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Studie Bei Familienunternehmen hinkt der Osten noch hinterher

Familienunternehmen sind hierzulande eine wichtige Stütze für die Wirtschaft. In Ostdeutschland sieht das allerdings noch anders aus, wie aus einer Studie hervorgeht.

Familienunternehmen trugen im Osten nur 7 Prozent zu den Gesamterlösen bei. Quelle: dpa

Weniger Arbeitsplätze und weniger Umsatz: Bei Familienunternehmen gibt es auch 25 Jahre nach dem Mauerfall noch große Unterschiede zwischen Ost und West. Das geht aus einer am Mittwoch veröffentlichten Studie des Instituts für Mittelstandsforschung im Auftrag des Bundesverbandes der Deutschen Industrie und der Deutschen Bank hervor.

Das beginnt schon bei der Größe: Mit durchschnittlich 900 Mitarbeitern sind ostdeutsche Familienunternehmen demnach deutlich kleiner als ihre Pendants im Westen mit im Schnitt 1600 Beschäftigten. Auch insgesamt gibt es im Osten weniger familiengeführte Betriebe: Von den rund 4500 größten Familienunternehmen in Deutschland sitzen dort nur rund 300.

Viele Familienunternehmen seien über Generationen gewachsen, heißt es in der Studie. Das sei eine Erklärung für die Unterschiede. Nach dem Fall der Mauer waren viele Menschen aus dem Osten über die Grenze nach Westen gekommen.

Die zehn besten börsennotierten Familienunternehmen
Platz 10: Hennes and Mauritz AB Class BDer schwedische Klamottenriese ist mittlerweile in 53 Ländern vertreten. Trotz des hart umkämpften Marktes konnte H&M zuletzt 11,2 Prozent Umsatzwachstum verbuchen. Die Eigenkapitalquote beträgt 73,6 Prozent. Stärken: sehr nachhaltiges und solides Umsatzwachstum: H&M konnte in den vergangenen 15 Jahren stets wachsen Schwächen: Wettbewerb bei der Zielgruppe der jungen Käufer ist stark umkämpft Quelle: dpa
Platz 9: TenarisMit 7,6 Prozent weist Tenaris das geringste Umsatzwachstum der Unternehmen in den Top Ten auf. Für die Zukunft erwarten Experten wieder eine Umsatzsteigerung. Die Eigenkapitalquote ist mit 71,3 Prozent sehr solide. Das Unternehmen stellt Stahlrohre her und erbringt auch damit in Verbindung stehende Dienstleistungen (etwa Schweißarbeiten), vor allem in der Öl- und Gasindustrie. Stärken: Starke Präsenz in allen wichtigen Märkten, unter anderem in den USA und Südamerika Schwächen: Hohe Abhängigkeit von der Öl- und Gasindustrie Quelle: Screenshot
Platz 8: Fresnillo PLCDas mexikanische Bergbauunternehmen ist vor allem in der Gold- und Silberförderung tätig. Mit einem Marktanteil von 53 Prozent ist Fresnillo aktuell der größte Silberproduzent der Welt. Das Umsatzwachstum liegt derzeit bei 14,7 Prozent bei einer Eigenkapitalquote von 68,3 Prozent. Stärken: Fresnillo zeichnet eine überdurchschnittliche Ertragskraftaus. Die EBIT-Marge lag 2013 bei 32 Prozent Schwächen: Erlöse und Erträge schwanken sehr stark Quelle: Presse
Platz 7: Antofagasta plcAntofagasta ist ein chilenischer Bergbaukonzern, das unter anderem Gold, Molybdän und Kupfer fördert, wobei Kupfer mit etwa 90 Prozent der Umsätze das Kerngeschäft ausmacht. Gegründet wurde das Unternehmen mit Sitz in London bereits 1888. Die Eigenkapitalquote ist konstant hoch und liegt derzeit bei 54,3 Prozent. Der Umsatz wuchs zuletzt um 13,5 Prozent. Stärken: Antofagasta hat sein Umsatzwachstum seit 2008 verdoppelt. Zudem zeichnet es sich durch hohe Profitabilität (EBIT-Marge: 36,7 Prozent) aus Schwächen: Umsätze konzentrieren sich stark auf Kupfer Quelle: Antofagasta plc
Platz 6: Dassault Systemes SAMit einer Eigenkapitalquote von 62,3 Prozent und einem Umsatzwachstum von 12,6 Prozent landet Dassault auf dem sechsten Platz. Dassauls Systemes bietet Software für nahezu alle Branchen und ist branchenführend bei 3D-Anwendungen. Im Bild: Charles Edelstenne (links), Vorsitzender von Dassault Systemes, gemeinsam mit Loïk Segalen (2.v.l.), COO von Dassault Aviation, Serge Dassault (2.v.r.), UMP-Politiker und CEO der Groupe Dassault Holding, sowie Dassault-Aviation-CEO Eric Trappier posieren nach der Präsentation der Halbjahreszahlen 2014. Stärken: Dassault ist mit rund 30 Prozent Weltmarktführer bei stark wachsender 3D-Software Schwächen: niedrige Dividendenrendite Quelle: Reuters
Stampfer des deutschen Herstellers Wacker Neuson Quelle: handelsblatt.com
Platz 4: Swatch Group Ltd. BearerDas Schweizer Unternehmen Swatch weist die höchste Eigenkapitalquote (82,3 Prozent) der Top Ten auf. Das Umsatzwachstum betrug zuletzt 15 Prozent. Swatch ist der weltgrößte Hersteller von Fertiguhren. Im Bild: Nick Hayek, Präsident der Konzernleitung. Stärken: Starke Konzernmarken (Glashütte Original, Blancpain), hoher Bekanntheitsgrad Schwächen: niedrige Dividendenrendite Quelle: AP

Während Familienunternehmen zuletzt 22 Prozent des Gesamtumsatzes in Westdeutschland erwirtschafteten, trugen sie im Osten nur 7 Prozent zu den Gesamterlösen bei. Für die Erhebung untersuchte das IfM die Kennzahlen der größten deutschen Familienunternehmen mit mindestens 50 Millionen Euro Umsatz im Zeitraum von 2010 bis 2012.

Das Ergebnis: Bundesweit machen Familienunternehmen ein Fünftel der Umsätze aus, ein Sechstel aller Beschäftigten hierzulande ist dort angestellt. Am stärksten sind Familienbetriebe demnach im Industriesektor (31 Prozent) vertreten, gefolgt von Holdings und unternehmensnahen Dienstleistern, die häufig der Industrie zuarbeiten, sowie in der Handelsbranche (beide 28 Prozent).

Mit Blick auf die Industrieunternehmen liegt der Osten allerdings vorn: Ihr Anteil ist dort mit 42 Prozent deutlich höher als im Westen (31 Prozent). Beim Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) bewertet man das positiv: „Die Stärke der familiengeführten Industrie in Ostdeutschland ist ein gutes Zeichen für das weitere Zusammenwachsen von Ost und West“, erklärte Arndt Kirchhoff, Vorsitzender des BDI-Mittelstandsausschusses. „Ein hoher Anteil industrieller Familienunternehmen wird in Ostdeutschland Innovation und Wachstum fördern.“

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