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Stardrinx-Chef Schoenberger Geschäfte mit Groupon? - "Nie wieder"

Einmal in Champagner baden – das wünschten sich viele, die bei Groupon einen Gutschein für Moet-Champagner und Red Bull vom Getränkelieferanten Stardrinx kauften. Doch aus dem Champagner-Bad wurde nichts. Das Geld war zwar bezahlt, auf den Champagner warten rund 2000 Kunden bis heute. Die Hetzsprüche bei Facebook nehmen kein Ende, über 30 Käufer erstatteten Strafanzeige wegen Betrugs. Jetzt erzählt Stardrinx-Geschäftsführer Christian Lutz Schoenberger seine Version über die Vorfälle mit Groupon.

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Screenshot des Rabatthändlers Groupon Quelle: screenshot

WirtschaftsWoche: Herr Schoenberger, es warten noch 2000 Kunden auf  ihre Moet und Red-Bull-Bestellungen. Warum liefern Sie nicht aus?

Christian Lutz Schoenberger: Ich habe in den ersten Monaten alle Kunden, bis auf Einzelfälle, pünktlich beliefert. Vor einigen Wochen musste ich die Auslieferung stoppen. Groupon schuldet mir immer noch Geld in der Größenordnung eines großzügigen Einfamilienhauses. Insgesamt sind 40 Prozent der Forderungen von Groupon bislang nicht bezahlt worden. So lange ich von denen kein Geld bekomme, werde ich keine Waren mehr ausliefern. Laut Vertrag soll ich nach Ende einer Groupon-Aktion eine Vorabzahlung in Höhe von 30-50 Prozent des Gesamtumsatzes erhalten. Das ist nicht geschehen.

Sie haben also von Anfang an kein Geld bekommen von Groupon?

In Einzelfällen kam das Geld, aber fast immer zu spät. Es gab immer neue Ausreden, zum Beispiel, dass die Buchhaltung Mist gebaut hat.

Groupon sieht den Fehler bei Ihnen. Ihre Kunden erreichen Sie seit Tagen nicht, um sich nach den ausbleibenden Lieferungen zu erkundigen.

Wir waren zunächst nicht richtig aufgestellt. 15 Mädels haben die Anrufe anfangs konzeptlos entgegengenommen. Die habe ich gegen drei Call-Center Agenten ersetzt und jetzt funktioniert es. Das Einzige was ich mir vorwerfen lassen muss, ist, dass ich die Kunden nicht früher über die Probleme mit Groupon aufgeklärt habe.

Wir haben Sie in der letzten Woche an drei aufeinanderfolgenden Tagen nicht erreicht.

Dann haben Sie immer angerufen, wenn wirklich besetzt war. Eigentlich haben wir es im Griff. Anfangs hatten wir Probleme mit der Software, die jetzt behoben sind. Nun kommen sie in eine Warteschleife, wenn mehrere Personen gleichzeitig anrufen. Nur wenn es zu viele sind, gibt es ein Besetztzeichen.

Heute war schon wieder besetzt...

Ich musste heute die Reißleine ziehen und habe die Hotline abgeschaltet. Ab morgen gibt es eine Bandansage für die Groupon-Kunden.

Kunden sind außerdem sauer, weil Sie beim Moet gar nicht 49 Prozent sparen, wie von Ihnen angegeben.

Das stimmt. Es ist so, dass Groupon das Angebot für den Kunden interessant gestalten will. Groupon nimmt den teuersten Richtpreis im Internet, damit die Ersparnis möglichst hoch erscheint. Dafür habe ich von Moet und Hennessy eine Abmahnklage bekommen. Aber ich hab das weitergeleitet an Groupon, denn ich habe den Preis nicht gesetzt.

Wie können Sie Moet überhaupt zu so günstigen Preisen anbieten?

Das liegt daran, dass ich  in großen Mengen einkaufe. Als ich eine eigene Cocktailbar hatte, habe ich die Erfahrung gemacht, dass ich Ware günstiger einkaufen kann, als ich sie bei Ebay verkaufe. Aus dieser Geschäftsidee ist später Stardrinx entstanden.

Stornomöglichkeiten für Kunden

Screenshot des Rabatthändlers Groupon Quelle: screenshot

Sie haben Anfang Mai in fünf Tagen zirka 40.000 Flaschen  verkauft? Waren Sie nicht einfach überfordert mit der Aktion?

Zunächst nicht. Wir haben seit Anfang des Jahres schon 17 Aktionen bei  Groupon gestartet. Dann kam die große Red-Bull Kampagne,  und dann  habe ich direkt auf ein großes Lager umgestellt. Wir sind nicht von einem auf den anderen Tag gewachsen.  Aber sicher war der Ansturm zwischendurch zu groß.

Das beschert Ihnen jetzt eine riesige Hetzjagd im Internet und über 30 Strafanzeigen. Wie gehen Sie damit um?

Der Staatsanwalt fragt auch ständig nach, was bei mir los sei. Bei 30 Strafanzeigen könnte man mich schon verhaften. Wenn jemand Anzeige erstattet, schicke ich aus  Kulanz die Ware zusammen mit einem zusätzlichen Gutschein sofort raus.

Wenn ein Kunde Strafanzeige erstattet, bekommt er also seine Ware sofort, während die anderen weiter warten müssen?

Ja, im Prinzip ist das derzeit so.

Wie wird es denn jetzt weitergehen? Viele Kunden warten schließlich auf ihren Moet oder Redbull.

Ich habe die Adresse storno@stardrinx.de eingerichtet. Die Kunden können dort eine E-Mail hinschicken und bekommen eine automatisierte Rückantwort mit einer Bestätigung. Diese reichen Sie bei Groupon ein, dann bekommen Sie in der Regel ihr Geld zurück.

Laut den Allgemeinen Geschäftsbedingungen von Groupon können Kunden Ihren Gutschein aber nur zwei Wochen, nachdem Sie ihn gekauft haben, zurückgeben. Bleiben die Kunden, die schon vor längerer Zeit ihren Gutschein gekauft haben also auf Ihrem Geld sitzen?

Nein! Es gibt mit Groupon die Absprache, dass die Kunden ihren Gutschein stornieren können und ziemlich schnell ihr Geld zurück erhalten. Ich hoffe, Groupon hält sich an diese Absprache.

Handel



Falls Sie Ihre Kunden so zufrieden stellen können bleibt immer noch ihr Problem mit Groupon.

Ja, das ist so. Es wird wahrscheinlich zu einem Rechtsstreit kommen, der vermutlich 3-5 Jahre dauern wird. Wer hier im Recht ist, ist nicht so einfach zu klären. Verschiedene Juristen konnten mir keine eindeutige Auskunft darüber geben, wer hier im Recht ist. Aber darum geht es mir auch nicht mehr. Es geht um Ethik. Im Rechtsstreit werde ich vielleicht den Kürzeren ziehen, das ist mir bewusst und egal. Das Geld ist jetzt schon für mich abgeschrieben. Aber ich kann Groupon nicht durchgehen lassen, dass sie nicht zahlen.

Sie sagten, viele weitere Unternehmen erhielten kein Geld mehr von Groupon. Warum gehen Sie nicht gemeinsam gegen Groupon vor?

Die sind teilweise so klein, dass ein Rechtsstreit sie ruinieren würde. Manche sind auch abhängig von Groupon. Das ist bei mir nicht so. Ich kann es mir  deshalb leisten, gegen das Unternehmen vorzugehen.

Würden Sie jemals wieder Geschäft mit Groupon machen?

Nein, nie wieder.

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