Tengelmann und Edeka Showdown im Übernahmekampf

Das Endspiel um die Zukunft von Kaiser's Tengelmann hat begonnen. Eine große Ministeriumsanhörung soll in wenigen Tagen die Weichen für eine Übernahme durch Edeka stellen. Befürworter und Gegner des Deals im Überblick.

Eine Ministeriumsanhörung wird zur Bühne für den Übernahmekampf der Ladenkette durch Edeka. Quelle: dpa

Der Showdown findet vor gediegener Kulisse statt – und mit großer Besetzung. Edeka-Chef Markus Mosa und Tengelmann-Patron Karl-Erivan Haub wollen am 16. November im stuckverzierten Eichensaal des Bundeswirtschaftsministeriums in Berlin für eine Ministererlaubnis werben und so die Übernahme von mehr als 450 Kaiser's-Tengelmann-Läden durch Edeka doch noch sichern.

Den Deal hatte das Bundeskartellamt im April untersagt. Eine Sondergenehmigung durch Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) ist Haubs und Mosas letzte Chance, das Veto auszuhebeln. Doch auch die Gegner der Übernahme wollen den Termin nutzen. Allen voran Rewe und Norma.

Was die Wettbewerber stört, ist nicht nur der Zuschlag für Edeka, sondern auch die Art der Verhandlungen. Denn die, so behaupten zumindest die Vertreter von Rewe wie Norma, fanden bisher gar nicht statt. Norma habe „nachweislich mehrmals das Gespräch mit Tengelmann“ gesucht, zitierte die „Süddeutsche Zeitung“ eine Unternehmenssprecherin. „Von deren Seite wurde auf unsere Gesprächsangebote nicht eingegangen.“ Auch Rewe-Chef Alain Caparros ist nach eigenen Angaben bei Tengelmann abgeblitzt, ohne dass es überhaupt konkrete Verhandlungen gegeben habe. „Auf der anderen Seite gab es daran kein ernsthaftes Interesse“, sagte Caparros vor wenigen Wochen der WirtschaftsWoche.

Diese Händler dominieren den Lebensmittelhandel
Platz 5: MetroMit weitem Abstand auf die vier Großen folgt die Metro-Gruppe, zu der die Real-Märkte gehören. Auch wenn die Gruppe laut Kartellamt den Anschluss an die Spitzengruppe verliert, liegt sie in ihrer Bedeutung weit vor den regionale Ketten wie Kaisers Tengelmann oder Tegut, Coop oder Globus, die jeweils weniger als drei Prozent Anteil am Markt haben. Umsatz: unter 10 Milliarden Euro Umsatzanteil am Gesamtmarkt: 5-10 Prozent Verkaufsfläche: 2-3 Millionen Quadratmeter Standorte: 300-400 Quelle: dpa
Platz 4: AldiDie Aldi Gruppe ist mit mehr als 4.000 betriebenen Standorten die führende Discounter-Größe in Deutschland. Bei Handelsmarken nimmt das Unternehmen eine herausragende Stellung ein. Hersteller dieser Produkte sind auf das Unternehmen angewiesen. Umsatz: 15-20 Milliarden Euro Umsatzanteil am Gesamtmarkt: 15-20 Prozent Verkaufsfläche: 3-4 Millionen Quadratmeter Standorte: 4.000-5.000 Quelle: dpa
Platz 3: Rewe/Rewe DortmundZur Gruppe gehört neben den Rewe-Märkten auch der Discounter Penny. Insbesondere bei den Herstellermarken hat Rewe eine starke Position inne. Umsatz: 20-25 Milliarden Euro Umsatzanteil am Gesamtmarkt: 15-20 Prozent Verkaufsfläche: 4-5 Millionen Quadratmeter Standorte: 6.000-7.000 Quelle: dpa
Platz 2: Schwarz Gruppe (Lidl und Kaufland)Die Schwarz Gruppe besteht aus den beiden Stiftungen Kaufland und Lidl, deren Kapital bei der Dachgesellschaft Schwarz Beteiligung GmbH liegt. Zusammen kommen die beiden Ketten auf ganz erhebliche Marktanteile. Umsatz: 25-30 Milliarden Euro Umsatzanteil am Gesamtmarkt: 20-25 Prozent Verkaufsfläche: 5-6 Millionen Quadratmeter Standorte: 3.500-4.650 Quelle: dpa
Platz 1: Edeka GruppeObwohl die Umsätze von Edeka vorwiegend von den selbständigen Einzelhändlern erzielt werden und zur Gruppe auch der Filialist Netto Marken-Discount gehört, betrachtet das Kartellamt die Gruppe als Ganzes. Besonders Markenhersteller sind auf Edeka aber auch Rewe und die Schwarz-Gruppe angewiesen. Diese Drei werden vom Kartellamt als „Nadelöhr für die deutschlandweite Verbreitung“ von Marken-Produkten bezeichnet und haben besonders viel Macht. Umsatz: Edeka 30-35 Milliarden Euro Umsatzanteil am Gesamtmarkt: 25-30 Prozent Verkaufsfläche: 9-10 Millionen Quadratmeter Standorte: 11.000–12.000 Quelle: Bundeskartellamt // Bezugsjahr: 2010 Quelle: dpa

