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Streit um Einkaufspreise Rewe, Ramazzotti und das leere Regal

Ein Zettel statt der Ramazzotti-Flasche: Weil die Verhandlungen zwischen Rewe und Pernod Ricard stockten, verweigerte der Spirituosenhersteller die Lieferung. Rewe reagierte – mit einem offenen Brief an die Kunden.

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Streit um Einkaufspreispreise bei Rewe und Ramazzotti. Quelle: dpa

Es ist nur das Bild eines Supermarktregals. Doch es ist symbolisch dafür, wie hart Handelskonzerne wie Rewe inzwischen mit ihren Lieferanten verhandeln. Auf Twitter kursiert ein Foto, das einen Zettel am Spirituosen-Regal einer Filiale des Rewe-Konzerns zeigt. Darauf erklärt der Einzelhändler, warum der Kräuterlikör Ramazzotti nicht mehr im Regal steht: Man habe die „vom Lieferanten geforderte Erhöhung unserer Einkaufspreise“ abgelehnt, heißt es auf dem Zettel, „damit wir Ihnen weiterhin günstige Preise anbieten können“.  

Das Statement des Einzelhändlers ist mit „KW 28“ datiert, war also Anfang Juli in einigen Rewe-Märkten zu finden. Es ist ein neues Mittel, das Rewe da als Verhandlungstaktik im Einzelhandel einsetzt: Die Supermarktkette trägt seine Preisverhandlungen nicht mehr hinter geschlossenen Türen aus, sondern vor den Augen der Kunden. Das Kalkül von Rewe scheint klar: den Käufer bei Preisverhandlungen auf seine Seite zu ziehen. Die Strategie ging offenbar auf, wie der Tweet von Tim Klimes nahelegt.

Die größten Supermarktketten Europas
Platz 10: ITM Enterprises*Umsatz: 42,9 Milliarden Euro Food-Umsatz: 37,5 Milliarden Euro Bekannteste Marke der französischen ITM-Gruppe sind die Intermarché-Supermärkte, von denen es europaweit mehr als 2000 gibt. Quelle: Ranking des Handelsanalysten Planet Retail, 2011 Quelle: Screenshot
Platz 9: LeclercUmsatz: 35,8 Milliarden Euro Food-Umsatz: 22,8 Milliarden Euro Die französische Kette betreibt 560 Supermärkte in Frankreich und weitere 114 weltweit. 96.000 Menschen sind bei Leclerc beschäftigt. Quelle: Screenshot
Platz 8: AldiUmsatz: 42,4 Milliarden Euro Food-Umsatz: 35,8 Milliarden Euro Die Lebensmittel-Discounter Lidl und Aldi buhlen um ihre Marktmacht in Europa. Aldi schafft es immerhin auf Platz 8 der größten europäischen Händler. Lidl liegt als Bestandteil der Schwarz-Gruppe um ein paar Ränge höher. Quelle: dpa
Platz 7: EdekaUmsatz: 44,8 Milliarden Euro Food-Umsatz: 37,5 Milliarden Euro Edeka ist seit 2005 der größte Verbund im deutschen Einzelhandel. Zu der Gruppe gehören 12.000 Märkte mit über 300.000 Mitarbeitern. Tochtergesellschaften sind unter anderem SPAR und Netto-Markendiscount. Jetzt will Edeka mit kräftigen Investitionen in die Supermärkte und die Netto- Filialen der Konkurrenz weitere Marktanteile abknöpfen. Der Umsatz des Edeka-Verbundes stieg 2012 um 3,8 Prozent. Wachstumsmotor waren die selbstständigen Edeka-Händler mit einem Umsatzplus von 6,4 Prozent auf 21,3 Milliarden Euro. Netto Marken-Discount legte um 5,2 Prozent auf 11,3 Milliarden Euro zu. „Es ist uns gelungen, die Marktanteile auszubauen“, sagte der Chef der Edeka AG, Markus Mosa. Die Gesamtinvestitionen des Verbundes steigen 2013 um 200 Millionen auf 1,65 Milliarden Euro. Quelle: obs
Platz 6: MetroUmsatz: 47,2 Milliarden Euro Food-Umsatz: 28 Milliarden Euro Die deutsche Metro-AG ist die Dachgesellschaft mehrerer Groß- und Einzelhandelsunternehmen. Zu ihr gehören unter anderem die Vertriebsmarken Real, Saturn oder Galeria-Kaufhof. Bisher ist sie mit ihren Marken in 33 Ländern vertreten. Quelle: dapd
Platz 5Umsatz: 48,7 Milliarden Euro Food-Umsatz: 38,1 Milliarden Euro Die Rewe-Gruppe belegte in Europa 2011 Rang fünf der größten Händel - in Deutschlands ist Rewe derzeit zweitgrößte Lebensmittelhändler. Seit Mai versucht sich Rewe in Großstädten mit "REWE to go"-Shops als Konkurrent zu Fastfood-Ketten und Bäckereien. Quelle: dapd
Platz 4: AuchanUmsatz: 49,8 Milliarden Euro Food-Umsatz: 31,6 Milliarden Euro Die dritte französische Kette im Ranking der größten Händler Europas ist der französische Supermarkt-Riese Auchan. Auchan ist in zwölf Ländern aktiv und beschäftigt fast 270.000 Menschen. Der konzern betreibt mehr als 600 so genannter "hypermarché" und 760 normal große Supermärkte. 55 Prozent des Umsatzes macht Auchan außerhalb Frankreichs. Quelle: Screenshot

