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Stellenabbau Keine Rasenmäher-Methoden bei Karstadt

Der Karstadt-Personalchef Kai-Uwe Weitz wehrt sich gegen Kritik am geplanten Abbau von 2000 Stellen bei der Handelskette.

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Karstadt-Personalchef Kai-Uwe Weitz Quelle: PR

WirtschaftsWoche: Herr Weitz, trauen Sie sich derzeit noch in die Karstadt-Kantine in der Hauptverwaltung in Essen?

Weitz: Selbstverständlich, warum auch nicht?

In der vergangenen Woche hat Karstadt angekündigt 2000 Stellen zu streichen. Als Personalchef sind Sie dafür mitverantwortlich.

Ich kann Sie beruhigen: Wir haben eine gute Stimmung im Haus. Wir haben ja nicht nur über den beabsichtigten Stellenabbau gesprochen, sondern auch über die Rückkehr zum normalen Tarif. Es ist sehr positiv, dass die Gehälter um acht Prozent steigen, dass der Verzicht auf Weihnachts- und Urlaubsgeld endet.

Die Arbeitnehmervertreter sind weniger begeistert und kritisierten ihre Streichungspläne als „völlig falsches Signal sowohl an die Beschäftigten als auch an die Kunden“.

So einfach ist es nicht. Und diese Aussage stammt außerdem auch nicht von unseren Betriebsräten.

Fujitsu streicht 400 Jobs
Fujitsu Der japanische Elektronikkonzern Fujitsu will einem Zeitungsbericht zufolge in Deutschland 400 bis 500 Arbeitsplätze abbauen. Eine endgültige Entscheidung solle nach Verhandlungen mit den Beschäftigten fallen, berichtete die japanische Wirtschaftszeitung "Nikkei". Insgesamt beschäftigt der Konzern hierzulande 12.000 Menschen. Die Stellenstreichungen beträfen hauptsächlich Entwicklung und Informationstechnik. Bereits am Dienstag hatte der Konzern bekanntgegeben, in Großbritannien 1800 Jobs zu streichen. Das entspricht 18 Prozent der Belegschaft dort. Insidern zufolge könnte sich Fujitsu künftig auf IT-Dienstleistungen konzentrieren. Mit dem weltgrößten Computer-Hersteller Lenovo verhandelt das Unternehmen offenbar über einen Verkauf des PC-Geschäfts von Fujitsu. Quelle: REUTERS
Lufthansa Technik Quelle: dpa
DAK Gesundheit Quelle: dpa
EnBWDer Energieversorger baut weiter Stellen ab: Die Energie Baden-Württemberg werde sich aus dem Strom- und Gasvertrieb an Großkunden der Industrie zurückziehen, teilte das Unternehmen am Dienstag mit. Davon seien 400 Beschäftigte betroffen, denen ein Aufhebungsvertrag oder ein alternativer Arbeitsplatz im Konzern angeboten werde. Auch im Privatkundengeschäft, der Energieerzeugung und der Verwaltung steht demnach Stellenabbau bevor, der noch nicht beziffert wurde. In den vergangenen zwei Jahren waren bereits rund 1650 Stellen weggefallen. Quelle: dpa
Intel Quelle: REUTERS
Nokia Quelle: dpa
Der IT-Konzern IBM plant in Deutschland offenbar einen massiven Stellenabbau Quelle: dpa

Auch die Karstadt-Betriebsräte dürften kaum darüber jubeln, dass rund zehn Prozent der Stellen wegfallen.

Natürlich nicht. Aber mit den Betriebsräten gehen wir in eine normale Diskussion, sie kennen die Betriebswirklichkeit und haben verstanden, dass wir nicht 2000 Leute von heute auf morgen auf die Straße setzen.

Was sonst?

Zunächst: Wir haben keine Pläne, irgendeinen Standort zu schließen. Wir streben die passende Größe für Karstadt mit der Strategie 'Karstadt 2015' an. Wir werden keine Rasenmäher-Methoden anwenden. Stattdessen wollen wir uns gemeinsam mit den Betriebsräten Filiale für Filiale ansehen, die Hauptverwaltung unter die Lupe nehmen und dann entscheiden: Wo gibt es beispielsweise Chancen, dass Leute früher in Rente gehen. Wo gibt es Möglichkeiten für Fortbildungen und welche natürliche Fluktuation haben wir jeweils.

