Steuersparen à la Burger King

Die USA brauchen eine Steuerreform

Martin Feldstein Quelle: Bloomberg, Montage
Martin S. Feldstein US-amerikanischer Ökonom, Professor für Wirtschaftswissenschaften und ehemaliger Oberster Wirtschaftsberater für US-Präsident Ronald Reagan Zur Kolumnen-Übersicht: Post aus Harvard

Immer mehr US-Konzerne wollen das Land verlassen, um Steuern zu sparen. Neuestes Beispiel: Burger King. Will Obama die Wirtschaft stärken, muss er diesen Trend stoppen – am besten durch eine Unternehmenssteuerreform.

Burger King kauft gerade für 11,5 Milliarden Dollar die kanadische Kaffee- und Donut-Kette Tim Hortons. Mit dem Zusammenschluss soll der Firmensitz von Miami in die kanadische Provinz verlegt werden. Quelle: Bloomberg

Diese Entwicklung freut die Europäer, ist für die Amerikaner aber ein Problem: Immer mehr US-Unternehmen wollen ihren Hauptgeschäftssitz nach Europa verlegen. Der Grund: Multinationale Konzerne können sich auf diese Weise den unvorteilhaften Körperschaftsteuerbestimmungen in den USA entziehen und ihre Steuerlast verringern.

Die US-Regierung will dagegen nun durch administrative Änderungen des Steuerrechts vorgehen. Viel sinnvoller hingegen wäre eine Steuerreform, die multinationale Unternehmen gar nicht erst in Versuchung bringt, Firmensitze zu verlagern. Eine Reform könnte die Beschäftigung und Produktion in den USA erhöhen – und die Steuereinnahmen auch.

Nach geltendem Recht werden US-Unternehmensgewinne mit 35 Prozent besteuert – der höchste Satz unter den OECD-Ländern. Im OECD-Schnitt liegt er bei 25 Prozent. US-Unternehmen zahlen die Steuer auf in den USA erzielte Gewinne und auf Erlöse ausländischer Tochterunternehmen, wenn diese Gelder in die USA zurückgeholt (repatriiert) werden.

Zur Person

Neue Methode

So zahlt etwa eine in Irland tätige Tochtergesellschaft eines US-Unternehmens die irische Körperschaftsteuer von 12,5 Prozent auf dort erzielte Gewinne. Wenn das Unternehmen die Gewinne nach Steuern repatriiert, zahlt es Steuern in Höhe von 22,5 Prozent – die Differenz zwischen dem US-Steuersatz von 35 Prozent und den bereits gezahlten 12,5 Prozent in Irland. Wer Gewinne in Irland – oder einem anderen Land – wieder investiert, muss keine weiteren Steuern entrichten.

Viele US-Firmen ziehen es daher vor, diese Gewinne im Ausland zu belassen – als finanzielle Rücklage oder in Form von Investitionen in neue oder bestehende Tochtergesellschaften. Mittlerweile haben Unternehmen rund zwei Billionen Dollar an Gewinnen im Ausland angehäuft, die im Heimatland nie versteuert wurden.

Übernahmen mit Steuerersparnis

Alle anderen OECD-Länder gehen mit Gewinnen ausländischer Töchter ihrer Unternehmen anders um. Sie setzen auf die sogenannte territoriale Methode. So entrichtet etwa eine französische Firma, die in Irland investiert, 12,5 Prozent irische Körperschaftsteuer, kann Gewinne nach Steuern dann aber zu einem Steuersatz von unter fünf Prozent nach Frankreich zurückholen.

Amerikas derzeitiges Steuersystem belastet die US-Wirtschaft in mehrfacher Weise. Die zusätzlichen Steuern, die US-Firmen entrichten, wenn sie Gewinne repatriieren, erhöhen ihre Kapitalkosten und verringern ihre Wettbewerbsfähigkeit auf internationalen Märkten. Die Umstellung auf ein territoriales System würde multinationale US-Unternehmen ermuntern, ihre Auslandsgewinne im Inland zu reinvestieren. Da die Konzerne gegenwärtig nur einen geringen Teil der Auslandsgewinne repatriieren, würden der US-Regierung kaum Steuereinnahmen entgehen. Vor einigen Jahren schätzte das US-Finanzministerium, dass die Umstellung auf ein territoriales System die Körperschaftsteuereinnahmen um lediglich 130 Milliarden US-Dollar über zehn Jahre verringern würde.

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