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Streit mit den Buchverlagen 909 Autoren prangern Amazon an

Amazon hat sich in der Buchbranche unbeliebt gemacht, sich mit Händlern und Verlagen anlegt. Nun begehren auch die Autoren auf. 909 US-Schriftsteller prangern Amazon in einem offenen Brief an.

Amazon sieht sich der Kritik von Buchautoren ausgesetzt. Quelle: dpa


Douglas Preston hat die Nase voll. Gestrichen voll. Der erfolgreiche Krimi-Autor schreibt für die amerikanische Verlags-Gruppe Hachette und er will nicht mehr mit ansehen, wie diese Größe der US-Buchbranche vom Online-Händler Amazon erpresst und unterdrückt wird. Deshalb bläst Preston zum Angriff. Im Kampf mit dem Giganten wählt er seine schärfste Waffe: das Wort.

Preston hat einen offenen Brief geschrieben über die Methoden des Online-Händlers. Ein Protestschreiben, das die Leser der New York Times als große Werbeanzeige in ihrer Sonntagsausgabe lesen können. Mehr als zwei Millionen Zeitungs-Käufer sollen erfahren, wie Amazon die Verlage unter Druck setzt und damit – in Prestons Augen – auch den Autoren schadet.


Auslöser ist ein seit Monaten schwelender Streit zwischen Hachette und dem Online-Händler. Weil der Verlag Amazon keine höheren Rabatte auf E-Books einräumen wollte, sorgte der Händler kurzerhand für Lieferschwierigkeiten bei bestimmten Büchern. Kein Einzelfall. „Wir glauben, dass kein Buchhändler den Verkauf von Büchern blockieren oder die Käufer davon abhalten sollte, das Buch zu bestellen, das sie wollen“, heißt es deshalb in Prestons Brief.

909 Ankläger
Der Krimi-Autor ist mit seiner Klage nicht allein. Kult-Autor Stephen King hat den Protestbrief unterzeichnet. Genauso wie Stephen King und mehr als 900 weitere Schriftsteller. Den Grund für den Zorn nennt Preston im Gespräch mit der Times: Mit Büchern sei der Online-Händler schließlich groß geworden. Und jetzt? „Jetzt hat Amazon uns den Rücken gekehrt. Schätzen sie uns nicht mehr? Kennen sie keine Loyalität? Darum sind die Autoren wütend”, so Preston.

Die besten Zitate von Amazon-Gründer Jeff Bezos

Kritiker werfen ihm nun vor, nur „der menschliche Schutzschild" des Verlags zu sein. Preston beteuert jedoch, auf eigene Faust und im Namen der Autoren zu handeln. Und deren Anfeindungen könnten Amazon härter treffen, als viele andere Vorwürfe, die immer wieder laut werden. Denn sie richten sich gegen das Selbstbild des Online-Shops.

Amazon-Chef Jeff Bezos will nicht als Feind der Autoren gelten. Gegner der Verlage und Händler zu sein, das ist kein Problem für den CEO. Da geht es schließlich ausschließlich um den Preis. Den will Amazon so weit drücken wie möglich, um der Konkurrenz ein Schnippchen zu schlagen. Dazu lässt der Riese regelmäßig seine Muskeln spielen.

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Im Umgang mit Verlagen war Amazon noch nie zimperlich. Um die Autoren und ihre Kreativität hat sich der Händler aber immer stark bemüht. Mit hohen Tantiemen versucht Amazon gar, die Schreiber ganz zu sich zu locken. Weg von den Verlagen. Wer bei Amazon unterschreibt, wird zwar ausschließlich online vertrieben, darf bei Erfolg aber weit mehr von den Einnahmen behalten, als es viele Verlage zulassen. Bei einigen kleinen, unbekannteren Autoren kommt diese vermeintliche Großzügigkeit gut an. Viele erfolgreiche Autoren sorgen sich jedoch, dass mit den Verlagen auch der Buchmarkt in seiner aktuellen Ausprägung in Gefahr ist.

Dass ihr Schreiben tatsächlich genug Macht besitzt, um Amazon zum Umdenken zu bewegen, ist unwahrscheinlich. Aber die öffentlichkeitswirksame Anklage schadet dem - spätestens seit den schwachen Quartalszahlen - angekratzten Image des Händlers ein kleines bisschen mehr.

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