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TechniSat Wie Deutschlands letzter TV-Bauer überlebt

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Hoher Einsatz, gutes Gespür

Das galt schon für die Rohrhandlung, die Lepper Anfang 1976 gründete. Eine eigene Fertigung hat er damals nicht, aber das Gespür, damit Geld zu verdienen. Um hoch profitable Kundenanfragen nach Spezialanfertigungen bedienen zu können, baute er eine eigene Produktion auf. Mit hohem Einsatz: „Wir haben manche Aufträge angenommen und dann erst überlegt, wo wir die Ware besorgen könnten“, erzählt er.

Heute liefert Lepper Spezialrohre für Wärmetauscher in Raffinerien, etwa in den Nahen Osten, oder veredelte Einspritzrohre an Autozulieferer. Es sind Highend-Produkte, für die Kunden aus aller Welt gut bezahlen – der Exportanteil liegt bei 95 Prozent. Immer lässt Lepper vorproduzieren, legt seltene Rohre auf Lager. Wenn es in der Eifel an einem nicht fehlt, sind es Lagerflächen. Er wartet auf Gelegenheiten, um im passenden Moment liefern zu können – und dann mit hoher Marge.

Flexibilität in Person

Zum Bau von Fernsehern und Empfangstechnik kam Lepper eher zufällig. Als Mitte der Achtzigerjahre erste TV-Satelliten unverschlüsselten Fernsehempfang für alle ermöglichten, sah er den Massenmarkt voraus und beschloss, Sat-Schüsseln zu pressen. Dass privater TV-Empfang aus dem All noch nicht erlaubt war und die damalige Bundespost auf ihr Empfangsmonopol pochte, hielt ihn nicht auf. Er gründete kurzerhand eine eigene Fachzeitschrift, „um der Post publizistisch Paroli zu bieten – und für die eigene Technik zu werben“.

Das sind die Neuheiten der CES 2015
Mode für NerdsSmarte Mode spielt bei der diesjährigen CES eine große Rolle. Ein Model präsentiert bei der Modeshow "Wearable Tech Fashion" am Mittwoch ein Kleid, das mit einer LED-Installation der Firma MeU ausgestattet ist. Mit einer App können Symbole und Schrift in verschiedenen Farben als Muster auf den Stoff eingeblendet und bewegt werden. Quelle: dpa
Dieses Kleid mit dem Namen "Electric Garden" ist mit einem Farbsensor und LED-Lampen ausgestattet. Dadurch kann das Kleid seine Farben und Muster wechseln. Entworfen wurde es von der britischen Designerin Amy Winters. Quelle: dpa
Kleidung aus dem 3D-Drucker Hier zeigt ein Model Sandalen, die aus einem 3D-Drucker stammen. So richtig bequem sehen sie allerdings noch nicht aus. Quelle: AP
Schon schicker: Auch dieses Kleidchen samt Handtasche wurde per 3D-Druck erstellt. Quelle: dpa
Auch eine E-Gitarre aus dem 3D-Drucker wurde vorgeführt. Quelle: AP
Samsung setzt auf Ultra-HDSamsung will sich mit einer hochwertigen Geräte-Reihe von der Konkurrenz abheben. Der südkoreanische Konzern stellt in Las Vegas die neue Serie von „S-UHD“-Modellen vor, die vor allem mit einer besonders scharfen Bildqualität dank hoher Auflösung die Verbraucher überzeugen sollen. Ultra-HD hat mit 3840 mal 2160 Bildpunkten eine vier Mal höhere Auflösung als das aktuell gängige Full-HD-Format. Außerdem trat Samsung einer großen branchenübergreifenden Allianz bei, die die Verbreitung des Formats fördern will. Dazu gehören unter anderem rivalisierende TV-Geräte-Hersteller wie LG, Sony und Panasonic, aber auch die Hollywood-Studios 20th Century Fox und Warner Brothers. Quelle: dpa
Smart-TV mit Samsungs TizenBei der TV-Technik dürfte besonders die Vernetzung im Mittelpunkt stehen. Vor Messebeginn wurde bekannt, dass alle neuen Samsung-Fernseher mit Internet-Anschluss mit dem hauseigenen Betriebssystem Tizen laufen sollen. Mit Tizen will Samsung die Vernetzung aller Geräte deutlich vereinfachen und die Abhängigkeit vom Betriebssystem Android verringern. Den Verbrauchern verheißt der Hersteller, dass damit die Zusammenarbeit mit Entwicklern und anderen Partnern verbessert wird und letztlich mehr Inhalte auf Fernsehern betrachtet werden können. Allerdings hat Samsung die Nutzung der Tizen-Software in Smartphones mehrfach zurückgestellt. Bisher wird sie nur in Smartwatches und einer Kamera eingesetzt. Die Reaktion der Käufer war zurückhaltend. Experten erwarten, dass Tizen zunächst in preiswerten Handys für Märkte in Schwellenländern wie Indien verwendet wird. Quelle: AP

