarkt beherrschen
Platz 12: Pacific SunwearUnter den weltweit größten Sportartikelherstellern landet Pacific Sunwear auf dem zwölften Platz. Tom Moore gründete das Unternehmen 1980 als kleinen Surfshop in Newport Beach (Kalifornien). Mit 2700 Mitarbeitern erzielte das Unternehmen 2010 einen Umsatz von 0,7 Milliarden Euro. Quelle: PR
Platz 11: Columbia Sportswear Ein Shop von Columbia Sportswear in Portland (Oregon). Das 74 Jahre alte US-Unternehmen hat sich auf Outdoorkleidung und Skimode spezialisiert. Der Umsatz liegt bei 1,1 Milliarden Euro (2010). Quelle: Reuters
Platz 10: BillabongDer australische Hersteller steht in der Branchenrangliste auf Platz zehn. Der Umsatz liegt bei 1,2 Milliarden Euro. Das in den 1960ern vom Surf-Enthusiasten Gordon Merchant gegründete Unternehmen stellt inzwischen neben Surf-Ausrüstung auch (Damen-)Mode für den Winter her.
Platz 9: New BalanceDer englische Einwanderer William J. Riley (links) gründete New Balance in Boston, Massachusetts. Der Schuhmacher stellte seit 1906 speziell angepasste Schuhe für Menschen mit Fußproblemen her. Angeblich kam ihm die Idee, als er Hühner in seinem Garten beobachtete. Nach dem Vorbild der Tiere mit drei Krallen am Fuß entwickelte er die Einlagen. Seit 1941 fertigte New Balance auch Sportschuhe, unter anderem für Läufer. 2009 lag der Umsatz bei 1,3 Milliarden Euro.
Platz 8: QuicksilverFreunde des Wassersports kennen Quicksilver natürlich. Das Unternehmen dominiert den Surf-, Skate- und Snowboardsport. 2010 betrug der Umsatz 1,4 Milliarden Euro. Zu den bekanntesten Werbefiguren des Unternehmens gehört der Star der Wellenreiterszene Kelly Slater (Bild).
Platz 7: Amer SportsDer finnische Konzern, der in seinen Anfangsjahren Tabakprodukte verkaufte, konzentriert sich seit Mitte der 1980er Jahre auf die Sportbranche. Zu den bekanntesten Marken von Amer Sports gehört der österreichische Skihersteller Atomic. 2005 kaufte das Unternehmen Adidas den französischen Sportartikelhersteller Salomon ab. Im Jahr 2010 machte Amer Sports einen Umsatz von 1,7 Milliarden Euro.
Platz 6: JardenJarden, schon mal gehört? Das US-Unternehmen liegt mit einem Umsatz von 1,9 Milliarden Euro (2010) auf Platz 6 der größten Sportartikelhersteller. Zu den Jarden-Marken gehört das Traditionsunternehmen Völkl, das aber am Stammwerk im bayerischen Straubing produziert. Jarden verkauft noch ganz andere Dinge, etwa Kochtöpfe, Tupperdosen und Zelte.
Platz 5: AsicsMit einer ganzheitlichen Philosophie wirbt Asics: Der Firmenname steht für „Anima Sana in Corpore Sano“ (Ein gesunder Geist in einem gesunden Körper). Das japanische Unternehmen machte 2010 2,1 Milliarden Euro Umsatz.
Platz 4: PumaDer fränkische Konzern aus Herzogenaurach wurde 1948 von Rudolf Dassler gegründet und erzielte 2010 einen Umsatz von 2,7 Milliarden Euro. Unter dem langjährigen Vorstandschef Jochen Zeitz gelang seit den 1990er Jahren der Weg aus der Krise. Puma versteht sich heute als Sport- und moderner Lifestyle-Konzern. Zeitz' Nachfolger ist Franz Koch, er will Puma auf Augenhöhe mit den Branchenführern Nike und Adidas führen.
Platz 3: VF CorporationIn die Top 3 der größten Sportartikelhersteller hat sich durch etliche Zukäufe nach und nach der Bekleidungskonzern VF Corporation geschoben. 2010 lag der Umsatz des Unternehmens, zu dem die Marken Timberland, Vans (Bild) und Eastpak gehören, bei 2,8 Milliarden Euro. Bis zum Spitzenduo ist es aber noch ein weiter Weg. Quelle: dapd
Platz 2: AdidasDie deutsche Fußballgeschichte ist eng mit dem Unternehmensgründer von Adidas (Abkürzung von Adolf „Adi“ Dassler) verbunden. Er entwickelte die Schraubstollen für Fußballschuhe, mit deren Hilfe Deutschland im WM-Finale 1954 gegen die Ungarn gewann. Adidas hat seine Zentrale in Herzogenaurach, ist mit einem Jahresumsatz von 12 Milliarden Euro (2010) aber natürlich eine weltbekannte Marke und engagiert sich in fast allen Sportarten. Auch Schwimm-Weltmeisterin Britta Steffen wird von Adidas ausgerüstet. Quelle: dpa
Platz 1: NikeDer US-Sportriese Nike bleibt die Nummer 1 auf dem weltweiten Sportartikelmarkt. Der Konzern, nach der griechischen Siegesgöttin Nike benannt, kommt auf einen Jahresumsatz (2010) von 15,5 Milliarden Euro. Quelle: ap

Der jüngst vom Hauptaktionär PPR installierte Verwaltungsratschef Jean-Francois Palus werde sie dabei unterstützen. Lämmermann führt seit längerem die Finanzen des Konzerns, ist aber erst Anfang Januar in den Vorstand aufgerückt.
Puma hatte Koch mitten im größten Konzernumbau seit 20 Jahren Mitte Dezember überraschend abgesetzt. Nach weniger als zwei Jahren im Amt durfte Koch noch seine erste volle Jahresbilanz präsentieren, Ende März soll er das Unternehmen verlassen. Koch galt wegen der Probleme des Konzerns bereits als angezählt, als er 2011 seinem Mentor, dem langjährigen Puma-Chef Jochen Zeitz, folgte.

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