Textildiscounter Takko ließ über Subunternehmen im Knast produzieren

Erst kürzlich musste Takko Shorts zurückrufen: Bei der Produktion in Asien waren giftige Stoffe verwendet worden. Jetzt hat das Unternehmen Ärger mit chinesischen Subunternehmen, die in Gefängnissen produziert haben lassen.

So sauber sind unsere Modelabels
Eine Frau mit einer Zara-Tasche Quelle: REUTERS
Ein Laden von Tommy Hilfiger Quelle: AP
Platz 12: PrimarkEs ist gar nicht einfach, den H&M-Herausforderer aus Irland zu kontaktieren. Primark hat weder in Deutschland noch im Rest der Welt eine Pressestelle, an die Journalisten ihre Anfragen richten können. Erst nach einer knappen Woche melde sich eine externe PR-Agentur und beantwortet einige Fragen zu Recherchen der WirtschaftsWoche: Dass eine Primark-Bestellung bei einem Zulieferer landete, der westlichen Standards nicht entspricht, sei ein Einzelfall gewesen. Ein lizenzierter Lieferant habe die Order ohne Kenntnis und Einverständnis der Iren an diese Fabrik ausgelagert. Was eigentlich gar nicht passieren darf, denn über seine Homepage verpflichtet nagelt sich der irische Discounter auf „ethischen Handel“ und höchste Sozialstandards bei Lieferanten fest. Dies wird allerdings nicht nur durch die Recherchen der WirtschaftsWoche konterkariert – zumal der Hersteller insgesamt bei Details merkwürdig mauert: Primark will weder die Zahl der Lieferanten oder die der internen Auditoren kommunizieren, noch die wichtigsten Lieferländer und den Anteil der Direktimporte nennen. Transparenz -Kontrolle -Verantwortung - Quelle: Screenshot
Ein New Yorker-Store in Braunschweig Quelle: Screenshot
Menschen vor einer Ernsting's Filiale Quelle: Presse
Das Logo der Modekette Tom Tailor Quelle: dapd
Eine Verkäuferin reicht in einem Esprit-Store in Düsseldorf eine gepackte Einkaufstasche über die Kasse Quelle: dpa

Die Bekleidungsfirma Takko aus Telgte in Nordrhein-Westfalen musste Anfang Oktober bundesweit Damenshorts aus der Kollektion Flame zurückrufen. Nach Mitteilung des Unternehmens wurde im Tascheninnenfutter des Produktes "Orange" eine zu hohe Konzentration eines sogenannten Azofarbstoffs festgestellt. Von der Farbe gehe ein deutliches gesundheitliches Risiko aus, schrieb die Firma.In zu hoher Konzentration sei der Farbstoff krebserregend. "Bei der Produktion in Asien ist der Stoff ohne unser Wissen und illegal verwendet worden", sagte eine Sprecherin.

Nicht einmal einen Monat später bekommt das Unternehmen, das zum Investmentunternehmen Apax Partners gehört, erneut Probleme mit Subunternehmern aus Asien: Laut Angaben des Magazins Spiegel ließ einer der chinesischen Subunternehmer Takkos rund 50.000 Jacken und Oberteile in Gefängnissen produzieren. Das verstößt gegen die Statuten der Fair Wear Foundation, bei der Takko seit Herbst 2011 Mitglied ist und die Zwangsarbeit sowie die Produktion in Justizvollzugsanstalten für ihre Mitarbeiter verbietet. Takko ließ verlauten, dass es davon nichts gewusst habe. Allerdings habe man die Zusammenarbeit mit dem betreffenden Hersteller bereits im Sommer beendet, weil die Leistungen ungenügend gewesen seien.

Immer wieder geraten Modeunternehmen, die im asiatischen Raum produzieren lassen, in die Kritik: miserable Arbeitsbedingungen, minderwertige Materialien oder sogar Kinderarbeit bedrohen das Image der Modekonzerne. Das Problem: Im weitverzweigten Netz der Subunternehmen ist es nahezu unmöglich für die europäischen Unternehmen, die Produktionsbedingungen zu kontrollieren. Der einzig mögliche Ausweg wäre, vollständig auf asiatische Zulieferer zu verzichten. Das würde jedoch die Textilien, die Takko, H&M und Co anbieten, deutlich teurer machen.

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Allerdings nehmen die Modeunternehmen ihre Verantwortung offenbar mittlerweile ernster als noch vor ein paar Jahren. So zahlte beispielsweise der Textil-Discounter Kik den Opfern eines Brandes in einer pakistanischen Textilfirma, die für das Unternehmen produziert, insgesamt 500.000 Dollar. Das entspricht einer Summe von 1.930 Dollar pro Opfer.

Bei dem Unglück Mitte September waren 259 Arbeiter verbrannt. Die Verantwortlichen des KiK-Zulieferes Ali Enterprises waren zunächst festgenommen worden, da deren Fabrik wegen verschlossener Notausgänge, vergitterter Fenster und versperrter Treppenhäuser zur Todesfalle wurde.

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