Steigende Oldtimer-Preise Das goldene Geschäft mit den Veteranen

Die Nachfrage nach klassischen Autos boomt dank niedriger Zinsen – und beschert Autoherstellern und Zulieferern, Händlern und Handwerksbetrieben lukrative Zusatzgeschäfte.

Alte Porsches zu restaurieren ist ein einträgliches Geschäft Quelle: Christof Mattes für WirtschaftsWoche

Die Luft wird permanent gefiltert, getrocknet und anschließend auch noch ionisiert, um Mikroorganismen abzutöten. Luftfeuchtigkeit und Temperatur werden per Computer gesteuert, um dem Rostfraß keine Angriffsfläche zu bieten: Die Garage in dem kleinen Weiler am Rande von Hennef an der Sieg hat Reinraumqualitäten.

Um ins Innere der Schatzkammer zu gelangen, muss der Besitzer eine Luftschleuse passieren, die der ehemalige Klimatechniker selbst konstruiert hat für seinen „größten Schatz“: einen bald 44 Jahre alten blutorangefarbenen Porsche Targa im Neuwagenzustand. Den Sportwagen hatte der Unternehmer 1971 für rund 25.000 Mark gekauft, um damit gelegentlich durchs Bergische Land zu fegen.

Der Oldtimermarkt in Daten und Fakten

Vor zwei Jahren – auf dem Tacho standen keine 80.000 Kilometer – wurde der Targa bei Porsche Classic in Freiberg am Neckar einer Restaurierung unterzogen. Das Tochterunternehmen der Sportwagenschmiede pflegt und revidiert alte Porsche-Fahrzeuge nicht nur des werkseigenen Museums, sondern auch von privaten Sammlern. Über ein halbes Jahr zogen sich die Arbeiten an Karosserie, Motor und Fahrwerk hin, für die der Besitzer nach seiner Erinnerung schließlich einen „ordentlichen fünfstelligen Betrag“ hinblätterte.

Ein Oldtimer ist ein teures Hobby

Die Rückfahrt nach Hennef legte der Porsche noch auf eigener Achse zurück. Seitdem wartet der Oldtimer in der Luxusgarage jedoch auf seine Wiedererweckung: Der inzwischen 76-jährige Besitzer fühlt sich nicht mehr fit genug. Zudem treibt ihn die Sorge, dass sein „Schatz auf Rädern“, den Gutachter auf 88.000 Euro taxiert haben, bei einer Ausfahrt Schaden nehmen könnte.

Das Geschäft mit den automobilen Schätzen brummt – nicht nur bei Porsche. Denn mit dem Erwerb eines Oldtimers ist es meist nicht getan. Hinzu kommen Ausgaben für Reparaturen und Wartungsarbeiten sowie für die geschützte Unterbringung des Fahrzeugs und die Versicherung. Nicht zu vergessen die Summen, die für die Teilnahme an launigen Events wie Rallyes oder Ausfahrten und den Kauf von zeitgenössischem Zubehör aufgewendet werden: Einen Vorkriegs-Horch oder Wirtschaftswunder-Mercedes steuert man nun mal nicht in Jeans und mit Baseball-Kappe auf dem Kopf.

