Streik steht bevor Amazon kämpft an allen Fronten

Kritik an den Arbeitsbedingungen, Berichte über Steuerspartricks und nun wollen auch noch die Amazon-Mitarbeiter im größten Logistikzentrum streiken.

Deutschlands beste Onlinehändler
Platz 10: Shop-ApothekeMit 74,5 von 100 möglichen Punkten schafft es Shop-Apotheke knapp unter die zehn besten deutschen Online-Shopts. In die Platzierung fließt die Bewertung von Versand und Lieferung, Benutzerfreundlichkeit, Sortiment, Service, Preis-Leistungsverhältnis, Websitegestaltung und Bezahlweise mit ein. Quelle: Studie des Instituts für Handelsforschung
Platz 9: Gerry WeberDas Modelabel erreicht 74,6 Punkte. Innerhalb der Top Ten entscheiden zum Teil Zehntel über den Rang. Nur drei der zehn besten Online-Shops des letzten Jahres können sich behaupten und schaffen es auch 2013 wieder auf die vorderen Plätze. Quelle: Screenshot
Platz 8: Medpex74,8 Punkte erreicht die zweite Versandapotheke unter den Top Ten. Kai Hudetz, Geschäftsführer des IFH Köln bemerkt:
Platz 7: Hugo BossDie Deutschen lieben es Mode über das Internet zu bestellen. Hugo Boss scheint bei der Gestaltung seines Online-Shops vieles richtig gemacht zu haben. Endergebnis: 74,8 Punkte. Quelle: Screenshot
Platz 6: EspritDie Modemarke erreicht 74,9 Punkte und schafft damit den Sprung in die Top Ten problemlos. Im Vorjahr war sie noch nicht dabei. Shops aus der Modebranche schafften es in diesem Jahr besonders häufig unter die besten zehn. Quelle: Screenshot
Platz 5: BurberryUnd noch ein Anbieter von Markenkleidung. Der Burberry-Shop gefällt den Nutzern noch besser als Esprit oder Gerry Weber. 75,1 Punkte erreicht der deutsche Ableger der britischen Kultmarke. Quelle: Screenshot
Patz 4: JavariDas Modeportal bietet vor allem Schuhe und Handtaschen und ist in diesem Jahr ebenfalls zum ersten Mal unter den Top Ten zu finden. Javari ist eine Amazon-Tochter und soll hierzulande gegen Zalando antreten. Den Befragten scheint es zu überzeugen. Zalando schafft es in der Auswertung nach Einzelbranchen nur auf den zweiten Platz. Javari gelingt mit 75,2 Punkten der Sprung auf Platz vier des Gesamtrankings. Quelle: Screenshot

Amazon kommt nicht aus den Negativ-Schlagzeilen. Die ARD-Reportage "Ausgeliefert! Leiharbeiter bei Amazon" löste eine Welle der Empörung aus. Nach der Ausstrahlung, in der die Arbeitsbedingungen für die Leiharbeiter im Auslieferungszentrum in Bad Hersfeld angeprangert wurden, ging ein Shitstorm über das US-Unternehmen nieder, tausende Kunden löschten ihre Bestellkonten. In der Folge brach in Deutschland das Image des Onlinehändlers massiv ein. Im Markenmonitor BrandIndex des Markt- und Meinungsforschungsinstituts YouGov sackte der bis dato beliebteste deutsche Onlinehändler innerhalb eines Monats von 87 auf 45 Imagepunkte ab. Einen so drastischen Imageverlust in so kurzer Zeit beobachten selbst die Experten nur selten. Im Zuge der Offshore-Leaks-Enthüllung, geriet Amazon nochmals ins Visier. Der Internet-Riese wählt besonders geschickt, in welchem Land welcher Konzernteil angesiedelt ist, um möglichst viel Steuern und Abgaben zu sparen. So ist etwa die Zentrale, über die das Buchhandelsgeschäft für Europa läuft, in Luxembourg angesiedelt.