Pernod-Ricard, Hersteller von Ramazzotti, bestätigte den Lieferstopp auf Anfrage von Handelsblatt Online. Das Key-Account-Management, das Großkunden betreut, habe in Verhandlungen mit Rewe gesteckt. Man habe „unterschiedliche Ansichten“ gehabt, sagte eine Sprecherin, und daraufhin keinen Ramazzotti mehr an die Supermarktkette geliefert. Doch inzwischen habe man sich geeinigt, der Likör sei zurück in den Regalen. Die Preiserhöhung, die Ramazzotti gefordert habe, sei durch.

Aber das heißt nun nicht automatisch, dass der Kunde mehr zahlen muss. Bei Verhandlungen zwischen zwei Handelspartnern geht es vor allem um die Anteile, die Händler und Lieferant jeweils bekommen. Soll heißen: Wenn der Lieferant einen höheren Einkaufspreis verlangt, schmälert das im Normalfall den Gewinn des Händlers – außer, er erhöht die Einzelhandelspreise entsprechend.

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    Diese Preiserhöhung für den Konsumenten würde dann aber nicht direkt der Lieferant verantworten, wie Rewe auf seinem Zettel suggeriert. Der Handelskonzern könnte sich auch dazu entscheiden, das Produkt zum selben Preis anzubieten und auf einen Teil seiner Margen zu verzichten. Das ist nun offenbar geschehen. Auf eine Anfrage von Handelsblatt Online gab es von Rewe bisher keine Stellungnahme.

    Falls Rewe den höheren Preis von Pernod-Ricard, wie von dem Spirituosenhersteller überliefert, tatsächlich geschluckt hat, wäre das ein durchaus ungewöhnliches Verhalten. Die Marktmacht im Lebensmittelgeschäft teilen sich heutzutage vier Supermarktketten. Weil die großen Einzelhändler Rewe, Aldi, die Schwarz-Gruppe (Lidl und Kaufland) sowie Edeka den Markt fast komplett unter sich ausmachen, haben sie im Normalfall die stärkere Verhandlungsposition.

    Handel



    Warum der Einzelhändler nachgegeben hat, ist unklar. Ein Grund könnte sein, dass das Fehlen der Spirituosenmarke – anders als unbekanntere Marken – den Kunden auffiel und dadurch Druck auf Rewe ausgeübt wurde. Anders als etwa Käse, Zucker oder Schokolade hat Rewe alkoholische Getränke (noch) nicht durch Eigenmarken ersetzt. Und wer statt des Ramazzotti einen Zettel bei Rewe findet, der wechselt vermutlich eher den Supermarkt – nicht das alkoholische Wunschgetränk.

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