Und was, wenn die sanften Mittel nicht reichen, um 2000 Stellen zu streichen?

Unser klarer Fokus ist ein sozialverträglicher Stellenabbau. Wenn es sein müsste, würden wir aber beispielsweise auch an Transfergesellschaften denken. Und wie gesagt, es wird keine Rasenmäher-Methoden geben. Wir gehen davon aus, das im ersten Jahr 1000 Stellen und im zweiten Jahr nochmals 1000 Stellen betroffen sind.

Schließen Sie betriebsbedingte Kündigungen aus?

Wir werden alles unternehmen, um den Stellenabbau so sozialverträglich wie möglich durchzuführen, aber ich kann selbstverständlich nichts ausschließen.

Karstadt benötigt Strukturverbesserungen

Einzelhandel mutiert zur Krisenbranche
Weltbild VerlagDas insolvente Medienunternehmen bekommt einen neuen Investor. Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz gab dem Düsseldorfer Familienunternehmen Droege International Group den Zuschlag und brach die Verhandlungen mit dem Münchner Finanzinvestor Paragon Partners ab. Gemeinsam werde man die Sanierung mit dem geplanten Abbau von Stellen und Buchläden fortsetzen: "Die Restrukturierung für sich ist noch nicht abgeschlossen." Droege zeichnet eine Kapitalerhöhung von 20 Millionen Euro und erhält im Gegenzug eine 60-prozentige Beteiligung. Die übrigen 40 Prozent hält Geiwitz für die Gläubiger. Nach den bisherigen Plänen sollen 167 Filialen erhalten bleiben, die Zahl könnte aber weiter schrumpfen. Weltbild hatte am 10. Januar 2014 Insolvenz beantragt. Der Aufsichtsrat sah keine Finanzierungsmöglichkeit für eine Sanierung. Noch sind 2100 Mitarbeiter bei Weltbild beschäftigt. Der Augsburger Verlag war eines der größten Medienhäuser in Europa und gehörte zwölf katholischen Diözesen in Deutschland, dem Verband der Diözesen Deutschlands sowie der katholischen Soldatenseelsorge in Berlin. Weltbild litt zuletzt auch unter der Konkurrenz des US-Giganten Amazon. Konkreter Auslöser für die aktuellen Schwierigkeiten war nach Unternehmensangaben ein Umsatzrückgang in der ersten Hälfte des Geschäftsjahres 2013/14. Quelle: dpa
KarstadtKarstadt-Investor Nicolas Berggruen möchte sich endgültig von den Warenhäusern trennen - das berichtet die Bild-Zeitung. Er verhandele mit der österreichischen Investorengruppe Signa des Unternehmers René Benko. Benko hatte im vergangenen Herbst bereits die drei Premium-Häusern und 28 Sportwarenhäusern der Kette gekauft. Die Berggruen-Holdings ist bisher noch mit einem Anteil von 24,9 Prozent an beiden Geschäftsbereichen beteiligt, außerdem gehören ihr noch die 83 Warenhäuser der Karstadt-Gruppe. Diese könnten nun - so die Bild - für nur einen Euro den Besitzer wechseln. Auch Berggruen hatte seiner Zeit nur einen symbolischen Euro für die marode Warenhaus-Gruppe gezahlt. Erst vor wenigen Tage hatte Karstadt-Chefin Eva-Lotta Sjöstedt nach nur wenigen Monaten im Konzern hingeschmissen. Quelle: ddp
KarstadtDer Warenhauskonzern Karstadt will bis Ende 2014 insgesamt 2000 Stellen abbauen. Die Branche leidet unter massiven Überkapazitäten außerdem wandern immer mehr Kunden ins Internet ab. Der Stellenabbau soll so sozialverträglich wie möglich umgesetzt werden und primär über Frühpensionierungen, Nichtverlängerung von befristeten Verträgen sowie freiwilligen Austritt erfolgen. Die Gewerkschaften werfen Karstadt-Investor Nicolas Berggruen vor, nicht genug zu investieren. Im ersten Halbjahr 2013 hat sich die Lage bei Karstadt abermals verschärft, das Umsatzziel für das Geschäftsjahr wurde bereits um 230 Millionen Euro auf 3,1 Milliarden Euro herunterkorrigiert. Quelle: dpa
