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Strommarkt Massenhafte Beschwerden gegen Flexstrom

Der Berliner Billigstromanbieter Flexstrom sieht sich als Underdog und Vorreiter der Liberalisierung. Dass sich das Unternehmen mit tausenden von Kunden streitet, finden die Manager nicht so schlimm.

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strommasten Quelle: dapd

Erst wirbt man die Kunden, dann streitet man sich mit ihnen. Flexstrom ist nach Recherchen des Handelsblatts der größte Arbeitgeber der neu eingerichteten Schlichtungsstelle für Energie. Rund ein Viertel aller 14.000 im ersten Jahr eingegangenen Beschwerden kamen von Verbrauchern, die einen Vertrag bei Flexstrom haben. Die Schlichtungsstelle wurde im Oktober 2011 eingerichtet und soll einerseits die Gerichte entlasten, andererseits zur Kundenzufriedenheit der Energieverbraucher beitragen.

Grund für die vielen Konflikte ist nach Angaben von Flexstrom neben Reibereien bei An- und Abmeldungen die Auszahlung von Boni. Flexstrom verspricht Neukunden bei Vertragsabschluss von Vorkassetarifen üppige Sonderzahlungen, die aber erst nach einem Jahr ausgezahlt werden sollen. Ist die Frist vorbei, gibt es massenhaft Streit, ob der Bonus nun tatsächlich ausgezahlt werden muss oder nicht.

Flexstrom sieht die Beschwerdeflut gelassen. „Natürlich würden wir die Quote gern senken“, sagte Flexstrom-Sprecher Dirk Hempel. „Aber die Zahlen hauen uns wirklich nicht um. Bei unseren 570 000 Kunden machen diese drei- oder vier tausend Beschwerden ja nur eine Quote von weniger als einem Prozent aus. Das ist nichts Ungewöhnliches.“

Presse: Häufiger Zahlungsverzug bei Flexstrom schreckt Branche auf

Diese Einschätzung mehr Wunsch als Wirklichkeit, ja sogar grundfalsch. Die Schlichtungsstelle schlüsselt ihre Zahlen nicht auf. Doch nach Recherchen des Handelsblattes haben von den rund 1700 Anbietern auf dem Strom- und Gasmarkt mehr als 1000 Unternehmen gar keine Schlichtungen zu verzeichnen. Selbst Großkonzerne mit Millionen von Kunden beschäftigen die Schlichter nur mit einigen wenigen Fällen. Flexstroms Streitfaktor liegt hier mehrere hundert Mal höher.

Doch nicht nur die Kunden sind skeptisch, sondern auch der Kapitalmarkt. Gestern gab Flexstrom bekannt, eine mit 8,25 Prozent verzinste, fünfjährige Anleihe herauszugeben und so 35 Millionen Euro einsammeln zu wollen. Damit solle das Wachstum finanziert werden. Vermögensberater aber raten vom Kauf der Anleihe ab. „Aus unserer Sicht ist Flexstrom zu hoch verschuldet, insbesondere wenn man den sehr hoch angesetzten Unternehmenswert (Goodwill) abzieht“, sagt Max Schott vom Vermögensverwalter Sand und Schott. Zudem sei der Cashflow von Flexstrom unregelmäßig. Schott: „Trotz der attraktiven Rendite raten wir Anlegern vom Kauf der Anleihe eher ab.“

 

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