Diese Modelle werden 2015 Oldtimer
Kultsportler, Cabriolets und Katalysatoren - Die H-Kennzeichen-Klassiker des Jahres 2015 Quelle: BMW
Schlagzeilen machten im IAA-Jahr 1985 weniger die vernunftbetonten Autos, sondern vielmehr die vielen V-Max-Racer einer völlig neuen Vierventil-Fraktion mit Leistungskurven, die scheinbar Luzifers Lockruf folgten ... Quelle: Presse
Allen voran der dieserart aufgerüstete Altstar Lamborghini Countach S Quattrovalvole, der mit 455 PS exakt fünf PS mehr aufbot als der Vierventiler im neu vorgestellten Porsche 959. Quelle: Presse
...der Vierventiler im neu vorgestellten Porsche 959 Quelle: Porsche
Auch sonst war Maranello nicht mehr das Maß der Dinge, wenn es  um Tempo ging. Katapultierte der neue Vierventil-Sechszylinder im BMW M5 den Viertürer doch in der neuen Supersportwagenzeit von 6,5 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100. Quelle: Screenshot
Kaum langsamer war das 16-V-Kraftwerk in der IAA-Weltpremiere BMW M3. Quelle: Presse
Ziviler und deutlich erschwinglicher: Golf GTI 16V Quelle: Volkswagen
Schneller Kleinwagen: Citroen Visa GTI Quelle: Citroën
Sogar Oldies wie der erstmals 1971 gezeigten Mercedes-SL-Reihe R 107 wurde eine Revitalisierung spendiert Quelle: Mercedes-Benz
Neue Sechs- und Achtzylinder-Motoren vom 300 SL über den 420 SL bis zum 500 SL machten die Longseller begehrenswerter, wobei dies allerdings auch auf die gleichermaßen aktualisierten S-Klasse-Limousinen und die SEC-Coupés zutraf. Quelle: Presse
Völlig neu waren bügelfreie viersitzige Vollcabrios wie BMW 325i und Saab 900 Turbo, die bald einen Hype auslösten, der auf beiden Seiten des Atlantiks die kühnsten Erwartungen übertraf. Quelle: Presse
Gegen die formvollendeten und technisch anspruchsvollen Bayern und Schweden wirkten sogar die nun auch eilig nach Deutschland importierten Chrysler Le Baron und Ford Mustang billig und antiquiert. Quelle: Presse
Lieferzeiten von anfangs über zwei Jahren bezeugten den sofortigen Kultstatus des schwedisch-bayerischen Doppels, das heute kaum weniger begehrt ist als damals. Davon zeugen derzeit Preisforderungen, die besonders beim erst leicht verspätet in Deutschland verfügbaren Saab heute bereits den damaligen Neupreis übertreffen. Quelle: Screenshot
Noch teurere, aber weit weniger gefragte Verdeck-Künstler waren Mitte der Achtziger der neu lancierte und exotisch anmutende Chrysler Maserati TC aus amerikanisch-italienischer Koproduktion... Quelle: Presse
Jaguar XJ-SC mit V12-Power Quelle: Jaguar
Wie lautet die Steigerung von Trendsetter? Im Falle der Vierventil-Technik war es vor 30 Jahren ganz klar die Kombination mit Vierradantrieb. Eine Entwicklung, die durch wilde Rallye-Reiter wie diesen Ford RS 200 vorangetrieben wurden ... Quelle: Presse
Lancia Delta S4 (250 bis 400 PS), MG Metro 6R4 (bis 416 PS), Peugeot 205 Turbo 16 Evo 2 (bis 450 PS)  oder auch Ford RS 200 (bis 650 PS) brachten als WRC-Homologationsmodelle Renn- und Rallyetechnik auf die Straße, wie sie die automobile Kompaktklasse noch nicht gesehen hatte. Quelle: PR
Fiat Uno Turbo i.e. ab 1985 Quelle: Fiat
Wie sehr Allrad angesagt war, demonstrierte 1985 auch der riesige Neuheiten-Reigen an 4x4-Technik, zum Beispiel beim VW Passat Variant Syncro (85 kW/115 PS). Quelle: Presse
Hardcore-Offroader Suzuki SJ 413 Quelle: Suzuki

Alles eingerechnet, kommt die Kölner Beratung BBE Automotive in ihrer aktuellen Studie „Wirtschaftsfaktor Young- und Oldtimer“ auf Ausgaben von fast 4000 Euro – pro Jahr und Fahrzeug. Bei rund 650.000 Autos, die allein in Deutschland als Oldtimer zugelassen sind, ergibt sich ein Markt von rund 2,6 Milliarden Euro. Rechnet man die so genannten Youngtimer hinzu – Autos, die zwischen 15 und 30 Jahre alt sind und von ihren Besitzern nur mehr zum Freizeitvergnügen eingesetzt werden – vergrößert sich der Markt auf 5,9 Milliarden Euro.

Spezialisten helfen Bastlern

„Für Autohäuser und freie Werkstätten, bieten sich hier neue Betätigungsfelder, die das Image positiv prägen und neue Ertragschancen schaffen“, sagt Markus Frömgen, der die Studie erstellt hat. Denn je älter das Auto und je höher auch der emotionale Wert, desto größer ist die Bereitschaft, in das Fahrzeug zu investieren. Das ist auch der gravierende Unterschied zwischen Youngtimern und alten Gebrauchtwagen – bei Letzteren wird bei der Wartung aus Kostengründen gerne geschludert.  

Wer seine Liebe zum alten Blech pflegen wollte, brauchte in der Vergangenheit eine geschickte Schrauberhand, viel Spürsinn und ein Netz von Spezialisten, um Defekte an seinem Fahrzeug beheben zu können oder an rare Ersatzteile zu gelangen.

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