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Strategiewechsel oder PR-Coup? Aldi eröffnet Filiale auf der Königsallee

Die Düsseldorfer „Kö“ ist berühmt für Luxus-Boutiquen von Louis Vuitton bis Giorgio Armani. Am Montag lädt ein recht unglamouröses Handelshaus zum Grand Opening auf dem Nobelboulevard: Aldi.   

Wer hinter No-Name-Produkten steckt
Ostmann-GewürzeMartina Schneider, Autorin des Buches "Welche Marke steckt dahinter?", schreibt, dass sich die Billig-Klone der Markenprodukte für die Unternehmen lohnen: Sie können ihre Produktionskapazitäten voll ausschöpfen und haben ein zweites Standbein. Allerdings sind die Billigmarken, oft auch vertrieben durch Tochterunternehmen, nicht das Lieblingsthema der Unternehmen. Die Gefahr, dass die Kunden statt auf das Original auf die billige Kopie zurückgreifen, ist zu hoch. So spart ein Kunde, der Kräuter oder Gewürze der Marke Basta kauft, 80 Prozent gegenüber den Ostmann-Gewürzen. Dabei kommen die Würzmischungen aus dem gleichen Haus. Einziger Unterschied: Verpackung und Preis. Basta-Gewürze werden übrigens bei der Supermarktkette Norma vertrieben. Quelle: Screenshot
Gallo Cabernet SauvignonÄhnlich hoch ist die Ersparnis für Kunden, die statt dem "Gallo Cabernet Sauvignon" auf den Wein der Marke "Burlwood Cabernet Sauvignon" bei Aldi kaufen. Der Wein stammt vom selben Familienunternehmen in Californien, kostet bei Aldi aber rund 70 Prozent weniger.
ZentisDer Marmeladen- und Konfitürenhersteller Zentis produziert auch für die Rewe-Marke "Ja!". Kunden, die zur Ja!-Marmelade oder Schokocreme greifen, bezahlen für das gleiche Markenprodukt also deutlich weniger. Der Grund für die krassen Preisunterschiede ist die starke Marktposition der Discounter gegenüber den Herstellern. Aldi, Rewe und Co können Unternehmen wie Zentis zwar nicht den Preis für die hauseigenen Marken, wohl aber den Preis für die Billigmarmelade vorschreiben. Quelle: dpa/dpaweb
ToastSo kostet das Label Golden Toast von Lieken rund 59 Prozent mehr als das Lidl-Produkt "Grafschafter Butter Toast" der Firma Kornmark - dabei ist Kornmark eine Tochterfirma von Lieken. Es handelt sich also um dasselbe Weißbrot. Unter dem Namen "Mühlengold Buttertoast" verkauft die Firma Lieken ihren Toast übrigens auch beim Discounter Aldi. Quelle: Screenshot
Dickmann'sAuch das Unternehmen Storck produziert seine "Super Dickmann's" und "Schokostrolche" nicht nur unter dem eigenen Label. Das Aldi-Produkt "Scholetta Mini Schokoküsse" kommt aus der gleichen Fabrik wie alle anderen Storck-Süßigkeiten. Zu denen gehören neben Dickmann's übrigens auch Nimm2, Werther's Echte und Storck Riesen. Quelle: Screenshot
Leibniz-Kekse & CoAuch die Firma Bahlsen produziert zweigleisig: Hinter Aldis "Van Botta Keksen" versteckt sich der "Leibniz"-Keks, die "Bahlsen Waffeletten" tarnen sich beim Discounter als "Favorini Zartes Waffelgebäck" und auch die billigen Schoko-Waffelröllchen der Firma Choco Bistro stammen aus dem Hause Bahlsen. Quelle: dpa
Müller MilchreisGleiches gilt für den Milchreis der Firma Müller, der getarnt als "Gut und Günstig" bei Kaufland im Regal steht. Und auch bei Aldi gibts den Original Müller Milchreis unter anderem Namen zu kaufen - zum halben Preis. Quelle: Screenshot

Nein, den legendären Aldi-Champagner gibt’s nicht zum Sonderpreis, wenn der Discounter am Montag seine neue Filiale auf der Düsseldorfer Königsallee eröffnet. Ein Billigheimer zwischen Designerläden und Edelboutiquen? Schon im Vorfeld war die Verwirrung über die Kö-Pläne groß. „Plant Aldi vielleicht einen Strategiewechsel?“, fabulierte eine Zeitung. Andere Beobachter sehen schon das Image der „Kö“ als Hort des Luxus gefährdet.

Nichts davon ist richtig: Vielmehr verspricht der Straßenname schlicht mehr Noblesse als die Lage einhält. Denn die neue Aldi-Dependence liegt nicht im Kö-Zentrum, zumal auch dort wirkliche Luxusgeschäfte längst die Ausnahme sind.

Warum Aldi billig ist

Vielmehr siedelt Aldi am südlichen Ende des Boulevards in einem früheren Elektronikmarkt. Die Nachbarn heißen nicht Gucci oder Prada, sondern Fitness First und Deutsche Rentenversicherung. Und allenfalls zur Visite des benachbarten China-Restaurant dürften sich ab und an Touristen in die Gegend verirren. Auch die Aldi-Eröffnungsangebote sind wenig glamourös: Einen elektrischen Tischgrill gibt’s zum Schnäppchenpreis von 19,99 Euro, einen Haarentferner für 99 Euro. Ansonsten setzt der Billigheimer auf das klassische Brot- und Buttergeschäft.

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Was also steckt hinter der Kö-Attacke? „Aldi und Lidl sind seit geraumer Zeit wieder auf dem Weg in die Innenstadt, nachdem der Trend früher auf die grüne Wiese ging", erklärte jüngst Matthias Queck, Discountexperte des Informationsdienstes Planet Retail. Kurz: Die Discounter wollen noch näher an ihre Kunden ran und suchen Standorte in Wohnquartieren.

Wie weit die Branchenschwergewichte Aldi und Lidl mit ihren Annäherungsversuchen bereits sind und wer vorne liegt, hat das Geomarketing-Unternehmen Nexiga bundesweit analysiert. Lidl betreibt deutschlandweit demnach 3.238 Filialen, Aldi Nord und Süd kommen auf zusammen 4.258 Märkte. In Sachen Erreichbarkeit habe Aldi die Nase vorn, schreiben die Nexiga-Experten und stützen sich dabei auf eine Tiefenanalyse zur Standortverteilung. Dafür wurde Deutschland in 87.321 Wohnquartiere unterteilt. Ausgehend vom jeweiligen Mittelpunkt eines Wohnquartieres wurde die Entfernung zur nächst gelegenen Aldi- und Lidl-Filiale berechnet.

Das Ergebnis: Eine Aldi-Filiale liegt durchschnittlich 3,51 Kilometer vom Mittelpunkt eines Quartiers entfernt, ein Lidl-Markt 3,94 Kilometer. Nur etwa 6,4 Prozent aller Haushalte müssen mehr als 10 Kilometer zur nächsten Aldi-Filiale fahren, bei Lidl sind 8,4 Prozent. 

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