Süßwarenmesse Bitterer Beigeschmack

Auf der ISM, der internationalen Süßwarenmesse in Köln, beherrschen die Themen Rohstoffkosten und Preiserhöhungen die Gespräche zwischen Herstellern und Händlern. Die neue Süße Stevia wird bislang noch eher zurückhaltend beurteilt.

Die Neuheiten der Internationalen Süßwarenmesse 2012

Innovationen für den Gaumen
Schokolade und Bonbons soweit das Auge reicht. Aussteller aus 65 Ländern zeigen ihre süßen Einfälle - und Geschmacksverirrungen. Die Aussteller zeigen Erfindergeist und das, obwohl die Branche momentan mit Problemen zu kämpfen hat, denn...
...die Rohstoffpreise sind im vergangenen Jahr stark gestiegen. Vor allem Zucker,...
...Mandeln und Haselnüsse mussten die Hersteller teurer einkaufen. Aber auch Öle und Fette sind teurer geworden. Wenigstens auf dem Kakaomarkt hat sich die Lage wieder beruhigt, nachdem die EU ein verhängtes Embargo gegenüber die Elfenbeinküste wieder aufgehoben hat.
Trotz der Umstände kann sich die Branche über ein positives Ergebnis für das Jahr 2011 freuen. Nach Schätzungen des Bundesverbands der Deutschen Süßwarenindustrie produzierten die 220 deutschen Hersteller rund 3,78 Millionen Tonnen Süßes - 1,4 Prozent mehr als im Vorjahr.
Schokoladenliebhaber können sich also über Neues freuen. Die momentan boomende Landlust hat auch die Chocolatiers ergriffen und so präsentieren sie dieses Jahr eine Heu-Schokolade mit karamellisierten Heu-Kräutern und einer Whisky-Trüffelmasse.
Weiteres neues Schmankerl: Der Donut ohne Loch. Auf jeden Fall ein Hingucker, wenn auch nicht ganz so innovativ wie...
...so manche Marketing-Ideen auf der Messe. Für die intellektuelle Elite der Schokoladenliebhaber gibt es zum Beispiel die "Chocosophie" - eine Art Schokoladen-Wochenkalender mit sieben Tafeln, auf denen mit weißer Schokolade die klügsten Gedankenblitze der Dichter und Denker zu lesen sind.
Natürlich gibt es auch hübsche neue Pralinen in den schrillsten Farben und Formen. Und wer wissen will, wie so ein Leckerbissen entsteht,...
...kann selbst dabei zusehen.
Nicht nur im Geschmack auch gestalterisch lassen sich die Aussteller etwas einfallen, wie...
...an einigen der 1412 Ausstellerständen zu sehen ist. Und trotzdem kommen bei all den Neuheiten und Innovationen...
...auch alte Bekannte nicht zu kurz.

Die Süßwarenbranche steht vor gewaltigen Herausforderungen. Allen voran die Unsicherheit über Preise und Verfügbarkeiten von Rohstoffen und die Auswirkungen auf die Endverbraucherpreise. Insbesondere der Zuckerpreis bereitet vielen Produzenten von Schokolade, Gummibärchen oder Keksen Kopfzerbrechen. Aber auch andere Rohstoffpreise wie von Kakao, Nüssen, Weizen oder Früchten sowie die Energiekosten machen Sprünge und belasten die Erträge der Hersteller.

Viele Anbieter kündigen daher Preiserhöhungen für die kommenden Monate an, wenngleich bislang im geringeren Umfang als sich die Kosten entwickeln. Ein neues Kapitel in der Süßwarenbranche könnte mit dem neuen, kalorienfreien Süßstoff Stevia geschrieben werden. Laut KölnMesse würden bereits viele Hersteller vor allem aus Südamerika und Asien mit dem Süßungsmittel arbeiten.

Die ISM ist mit 1400 Anbietern aus 65 Ländern die weltweit größte und wichtigste Messe für den Handel mit Süßwaren und Knabberartikeln. Zucker, einer der wichtigsten Rohstoffe der Branche wurde im vergangenen Jahr knapp und damit teuer. Schuld daran sei das umstrittende Quotensystem der Europäischen Union, heißt es beim Bundesverband der Deutschen Süßwarenindustrie.

Hoffnung ruht auf den Auslandsmärkten

Mit einer preislichen Entspannung auf den Rohstoff-Märkten rechnet kaum ein Aussteller auf der ISM. Auch die Eurokrise und ihre bislang nicht kalkulierbaren Auswirkungen auf viele Auslandsmärkte beschäftigen die stark exportorientierte Branche. Denn die Hoffnungen auf profitables Wachstum ruhen auf den Auslandsmärkten.

Wie etwa bei Halloren aus dem ostdeutschen Halle. Der börsennotierte Schokoladenhersteller meldet einen Rekordumsatz für das abgelaufene Geschäftsjahr 2011. Der vorläufige Konzernnettoumsatz stieg im Berichtzeitraum gegenüber dem Vorjahr von 60 auf knapp 70 Millionen Euro. Der Export stieg gegenüber dem Vorjahr erneut um 15 Prozent. Zwischenzeitlich exportiert das Unternehmen rund ein Viertel des Gesamtumsatzes vorwiegend ins europäische Ausland und nach Nordamerika.

Die sehr gute Umsatzentwicklung werde laut Vorstandsvorsitzendem Klaus Lellè von der gesamten Sortimentsbreite und von allen Geschäftsbereichen getragen. Gleichzeitig habe man auf die Kostenentwicklung reagiert und die Kostenschraube in allen Bereichen massiv angezogen. Deutschlands älteste Schokoladen-Fabrik präsentiert sich in Köln auch mit einem überarbeiteten Logo und einem neuen Produkt: den Playboy-Pralinen, eine Lizenzproduktion für das bekannte Männermagazin.

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