Strauss InnovationDie angeschlagene Warenhauskette hat am 22. April mit dem Räumungsverkauf begonnen. Ende März hatte das Unternehmen bekanntgegeben, mehr als jede fünfte der insgesamt 96 Filialen schließen und 200 Mitarbeiter entlassen zu wollen. Strauss-Läden gibt es in 59 deutschen Städten. Durch ein zügiges Insolvenzverfahren will man die restlichen 1200 Arbeitsplätze erhalten. Der größte Teil der Mitarbeiter, die ihren Arbeitsplatz verlieren, soll die Möglichkeit bekommen, für sechs Monate in eine Qualifizierungsgesellschaft zu wechseln. Die Warenhauskette Strauss Innovation hat am 30. Januar 2014 beim Amtsgericht Düsseldorf einen Antrag auf Eröffnung eines Schutzschirmverfahrens eingereicht. Schuld an der Misere sollen die Wetterkapriolen im vergangenen Jahr sein. Das Frühjahr war zu kalt - Gartenmöbel & Co. blieben stehen - der Winter zu mild - auch die warmen Socken und Daunenjacken blieben hängen. Das Unternehmen gehört dem US-Investor Sun Capital, dem auch der Traditionsversandhändler Neckermann gehörte. Quelle: Screenshot
StrenesseDas Modeunternehmen geht auf Investorensuche. Die Nördlinger Designer hatten am 16. April einen Antrag auf Insolvenz in Eigenverwaltung gestellt. Dabei bleibt der bisherige Vorstand im Amt, der externe Sachwalter wird der Geschäftsführung jedoch zur Seite gestellt. Zusätzlich wurde der Sanierungsexperte Michael Pluta in den Vorstand berufen. Vorstandschef Luca Strehle sagte, der Geschäftsbetrieb gehe uneingeschränkt weiter. „Ich bin immer noch überzeugt, dass wir auf dem absolut richtigen Weg sind. Der jetzige Schritt ist eine Zäsur, um die Sanierung voranzutreiben, ohne den Mühlstein der Altlasten mitschleppen zu müssen.“ Durch die Insolvenz gewinne man enorm an Liquidität. Strenesse gehört seit rund 65 Jahren der Familie Strehle. In den vergangenen Jahren hatte man jedoch mit sinkenden Umsätzen und tiefroten Zahlen zu kämpfen. Erst im Februar stand Strenesse vor der Zahlungsunfähigkeit. Die Inhaber einer Schuldverschreibung über zwölf Millionen Euro entschieden, dass Strenesse drei Jahre Luft bekommt und das Geld erst 2017 zurückzahlen muss. Strenesse beschäftigt rund 350 Mitarbeiter und unterhält 15 eigene Geschäfte sowie Showrooms in München, Düsseldorf, Mailand, New York und Tokio. Im Geschäftsjahr 2011/2012 betrug der Umsatz des Konzerns 66,5 Millionen Euro. Quelle: Screenshot
Abercrombie & Fitch Der US-Modekette Abercrombie & Fitch bricht das Geschäft immer weiter weg. Der Umsatz fiel im abgelaufenen Quartal um zwölf Prozent auf 1,3 Milliarden Dollar, der Gewinn stürzte sogar um 58 Prozent auf 66,1 Millionen Dollar ab. Abercrombie & Fitch - auf Jugendliche spezialisiert und für seine leicht bekleideten Modelle bekannt - verliert seit längerem Kunden an Konkurrenten wie Zara, Forever 21 oder H&M. Sie wechseln ihre Kollektionen öfter und sind zudem günstiger.  Gerrit Heinemann, Professor für Betriebswirtschaftslehre mit dem Schwerpunkt Trade und Retail und Leiter des eWeb Research Centers an der Hochschule Niederrhein prognostizierte auf WirtschaftsWoche Online bereits Ende vergangenen Jahres: „Ich glaube nicht, dass es Abercrombie & Fitch noch lange in Deutschland geben wird. Ihr Geschäftsmodell ist zu angreifbar und kippt gerade in den USA, so dass es höchstwahrscheinlich bald zum Rückzug aus Übersee kommt.“ Quelle: REUTERS
Die Baumarkt-Kette Max Bahr mit ehemals bundesweit 132 Standorten wird zerschlagen. Die Übernahmegespräche mit der Hellweg-Gruppe über die verbliebenen 73 Märkte waren Mitte November gescheitert; Ende November scheiterte dann auch eine Übernahme durch Globus. Am 28. November wurde dann bekannt, dass die Mannheimer Baumarktkette Bauhaus 24 Standorte des insolventen Konkurrenten übernimmt. Damit sollen rund 1300 der noch verbliebenen 3600 Arbeitsplätze abgesichert sein. Max Bahr hatte am 26. Juli 2013 die Eröffnung von Insolvenzverfahren wegen Überschuldung und Zahlungsunfähigkeit beantragen müssen. Mutterkonzern Praktiker hatte am 11. Juli den Gang zum Insolvenzrichter absolviert. Quelle: dpa