Die Vorwürfe der Konkurrenz werfen brisante Fragen auf: Hat sich Tengelmann von Anfang an auf Edeka als Käufer festgelegt? Auf den ersten Blick wäre das kein rationales Verhalten. Schließlich sollte ein Eigentümer das größte Interesse daran haben, mehrere Angebote einzuholen. Erst recht, wenn absehbar ist, dass das Bundeskartellamt Vorbehalte äußern dürfte. Beim Rivalen Rewe interpretiert man das Vorgehen als Konsequenz einer früheren Übernahme: „Vor Jahren hat Tengelmann bereits den Discounter Plus an Edeka verkauft“, sagt Caparros. „Damals waren wir auch im Rennen. Hätten wir den Zuschlag erhalten, hätten wir versucht, ein Vorkaufsrecht für Kaiser's Tengelmann durchzusetzen. Ob das jetzt bei Edeka der Fall ist, weiß ich nicht“, so Caparros. „Aber es wäre eine Erklärung.“

Haben die Tengelmann-Granden also gar nicht erst nach Lösungen gesucht, die wettbewerbsrechtlich weniger bedenklich sind, weil Edeka über ein Vorkaufsrecht verfügt? Tengelmann schweigt dazu. Im laufenden Verfahren wolle man sich nicht äußern, sagt eine Unternehmenssprecherin.

Die größten Lebensmittelhändler Deutschlands

Bei der Anhörung in Berlin werden Edeka-Boss Mosa und Tengelmann-Chef Haub allerdings Farbe bekennen müssen, oder sie riskieren, dass Vertreter von Norma oder Rewe das Thema auf die Agenda setzen.  Neben den beiden Wettbewerbern werden nach Informationen der WirtschaftsWoche weitere Unternehmen wie Kaufland, Coop und Markant Gelegenheit bekommen, ihre Sicht auf die seit Jahren größte Übernahme im deutschen Lebensmittelhandel darzulegen. Auch Markenverband und Deutscher Bauernverband sowie die Gewerkschaften Verdi und Nahrung-Genuss-Gaststätten sind am Verfahren beteiligt. Zudem nehmen gleich vier Arbeitnehmergremien an der Anhörung teil. Die Rollen sind damit klar verteilt:

Edeka und Tengelmann:

Die wollen den Deal auf jeden Fall. Ihre Gründe sind verständlich: Edeka, die Nummer 1 im deutschen Lebensmittelhandel, steht vor einem Wachstumsproblem. Knapp 12.000 Märkte hat die Verbundgruppe derzeit, rechnet man Netto Marken-Discount hinzu. Viel Platz sich auszudehnen bleibt da nicht: Jeder neue Markt könnte einem bereits bestehenden die Kunden abjagen. Wachstumschancen gibt es aber in den Gebieten, in denen die Kaiser's Tengelmann-Filialen stehen.

Ihrem derzeitigen Chef Karl-Erivan Haub bringen die Lebensmittel-Läden insgesamt nur ein dickes Minus ein – mehr als 532 Millionen Euro seit 2000. Deswegen steht Haubs Entschluss fest: Kaiser's Tengelmann werde „definitiv aus dem Markt ausscheiden“ betont er.

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