Den Durchbruch schaffte Lepper mit dem Start des ersten Astra-Satelliten und der deutschen Einheit. Denn während andere Hersteller auf den staatlichen TV-Satelliten Kopernikus setzten, baute Lepper auf den privaten Anbieter aus Luxemburg und produzierte vor. Als im Dezember 1989 die ersten vier deutschsprachigen Programme über Astra auf Sendung gingen, explodierte die Nachfrage nach Sat-Schüsseln. Der Fall der DDR-Grenze ließ die Nachfrage in die Höhe schießen – und eröffnete Lepper auch die Chance, ins Geschäft mit TV-Geräten einzusteigen.

Während die Politiker noch über die Vereinigung verhandelten, sicherte sich Lepper bereits Elektronik-Know-how und Produktionsstandorte in Thüringen und Sachsen. Und in Dresden bildete er aus Experten des DDR-Zentrums für Wissenschaft und Technik die Kernmannschaft seines späteren Forschungs- und Entwicklungszentrums. Dort siedelte Lepper auch die Entwicklertruppe der TechniSat-Automotive-Sparte an, die seit 2007 unter anderem Multimediasysteme für den VW-Konzern und andere Autobauer konzipiert und produziert hat.

Ein Zigmillionen-Euro-Geschäft, dass TechniSat dennoch Anfang 2016 an den chinesischen Hersteller Joyson und dessen Tochter Preh verkauft. Gemeinsam mit den rund 400 Entwicklungsspezialisten wechselten im Zuge des Verkaufs 1200 der zuvor rund 2500 TechniSat-Beschäftigten aus Sachsen, Thüringen, Polen und vom Firmensitz in Dauen unter das Dach der neuen Gesellschaft Preh TechniSat Car Connect.

Nach der Trennung, die den Verbund dem Vernehmen nach rund 450 Millionen Euro Jahresumsatz gekostet hat, könne sich sein Unternehmen nun besser auf den Ausbau des Unterhaltungselektronikgeschäfts konzentrieren, begründete Lepper die Vereinbarung mit den Chinesen.

Handel



Lepper ist die Flexibilität in Person. Um für das Fernsehergeschäft neue Kunden zu erschließen, brach er mit seinem langjährigen Mantra, nur in Deutschland gefertigte Geräte anzubieten. Eine preiswerte Einsteigerserie lässt er inzwischen in einem eigenen Werk in Polen montieren, Software und Bedienerführung sind in Dresden entwickelt.

Daneben verkauft Lepper die TV-Geräte nicht mehr nur über Fachhändler, sondern auch über ein eigenes Vertriebsportal im Internet. Dass er damit auf Kollisionskurs zu seinen bisherigen Partnern geht, nimmt er in Kauf – wohl auch mangels Alternativen. Schon jetzt finden sich TechniSat-Fernseher in den Online-Shops mancher Fachhändler.

Zeit, an den Ruhestand zu denken, bleibt für den Multiunternehmer bei all dem nicht. Solange es geht, will er sich treu bleiben und, wie er sagt, immer weiter „neue Produktideen auf die Schiene setzen“.

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