In Luxemburg werden gedruckte wie elektronische Bücher mit nur drei Prozent besteuert. In Deutschland gilt für gedruckte Bücher ein Mehrwertsteuersatz von 7 Prozent, für E-Books 19 Prozent. Die Mehrwertsteuer für elektronische Bücher fällt in dem Land an, in dem die Server stehen. Auch wenn die Werke, die Amazon vertreibt, von einem deutschen Verlag stammen oder ein Kunde aus Deutschland das E-Book kauft, gilt also der Steuersatz Luxemburgs. Das ist nur ein Beispiel von vielen, mit denen der Internetkonzern Millionen, wenn nicht Milliarden spart.

Die 10 größten Onlinehändler in Deutschland
Apple Quelle: AP
Alternate.de Quelle: Screenshot
Platz 8: Conrad.de Quelle: Screenshot
Tchibo.de Quelle: dpa
Platz 6: Bonprix.de Quelle: Screenshot
Cyberport.de Quelle: Screenshot
Platz 4: Notebooksbilliger.de Quelle: Screenshot

Nach all der öffentlichen Kritik an schlechten Arbeitsbedingungen und Steuersparmodellen, begehren jetzt auch noch die Gewerkschaften gegen Amazon auf. Im größten deutschen Verteilzentrum stehen die Zeichen auf Streik. Die Gewerkschaftsmitglieder im osthessischen Bad Hersfeld - jenem Zentrum, von dem auch in der ARD-Reportage die Rede war - haben sich zu 97,6 Prozent für einen Arbeitskampf ausgesprochen. Damit wird ein Streik bei Amazon in Bad Hersfeld immer wahrscheinlicher. Verdi-Verhandlungsführer Bernhard Schiederig: „Wenn die Geschäftsführung auch diese Zeichen nicht verstehen will, sind Streiks in absehbarer Zeit nicht mehr zu vermeiden.“ Verdi verlangt Amazon, den Tarifvertrag für den Einzel- und Versandhandel anzuerkennen. Für die einzelnen Beschäftigten würde das laut Gewerkschaft bis zu 9000 Euro brutto im Jahr ausmachen.

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Amazon zeigt sich zwar zu weiteren informellen Gesprächen mit der Gewerkschaft bereit, an der Verhandlungstisch will der Online-Riese aber nicht. Dazu gebe es derzeit zu wenige Gemeinsamkeiten. „Amazons Versandzentren sind Logistikunternehmen, die Kundenbestellungen ausführen. Mitarbeiter der deutschen Logistikzentren liegen mit ihrem Einkommen am oberen Ende dessen, was in der Logistikindustrie üblich ist“, betont die Sprecherin weiter. Bei dem Standort in Bad Hersfeld handle es sich um ein reines Versandzentrum. „Unsere Mitarbeiter dort leisten logistische Tätigkeiten - Kommissionierung, Verpackung und Versendung von Waren.“ Deshalb laufe die Verdi-Argumentation ins Leere. An den beiden Amazon-Standorten in Bad Hersfeld arbeiten rund 3300 Menschen. Bad Hersfeld ist der zweite Amazon-Standort, der für einen Streik gestimmt hat. Anfang April haben Mitarbeiter in Leipzig den Ausstand beschlossen, aber noch keinen Termin dafür festgelegt.

Deutschland ist für Amazon der größte Markt außerhalb der USA. 2012 setzte der Internet-Händler hierzulande 8,7 Milliarden Dollar um, umgerechnet sind das derzeit etwa 6,5 Milliarden Euro. Damit lag Deutschland noch vor Japan mit 7,8 Milliarden Dollar und Großbritannien mit 6,5 Milliarden Dollar. Die Kunden in Deutschland werden aus Logistikzentren beliefert, die der Konzern in Graben, Bad Hersfeld, Leipzig, Rheinberg, Werne, Pforzheim und Koblenz unterhält. Dort arbeiten nach Auskunft von Amazon etwa 7700 fest angestellte Vollzeitmitarbeiter. In Spitzenzeiten wie zu Weihnachten kommen an jedem Standort Tausende Saisonkräfte hinzu.
Mit Material von dpa und reuters

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