Steinhoff International Ikea-Rivale stolpert auf das Börsenparkett

Der Möbelgigant Steinhoff ist in Frankfurt an die Börse gegangen - trotz einer Razzia deutscher Steuerfahnder bei dem Konzern.

Besucher eines Ikea-Einrichtungshauses Quelle: dpa

Als Bruno Steinhoff kurz nach 9 Uhr zur goldenen Börsenglocke griff, war ihm die Nervosität anzusehen. Der Gründer des Möbelkonzerns Steinhoff läutete symbolisch den Börsengang in Frankfurt ein und brachte damit den nach Ikea zweitgrößten Möbelhändlers Europas mit Marken wie Poco, Leiner und Conforama auf das Parkett. Börsenwert: knapp 20 Milliarden Euro.

Damit liegt Steinhoff auf Augenhöhe mit den Dax-Mitgliedern E.ON und Henkel. Bisher wurden die Aktien des Konzerns mit 90.000 Mitarbeitern und knapp zehn Milliarden Euro Umsatz primär an der Börse im südafrikanischen Johannesburg gehandelt. Jetzt soll Frankfurt der wichtigste Börsenplatz werden.

Ein Blick hinter die Kulissen
Die Heimat von IkeaDer Geburtsort des Mythos: In unscheinbaren grauen Bürokästen im verschlafenen schwedischen Städtchen Älmhult residiert die Ikea-Zentrale. Von hier wird das globale Imperium mit knapp 150.00 Mitarbeitern und einem Jahresumsatz von 29 Milliarden Euro minutiös gesteuert. So verspielt sich der Konzern nach außen hin gibt – hier wird nichts dem Zufall überlassen. Im Bild ist das Ikea Kulturzentrum, das im Keller auch ein kleines Museum beherbergt, das an die Anfänge des Konzerns erinnert. Im kommenden Jahr wird genau gegenüber ein neues großes Ikea-Museum eröffnet. Foto: Florian Kolf Quelle: Handelsblatt Online
Der Ikea-ChefDie Konzernführung tritt locker auf, alle sind per du, selbst Chef Peter Agnefjäll wird nie mit Krawatte gesehen. „Wir müssen verstehen, was die Wünsche der Kunden sind und wir müssen sie erfüllen“, gibt Agnefjäll die Richtung vor. Dazu werden aufwendige Kundenbefragungen in Auftrag gegeben, fast jeden Tag besuchen Researcher von Ikea gemeinsam mit Produktentwicklern Kunden in ihren Häusern und Wohnungen um ihre Gewohnheiten zu erforschen und so auf Ideen für neue Produkte zu kommen. Quelle: Ikea
Das EntwicklungszentrumIm Design-Center in der Konzernzentrale entstehen viele der Ideen für die rund 2000 Produkte, die jedes Jahr neu in die Kataloge aufgenommen werden. Im großen Aufenthaltsraum herrscht eine Atmosphäre fast wie bei einem Start-up. Foto: Florian Kolf Quelle: Handelsblatt Online
Prototypen-BauDie Entwicklung ist auf höchstem Standard, bereits seit 2003 nutzt Ikea auch 3D-Drucker. Hier das Modell eines Wasserhahns frisch aus dem Drucker. Die meisten Prototypen entstehen jedoch ganz traditionell in der Werkstatt mit handwerklichen Methoden aus Original-Werkstoffen. Foto: Florian Kolf Quelle: Handelsblatt Online
Die Arbeit der EntwicklerNeue Kollektionen entstehen in Kooperation aus internen oder externen Designern zusammen mit Produktentwicklern. James Futcher ist verantwortlich für die Weiterentwicklung der PS Kollektion für das Produktjahr 2017: "Wir entwickeln einen neuen Zugang zum Thema Komfort, wir wollen damit die junge Generation aus der Stadt erreichen." Unter den Ideen sind Decken im Stil von Schlafsäcken oder Sessel mit 3-D-Strick wie ihn zum Beispiel Nike für seine Turnschuhe verwendet. Foto: Florian Kolf Quelle: Handelsblatt Online
Die Kollektion von Katie EaryUm dem Programm einen Touch Avantgarde zu geben, arbeitet Ikea jetzt mit international bekannten Modedesignern zusammen. So hat die Herrenmodedesignerin Katie Eary eine farbenfrohe Kollektion mit Geschirr, Textilien und Notizbüchern entworfen, die unter dem Namen "Giltig" im März 2016 in die Möbelhäuser kommt. Foto: Florian Kolf Quelle: Handelsblatt Online
Designs aus IndienDer Designer Martin Bergström, der sonst Stoffmuster für Couture-Häuser in Paris entwirft, ist im Auftrag von Ikea nach Indien gereist, um dort mit Studenten des National Institute of Fashion Technology in Neu Delhi moderne indische Motive in schwarz-weiß zu entwickeln. Quelle: Ikea

Seit Jahren hatten Steinhoff und sein Vorstandschef Markus Jooste den Schritt geplant und wegen widriger Bedingungen an den Kapitalmärkten mehrfach verschoben. Auch diesmal liefen die Börsenpläne nicht glatt. Im Gegenteil: Zunächst war von dem Unternehmen ungewohnt wenig zu erfahren, für Pressegespräche standen die Beteiligten nicht zur Verfügung.

Pläne bleiben trotz Ermittlungen bestehen

Am vergangenen Freitag überraschten die Geheimniskrämer dann ihre Investoren mit der Information, dass der Deutschland-Ableger ins Visier der deutschen Steuerfahnder geraten ist. Ermittler haben demnach am 26. November die Büroräume in Westerstede durchsucht. Dabei gehe es unter anderem um die bilanzielle Bewertung von Anteilsverkäufen der Steinhoff Europe Group Services GmbH. Steinhoff ist sich keiner Fehler bewusst und halte die konsolidierten Abschlüsse der Gruppe für zutreffend, teilte das Unternehmen mit.

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Anleger reagierten dennoch geschockt: An der Börse im südafrikanischen Johannesburg brachen die Titel des Konzerns am Freitag um bis zu 10,8 Prozent ein.

An den Börsenplänen hielt das Unternehmen trotz der Ermittlungen jedoch fest. Von dem Wechsel nach Frankfurt erhofft sich das Unternehmen neue Investorengruppen zu erschließen, zumal der Konzern den Großteil seines Umsatzes und Gewinns schon jetzt in Europa erwirtschaftet. Der Firmensitz soll in Südafrika bleiben. Eine Zweitlistung in Johannesburg, wo der Konzern seit 1998 notiert ist, soll bestehen bleiben.

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