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Steffen Christmann "Cola-Weinschorle brauche ich wirklich nicht"

Vom Tetrapak bis zur 100-Euro-Flasche: Kaum eine Branche ist so heterogen wie die der Weine. Steffen Christmann ist Lobbyist für Weingüter im Premiumbereich. Der Präsident des Verbands Deutscher Prädikatsweingüter will deutsche Weinetiketten vereinfachen.

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Steffen-Christmann

Herr Christmann, wann haben Sie zuletzt einen Wein im Supermarkt gekauft?
Steffen Christmann: Vor einem halben Jahr circa. Das mache ich alle paar Monate; dann kaufe ich eine Auswahl verschiedener deutscher Weine im Supermarkt und im Discount und probiere sie mit meinen Kollegen durch. Denn unsere Weine kosten mindestens dreimal so viel oder mehr. Wenn die im Vergleich zu den Discount-Weinen ähnlich schmecken würden, hätten wir ein Problem.

Und wie groß waren die Unterschiede beim letzten Mal?
Definitiv sind deutsche Weine in den letzten 15 Jahren technisch immer sauberer geworden. Oft aber fehlt es den Weinen im günstigen Segment an Persönlichkeit. Das ist in unserem Segment und den VDP-Winzern anders. Jeder von unseren Qualitätsfanatikern hat seine ganz eigene Handschrift und wendet viel Arbeit, Zeit und Mühe auf, um Weine nach seinen Vorstellungen zu erzeugen. Deshalb kosten unsere Weine oft mehr, sind aber individueller.

Bekommt man für 2,50 Euro einen guten Wein im Supermarkt?
Kommt drauf an, was Sie mit gut meinen. Technisch gut, ja das ist möglich. Mit Vollernter und standardisiertem Ausbau kann man saubere Weine hervorbringen. Doch Charakter kann man für diesen Preis eigentlich nicht erwarten. Oft sind die Weine relativ austauschbar.

Welche Rolle spielen Supermärkte für die Spitzenweingüter, um ihre Weine zu vermarkten?
Der Lebensmitteleinzelhandel wird immer bedeutender. Manche Märkte werden mittlerweile wie Feinkostgeschäfte geführt. Für sie ist es deshalb auch wichtig, auch Weine für 10 bis 15 Euro anzubieten. Und damit ist diese Entwicklung sehr relevant für uns VDP-Betriebe.

Wo die Deutschen ihren Wein kaufen

Und Discount?
Das halte ich für eher schwierig. Natürlich gibt es immer mal wieder Einzelaktionen, wo ein Weingut bestimmte Chargen an Aldi oder Lidl verkauft. Doch ich denke, dass sich so etwas auch auf das Image auswirken kann.

Wie hat sich der Absatz deutscher Wein im Ausland entwickelt?
Da gibt es zwei Entwicklungen. Die Weine aus dem Premiumsegment entwickeln sich im Ausland sehr positiv. Allein die VDP-Weingüter haben 23 Prozent an Absatz zugelegt. Gleichzeitig ist der Export von Weinen aus Basissegmenten schwer eingebrochen.

Weintipps der Sommeliers für unter 10, 20 und 30 Euro

Woran liegt das?
Was immer noch in manchen Köpfen schwirrt, ist die Haltung, dass Weine, die nicht so gut sind, ins Ausland verkauft werden können. Das geht heute nicht mehr. Es gibt keinen Platz mehr für mittelmäßige Weine. Dafür ist die internationale Konkurrenz zu gut.

Und wie stehen die deutschen Weingüter in diesem Wettbewerb da?
Ich denke wir brauchen ein besseres Klassifikationssystem, die gesetzlichen Bezeichnungen sind einfach zu kompliziert. Wenn ich einen deutschen Wein kaufe, habe ich zu viele Informationen, die ich verarbeiten muss. Rebsorten, Ausbaurichtung, Herkunft, Lage, Prädikatsbezeichnungen wie Spätlese, Auslese, aber auch Classic oder Weißherbst et cetera. Welches ist hier das Schlüsselwort? Das ist für viele Verbraucher wirklich schwierig zu durchschauen.

"Schon ein wenig versnobt"

Was schlagen Sie vor?
Eine Differenzierung zwischen Gutswein, Ortswein, Lagenwein so wie wir es beim VDP bereits praktizieren. Gutswein als Einstiegsqualität und Visitenkarte des Winzers, dann der Ortswein, und die Spitzen der Pyramide ist die Lagenwein. Das Prinzip dazu lautet: Je enger die Herkunft, desto höher die Qualität. Das gibt den Konsumenten mehr Orientierung und auch Sicherheit, dass sie einen Wein bekommen, der wieder so schmeckt, wie beim letzten Mal. Ein Weintrinker aus New York weiß dann: Ein Riesling Gutswein aus der Pfalz, den kenne ich und weiß, was mich erwartet.

Deshalb ertrinken die Winzer im Konkurrenzkampf

Macht es für den Weintrinker in New York überhaupt einen Unterschied, ob er einen Wein aus Rheinhessen oder der Pfalz trinkt?
Es kommt darauf an. Tatsächlich ist das für viele Weintrinker nicht entscheidend. Hier könnte man meiner Meinung nach darüber nachdenken, eine gemeinsame Marke zu kreieren. Wenn man dafür klare Regeln definiert: zum Beispiel, dass er nur aus Riesling und Müller-Thurgau bestehen kann, und wir würden ihn beispielsweise Rheinwein nennen - ich bin mir sicher, solch ein Wein würde sich im Ausland gut verkaufen.
Doch je interessierter der Konsument, desto mehr Differenzierung will er. Dann findet er es auf einmal cool, wenn es kompliziert ist. Die Käufer unserer Weine haben Spaß an vielen Unterschieden.

Wie versnobt ist die Weinwelt im Premiumsegment?
Schon ein wenig. In Deutschland lernen wir erst in den letzten Jahren, dass bestimmte Lebensmittel einen gewissen Preis haben müssen. Das ist aus meiner Sicht auch ein Grund, warum es für unseren Verband im Ausland so gut läuft. Dort ist die Bereitschaft, für eine Flasche Wein mehr als fünf Euro auszugeben, viel stärker ausgeprägt als bei uns.

Werden im Ausland eigentlich andere Weine nachgefragt?
Nein, selbst in Südeuropa verkaufen sich unsere Rieslinge am besten. Die Welt ist mittlerweile sehr polyglott und entdeckungsfreudig, was Küche und Weine angeht.

A propos: Trinken Sie auch mal eine Colaschorle?
Nein, ich habe mal dran genippt, doch das brauche ich wirklich nicht. Doch als Pfälzer trinke ich gerne eine große Rieslingschorle mit Mineralwasser. Am besten mit einem schlanken, leichten Riesling und für meinen Geschmack gern im Mischverhältnis 50 zu 50, ein ideales Getränk im Sommer.

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