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Tengelmann-Chef Haub "Das ist brutal"

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"Wenig Platz zur Expansion"

Passanten laufen an einer Woolworth-Filiale vorbei Quelle: dpa

Gibt es andere Expansionsziele?

Unser Hauptfokus liegt auf dem Online-Geschäft, da fließen unsere Investitionen hin. Gerade haben wir uns am High-Tech Gründerfonds II beteiligt. Unser Internet-Engagement bedeutet aber nicht, dass wir nicht auch mal etwas Neues im stationären Geschäft versuchen. Bei dem Ein-Euro-Discounter Tedi haben wir uns daher ebenso beteiligt wie beim Kaufhausunternehmen Woolworth.

Wie läuft das Geschäft bei Woolworth?

Es ist ein tolles Unternehmen, wir haben treue Kunden, die das Unternehmen durch zwei Insolvenzen begleitet haben. Aber es bleibt ein herausforderndes und komplexes Geschäft. Die Kosten für Verwaltung und Logistik haben wir reduziert und das Sortiment gestrafft. Nun ist das Management dabei, die Läden zu modernisieren. Aber bei vielen Standorten kommen wir nur langsam voran, weil die Vermieter nicht mitspielen. Die sind oft ganz erschrocken, wenn man Ihnen sagt: ’Ihr müsst jetzt mal investieren.’ Da stoßen wir an Grenzen.

Was ist aus den ehrgeizigen Plänen geworden, langfristig bis zu 500 Woolworth-Läden zu betreiben?

Das Unternehmen hat nach wie vor ein hohes Expansionstempo. In diesem Jahr wurde das Filialnetz auf rund 200 Läden ausgedehnt. 2012 geht das Flächenwachstum weiter, dann haben wir auch ein adäquates Filialnetz und können die weiteren Schritte planen.

Der Textildiscounter Kik war jahrelang Ihr Wachstumstreiber. Wie lange kann das noch anhalten?

In Deutschland ist für KiK wenig Platz zur Expansion. Wenn Sie schon 3000 Filialen haben, können Sie nicht mehr jedes Jahr um 20 Prozent wachsen. Wir gehen hier mehr und mehr dazu über, ältere, kleinere Filialen durch neue, größere zu ersetzen. Das Wachstum wird in Zukunft daher noch stärker aus dem Ausland kommen.

Wie entwickelte sich das Textilgeschäft in den bestehenden Läden?

Flächenbereinigt gab es in diesem Jahr keine riesigen Zuwächse in Deutschland – dafür hat uns der schlechte Sommer das Geschäft zu stark verhagelt. Aber das traf fast alle Textil- und Schuhanbieter gleichermaßen. Im Moment läuft es bei Kik wieder ausgezeichnet. Jetzt hängt es vom Weihnachtsgeschäft ab, ob wir die Sommerdelle ausgleichen können.

In der Vergangenheit haben steigende Rohstoffkosten etwa für Baumwolle der Branche zugesetzt. Werden die Preise für den Endkunden weiter steigen?

Im Gegenteil: Wenn sich die Baumwollpreise so weiter entwickeln wie in den vergangenen Monaten, müssen die Endverbraucherpreise im kommenden Jahr eher sinken. Natürlich fließen auch Frachtraten, Wechselkurse, Energie- und Arbeitskosten in die Kalkulationen mit ein. Wie bei Aldi im Lebensmittelbereich schauen die Textilhändler sehr genau, was KiK bei den Preisen macht.

Es gibt doch jetzt schon bei Kik T-Shirts für 2,99 Euro. Wie steht es um Nachhaltigkeit und Qualität der Produkte?

Wir werden ja jetzt schon wie kein zweites Unternehmen kontrolliert, weil wir der größte Anbieter sind und alle meinen, dass es nicht sein kann, dass unsere Produkte so preiswert sind. KiK untersucht selbst, z. B. in einem Labor in der Zentrale, alle Produkte. Vor Ort in Bangladesch hat KiK vor kurzem ein Büro eröffnet, dass neben den Produkten auch die Arbeitsbedingungen dort prüft.

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