Tausende werden Job verlieren Plan für Zerschlagung von Kaiser's Tengelmann steht

90 Millionen Euro Verlust macht Kaiser's Tengelmann in diesem Jahr. Nun steht der Plan für die Zerschlagung der Supermarktkette. Tausende werden dann ihren Job verlieren.

Was passiert mit Kaiser's Tengelmann? Quelle: Marcel Stahn

Der Plan für die Zerschlagung von Kaiser's Tengelmann steht. Dutzende Filialen stehen zur Schließung an, Tausende werden ihre Jobs verlieren, schreibt die „Bild am Sonntag“. Vor allem werde es Nordrhein-Westfalen hart treffen: 3000 der 4000 Mitarbeiter dort müssten wohl gehen, sagte eine mit der Sache vertraute Person am Sonntag auch der Deutschen Presse-Agentur. Beraten wird der Plan am kommenden Freitag vom Aufsichtsrat.

Die größten Lebensmittelhändler Deutschlands

Die Hoffnungen ruhen nun auf einem Krisengipfel mit allen Beteiligten des Übernahme-Dramas um die traditionsreiche Handelskette. Neben den Vertretern Tengelmanns sollen Edeka, der Konkurrent Rewe und die Gewerkschaft Verdi mit am Tisch sitzen. Die „Süddeutsche Zeitung“ hatte berichtet, Rewe-Chef Alain Caparros habe per Brief an die Tengelmann-Eigentümer seine Gesprächsbereitschaft betont. Der genaue Termin und der Ort des Spitzentreffens sind noch unbekannt.

Grund für die Misere ist die festgefahrene Fusion von Kaiser's Tengelmann mit dem Marktführer Edeka. Der Zusammenschluss liegt derzeit auf Eis und wird vor Gericht geklärt. Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) hatte mit einer Ministererlaubnis den Weg für die vom Kartellamt untersagte Fusion zwar wieder frei gemacht. Doch das Oberlandesgericht Düsseldorf kassierte diese Erlaubnis wieder ein, nachdem Wettbewerber wie Rewe dagegen vorgegangen waren. Edeka und Gabriel sind anschließend vor den Bundesgerichtshof (BGH) gezogen. Der will am 15. November eine erste Entscheidung treffen.

Ob Tengelmann so lange warten kann, ist offen. Die Lage der Kette spitzte sich nach Informationen der dpa zuletzt weiter zu. Die Geschäftsführer der angeschlagenen Gruppe rechnen allein in diesem Jahr mit Verlusten von rund 90 Millionen Euro, wie aus einem Brief des Managements an Eigentümer Karl-Erivan Haub vom 6. September hervorgeht, der der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. „ ... es bedarf keiner dezidierten Planung, dass sich dieses Ergebnis im kommenden Geschäftsjahr weiter deutlich verschlechtern wird“, heißt es unter anderem in dem Schreiben.

