Studie zu Cannabis-Preisen Kiffer zahlen in München am meisten

In Berlin wird das meiste Cannabis konsumiert - und kostet fast so viel wie in München. Quelle: imago

In München ist es am teuersten, in Frankfurt am preiswertesten: Cannabis. Die Studie eines Gewächshausproduzenten errechnet, wie viel Steuern der Staat einnehmen könnte, wenn er Marihuana legalisieren würde.

Die Mieten der bayerischen Landeshauptstadt gehören traditionell zu den teuersten Deutschlands. Wer dann noch den Konsum von Marihuana zu seinem Lebensstil zählt, muss in München ebenfalls tief in die Tasche greifen. Mit 11,65 Euro pro Gramm müssen die Münchner am meisten berappen. In Frankfurt sind die Mieten zwar auch hoch - aber das Kiffen günstiger. Das ist das Ergebnis der Studie des Herstellers für Mini-Gewächshäuser Seedo.

Entscheidender als die Berechnung für die monatlichen Kosten in Privathaushalten sind jedoch die Prognosen, was ein legalisierter Verkauf dem Staat an Steuereinnahmen bescheren könnte. Wenn der Verkauf von Marihuana der gleichen Methodik wie die Tabaksteuer folgen würde, könnte sich der klamme Berliner Haushalt zum Beispiel über satte 91 Millionen Euro im Jahr freuen - bei gleichzeitiger Einsparung der Kosten für die Verfolgung krimineller Dealer.

Die USA, die in einigen Bundesstaaten wie Colorado den Konsum inzwischen legalisiert hat, berechnen deutlich weniger Steuern. Nach diesem Modell könnte, so die Studie, Berlin lediglich 23 Millionen Euro Marihuana-Steuern einnehmen, Stuttgart mit den dritthöchsten Preisen in Deutschland sogar nur vier Millionen - der Konsum in der Landeshauptstadt ist gering.

StadtPreis pro Gramm (in €)Mögl. Steuer- einnahmen, Modell: Tabaksteuer (in Mio. €)Mögl. Steuer- einnahmen, Modell: ø US-Steuern auf Marihuana (in Mio. €)Gesamt- verbrauch (in Tonnen)
München11,6540,72010,4804,80
Berlin10,8291,81623,64011,64
Stuttgart10,8016,1604,1602,05
Hamburg9,3140,12810,3365,91
Köln8,9122,8085,8723,51
Düsseldorf8,5612,6563,2562,03
Hannover8,4110,7682,7761,76
Frankfurt8,2314,4483,7202,41

Im Internationalen Vergleich liegt Deutschland damit im Mittelfeld. In Tokio - mit noch höheren Mieten als München gestraft - kostet ein Gramm Marihuana 26 Euro. Rechnet man damit, sich drei Joints mit Tabak daraus zu bauen, kostet einer im Schnitt so viel wie eine durchschnittliche Flasche Rotwein. Die Studie rechnet hingegen mit 0,66 Gramm Gras pro Joint - womit Münchner mehr als sechs Euro pro Einheit budgetieren müssten.

In den teuersten Städten der Welt ist der Verkauf in der Regel illegal. Von den Top-Ten-Städten ist der Verkauf lediglich in dreien teilweise erlaubt: Bangkok (19,90 Euro pro Gramm), Tallinn (16,80 Euro pro Gramm) und Oslo (15,30 Euro pro Gramm). Mit teilweise legal bezeichnet die Studie Städte, in denen zum Beispiel der Besitz erlaubt ist, der Verkauf aber nicht. Gleiches gilt für Städte, in denen der Konsum in Coffee Shops oder den heimischen Wänden erlaubt ist. Wie Besitz ohne Erwerb möglich sein soll, bleibt ein Geheimnis des Gesetzgeber, Studien-Ersteller Seedo hat mit seinem Gewächshaus natürlich eine Idee.

RangStadtLandStatus LegalitätPreis pro Gramm (in €)
1TokioJapanIllegal26,128
2SeoulSüdkoreaIllegal25,952
3KyotoJapanIllegal23,72
4HongkongChinaIllegal21,984
5BangkokThailandTeilweise19,848
6DublinIrlandIllegal17,304
7TallinnEstlandTeilweise16,784
8ShanghaiChinaIllegal16,656
9PekingChinaIllegal16,416
10OsloNorwegenTeilweise15,312

Dass die Legalisierung, für die sich seit einigen Jahren auch in Deutschland immer mehr Experten einsetzen, den Preis senkt und damit auch die Beschaffungskriminalität senken könnte, legen die Städte mit den niedrigsten Grammpreisen nahe. Zwischen einem Euro (Quito in Ecuador) bis zu drei Euro (Neu-Delhi) kostet dort das Gramm - lediglich in vier Städten ist der Erwerb illegal: Jakarta, Panama Stadt, Johannesburg und Astana in Kasachstan.

RangStadtLandStatus LegalitätPreis pro Gramm (in €)
1QuitoEcuadorTeilweise1,072
2BogotáKolumbienTeilweise1,76
3AsunciónParaguayTeilweise1,776
4JakartaIndonesienIllegal3,032
5Panama StadtPanamaIllegal3,08
6JohannesburgSüdafrikaIllegal3,208
7MontevideoUruguayLegal3,32
8AstanaKasachstanIllegal3,376
9AntwerpenBelgienTeilweise3,432
10Neu-DelhiIndienTeilweise3,504

Für die Gesamtliste mit zusammen 120 Städten warfen die Studienmacher zuerst einen Blick auf die Länder mit dem höchsten und niedrigsten Konsum weltweit. Anschließend wurde analysiert, ob der Konsum legal, teilweise legal oder illegal ist. Die Preise basieren auf Umfragen in Städten aus dem Weltdrogenbericht der Vereinten Nationen.

Wie sich die völlige Legalisierung von Cannabis konkret auswirkt, lässt sich von diesem Sommer an in Kanada beobachten. Zum 1. Juli löst Premierminister Justin Trudeau sein Wahlversprechen ein und gibt das Hanf frei. Kanada ist damit erst das weltweit zweite Land – nach Uruguay – das die Legalisierung durchzieht.

Etliche einschlägige kanadische Unternehmen werden davon profitieren. Schon jetzt haben sich dort etliche Hersteller darauf spezialisiert, legales, medizinisches Cannabis, etwa zur Schmerzbekämpfung, anzubieten. Die bevorstehende Marktausweitung wird den Unternehmen einen zusätzlichen Schub bringen – und da viele davon börsennotiert sind, dürften sie auch Aktionäre in einen Rausch versetzen. Einer der größten Anbieter, Canopy Growth aus der Provinz Ontario, konnte seinen Kurs in den vergangenen zwölf Monaten um mehr als 200 Prozent steigern. Gerade haben sich in Kanada zwei der größten Anbieter – Aurora Cannabis und Cannimed – zusammengeschlossen.

Derzeit wird das Gramm Cannabis in Toronto für umgerechnet sechs Euro gehandelt – deutlich günstiger als in Deutschland. Auch legales Medizin-Cannabis ist in Kanada billiger als in Deutschland, wo diese Praxis seit März 2017 erlaubt ist. Nach Angaben eines Herstellers kostet der Medizinalhanf hierzulande etwa 24 Euro pro Gramm, in Kanada deutlich weniger. Der Grund: In Deutschland verdienen die Apotheken mit; in Kanada können sich die Unternehmen direkt an die Kunden wenden.

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