Intern heißt es, vor allem die Abteilungsleiter in den Filialen müssen um ihren Job bangen. Stimmt das?

Wir wollen effizienter werden. Dazu gehört natürlich auch, dass wir schlankere Strukturen einführen - weniger Hierarchie. Ein Ansatzpunkt ist deshalb die mittlere Managementebene. Rund 100 Stellen für Abteilungsleiter wird es langfristig weniger geben. Sie müssen wissen:  Über die Jahre haben die Häuser unterschiedliche Führungsstrukturen erarbeitet und wir haben festgestellt, dass einige Filialen wie zum Beispiel München-Schwabing oder Lörrach mit weniger Hierarchieebenen deutlich erfolgreicher sind. Diese Filialen nehmen wir als Vorbild. Das ist aber nur einer unserer Hebel, wir durchleuchten die gesamte Organisation.

Im Handel brechen massenhaft Jobs weg

Laufen die Geschäfte so schlecht oder warum legen Sie das Sparprogramm ausgerechnet jetzt auf?

Es geht nicht darum, zu sparen. Schon die Bezeichnung ‚Sparprogramm‘ ist für diese Aufgabe eigentlich eine Beleidigung. Wir sind nicht bei der Schuldenberatung im Fernsehen, wo vorgerechnet wird: ‚Da fehlen euch ein paar Millionen Euro und hier müsst ihr noch eine Lücke füllen’. Karstadt leidet unter einem jahrelangen Innovationsstau. Noch einmal: Wir wollen die richtige Größe für das Unternehmen. Es gibt Prozess- und Strukturverbesserungen, die jedes Handelsunternehmen angehen muss und die Auswirkungen auf den Personaleinsatz haben. Das ist kein Hexenwerk und kein Kahlschlag sondern ein normaler Vorgang.

Welche Prozesse sollen das sein?

Ich will Ihnen ein Beispiel nennen. Viele andere Handelsunternehmen haben Handscanner und mobile Drucker im Einsatz, die automatisch anzeigen, um welchen Artikel es sich handelt, ob die Ware am richtigen Platz steht und ob der Preis reduziert werden muss. Bei uns machen das die Mitarbeiter noch per Hand. Das ist sehr mühsam und zeitintensiv.

Handel



Wieso fällt Ihnen das erst jetzt auf?

In der Vergangenheit fehlten schlicht die Investitionen in solche Geräte und andere moderne Technik. Zudem konnten wir das Thema Personalaufwand aufgrund des Fortführungstarifvertrags auch nicht gezielt angehen. Insofern sind wir hier in der alten Welt stehen geblieben und müssen jetzt zügig und konzentriert besser werden. Sie werden keinen Händler in Deutschland finden, der solche Themen liegen lässt.

Karstadt-Vorstandschef Andrew Jennings begründete die Stellenstreichungen jüngst aber auch mit der Euro-Krise und „wirtschaftlichen Herausforderungen“. Also muss doch gespart werden?

Es gibt kein Unternehmen, das auf Effizienzsteigerungen freiwillig verzichtet und sichtbare Verschwendung nicht bekämpft. Wir tun jetzt nichts anderes. Das gehört zu unserer Wachstumsstrategie und damit sind wir auf dem richtigen Weg.

Tangiert Sie die Euro-Krise gar nicht?

Natürlich müssen wir vorausschauend handeln, denn die Krise kann uns beeinflussen. In diesem Zusammenhang müssen wir noch schneller und umsichtiger agieren. Wir können den Veränderungsbedarf nicht einfach ignorieren und uns ausruhen. Es geht darum, die Organisation robust zu machen. Und es geht um den langfristigen Erfolg.

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