Diese Händler dominieren den Lebensmittelhandel
Platz 5: MetroMit weitem Abstand auf die vier Großen folgt die Metro-Gruppe, zu der die Real-Märkte gehören. Auch wenn die Gruppe laut Kartellamt den Anschluss an die Spitzengruppe verliert, liegt sie in ihrer Bedeutung weit vor den regionale Ketten wie Kaisers Tengelmann oder Tegut, Coop oder Globus, die jeweils weniger als drei Prozent Anteil am Markt haben. Umsatz: unter 10 Milliarden Euro Umsatzanteil am Gesamtmarkt: 5-10 Prozent Verkaufsfläche: 2-3 Millionen Quadratmeter Standorte: 300-400 Quelle: dpa
Platz 4: AldiDie Aldi Gruppe ist mit mehr als 4.000 betriebenen Standorten die führende Discounter-Größe in Deutschland. Bei Handelsmarken nimmt das Unternehmen eine herausragende Stellung ein. Hersteller dieser Produkte sind auf das Unternehmen angewiesen. Umsatz: 15-20 Milliarden Euro Umsatzanteil am Gesamtmarkt: 15-20 Prozent Verkaufsfläche: 3-4 Millionen Quadratmeter Standorte: 4.000-5.000 Quelle: dpa
Platz 3: Rewe/Rewe DortmundZur Gruppe gehört neben den Rewe-Märkten auch der Discounter Penny. Insbesondere bei den Herstellermarken hat Rewe eine starke Position inne. Umsatz: 20-25 Milliarden Euro Umsatzanteil am Gesamtmarkt: 15-20 Prozent Verkaufsfläche: 4-5 Millionen Quadratmeter Standorte: 6.000-7.000 Quelle: dpa
Platz 2: Schwarz Gruppe (Lidl und Kaufland)Die Schwarz Gruppe besteht aus den beiden Stiftungen Kaufland und Lidl, deren Kapital bei der Dachgesellschaft Schwarz Beteiligung GmbH liegt. Zusammen kommen die beiden Ketten auf ganz erhebliche Marktanteile. Umsatz: 25-30 Milliarden Euro Umsatzanteil am Gesamtmarkt: 20-25 Prozent Verkaufsfläche: 5-6 Millionen Quadratmeter Standorte: 3.500-4.650 Quelle: dpa
Platz 1: Edeka GruppeObwohl die Umsätze von Edeka vorwiegend von den selbständigen Einzelhändlern erzielt werden und zur Gruppe auch der Filialist Netto Marken-Discount gehört, betrachtet das Kartellamt die Gruppe als Ganzes. Besonders Markenhersteller sind auf Edeka aber auch Rewe und die Schwarz-Gruppe angewiesen. Diese Drei werden vom Kartellamt als „Nadelöhr für die deutschlandweite Verbreitung“ von Marken-Produkten bezeichnet und haben besonders viel Macht. Umsatz: Edeka 30-35 Milliarden Euro Umsatzanteil am Gesamtmarkt: 25-30 Prozent Verkaufsfläche: 9-10 Millionen Quadratmeter Standorte: 11.000–12.000 Quelle: Bundeskartellamt // Bezugsjahr: 2010 Quelle: dpa

Aus Sicht des früheren Chefs der Monopolkommission, Daniel Zimmer, hat Haub die dramatische Lage selbst verschuldet. „Er hat sich von Anfang an auf Edeka versteift und hält stur daran fest“, sagte Zimmer dem Berliner „Tagesspiegel“. Zimmer kritisiert, die Tengelmann-Führung habe seit dem Übernahmeverbot durch das Kartellamt im März 2015 Zeit gehabt, Alternativen zu suchen. „Es kann sein, dass jetzt mehr Mitarbeiter ihre Jobs verlieren als das bei einer früheren Lösung nötig gewesen wäre“, sagte Zimmer, der als Kommissionschef nach Gabriels Entscheidung aus Protest zurückgetreten war.

Was den Deutschen beim Einkauf wirklich wichtig ist

In dem Brief der Geschäftsführung heißt es, dass es im Oktober 2014 noch 475 Filialen gegeben habe. Die Zahl werde Ende 2016 auf 405 gesunken sein. „Besonders kritisch ist die Situation in unserer Region Nordrhein“, heißt es in dem Brief. Zudem verliere man weiter Mitarbeiter. Noch sei die Lage unter Kontrolle, aber sollte sich die Hängepartie über „weitere viele Monate“ hinziehen, wäre das anders: „Für einen solchen Fall können wir aus heutiger Sicht eine ordnungsgemäße Aufrechterhaltung des Geschäftsbetriebes nicht mehr garantieren“, schreiben die Manager.

Monatelang dürfte sich das Drama aber ohnehin nicht mehr hinziehen. Am kommenden Freitag tagt der Tengelmann-Aufsichtsrat, um über den Zerschlagungs-Plan zu reden. Eigentümer Karl-Erivan Haub werde dem Aufsichtsrat demnach vorschlagen, Dutzende unrentable Filialen zu schließen. Demnach sollen in Nordrhein-Westfalen zusätzlich zu 16 bereits geschlossenen Filialen 18 weitere aufgegeben werden, weil sie wirtschaftlich schon jetzt nicht mehr zu retten seien. Die meisten sollen zum Jahresende schließen. Auch für 46 Filialen, die eigentlich Edeka übernehmen wollte, gebe es ohne den Verkauf keine Zukunft. Insgesamt beschäftigt die Kette mehr als 15.000 Menschen.


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