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Tarifverhandlungen Lokführer-Gewerkschaft fordert fast fünf Prozent mehr Lohn plus Prämie

Mit Blick auf die Inflation fordert die Lokführergewerkschaft von der Deutschen Bahn eine deutliche Lohnerhöhung. Verhandeln will man weiterhin nicht.

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Gewerkschaft der Lokführer verlangt mehr Lohn und droht mit Streiks. Quelle: dpa

Die Lokführergewerkschaft GDL verlangt von der Deutschen Bahn 4,8 Prozent mehr Lohn und eine Corona-Prämie von 1300 Euro für fast alle Beschäftigten in Deutschland. Diese Forderung habe man dem Staatskonzern am Freitag übermittelt, teilte die GDL mit. Dies geht weit über den Tarifvertrag hinaus, den die größere Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft EVG bereits mit der Bahn ausgehandelt hat und der bis Anfang 2023 gelten soll.

Darin sind unter anderem Lohnerhöhungen entlang der Inflationsrate vereinbart. Die GDL hatte diesen Corona-Sanierungsvertrag abgelehnt. „Wir werden nicht zulassen, dass unsere Kollegen mit einem Sanierungstarifvertrag mit Reallohnverlust abgespeist werden“, sagte GDL-Chef Claus Weselsky.

Die Bahn erklärte, sie habe die Forderungen noch gar nicht erhalten. „Bereits beim Blick auf die Presseinformation zeigt sich jedoch: Das gesamte Forderungspaket ist völlig überzogen und maßlos“, sagte eine Sprecherin. „Anstatt Verantwortung zu übernehmen, leugnet die GDL nach wie vor die Corona-Schäden.“

Besonders kompliziert wird die diesjährige Tarifrunde dadurch, dass sowohl EVG als auch GDL den Anspruch erheben, für praktisch alle rund 185.000 Beschäftigten in Deutschland beim Schienenpersonal zu verhandeln. Die GDL will ihn nicht mehr allein für Lokführer und Zugpersonal durchsetzen und der EVG die Hoheit über die übrigen Sparten wie Instandsetzung oder Stellwerkspersonal überlassen.

In der Vergangenheit hatten sich Bahn und Gewerkschaften im Kern auf eine solche Aufteilung verständigt. Auch die EVG lehnt dies jetzt ab.

Streiks könnten drohen

Die Bahn wiederum setzt daher das Tarifeinheitsgesetz um. Das heißt, es würde in einem Betrieb allein der von derjenigen Gewerkschaft ausgehandelte Vertrag gelten, deren Mitglieder die Mehrheit stellen. Der Bahn-Konzern teilt sich in rund 300 sogenannte Wahlbetriebe auf. In den meisten ist allein die EVG vertreten, in gut 60 gibt es Überschneidungen. Die Bahn versucht nun herauszufinden, welcher Betrieb von welcher Gewerkschaft dominiert wird.

Die GDL lehnt dieses Vorgehen ab, es drohen rechtliche Auseinandersetzungen. Sie will zunächst auch nicht mit der Bahn über die Tarifforderungen verhandeln. Als erstes wolle sie in Gesprächen mit dem Unternehmen sicherstellen, dass Ergebnisse auf alle Beschäftigen angewendet werden, sagte Weselsky.

Der bisherige Tarifvertrag ist Ende Februar ausgelaufen, Streiks wären damit möglich.

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