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Textilindustrie Euroschwäche macht Kleidung und Schuhe teurer

Die Jeans für 9,99 Euro könnte bald der Vergangenheit angehören, glauben Branchenkenner. Denn der schwache Euro verteuert den Einkauf in den asiatischen Herstellungsländern drastisch.

Diese Modeketten zahlen Hungerlöhne
Die Textilbranche und der Trend zu ultragünstiger Kleidung in Industrieländern steht seit einiger Zeit in der Kritik, spätestens seit dem verheerenden Unfall in der Textilfabrik Rana Plaza in Bangladeschs Hauptstadt Dhaka im Frühjahr 2013. Doch Veränderungen ergeben sich nur langsam, dies zeigten zuletzt Rückblenden ein Jahr nach der Katastrophe, die vor allem die Sicherheitsbedingungen in den Fabriken in den Fokus nahmen. Quelle: AP
Einen weiteren Aspekt, der nach diesem und weiteren Unfällen stark diskutiert wurde, behandelt der aktuelle Clean Cloth Kampagne Firmencheck 2014: die unwürdigen Löhne, für die viele Arbeitnehmer bei Zulieferern von Kleidungsherstellern wie hier in Bangladesch schuften müssen. Die Nichtregierungsorganisation Clean Clothes Kampagne (CCK) hat 48 Firmen auf diesen Aspekt hin untersucht und kommt zu dem Ergebnis: Die meisten Firmen bieten vollkommen unzureichende Standards. Quelle: dpa
Mit 15 Firmen bekamen die meisten der getesteten Unternehmen ein Ungenügend – setzen sich also „kaum für die Bezahlung eines Existenzlohnes ein“. 13 Firmen antworteten indes gar nicht und haben somit vermutlich ebenfalls keine sonderlich präsentablen Zustände vorzuweisen. Diese Profile, etwa von Mexx, Benetton, Armani und Hugo Boss recherchierten die Analysten selbst aus öffentlichen Quellen. Hier eine Übersicht über die schwarzen Schafe der Branche laut der Clean Clothes Kampagne. Quelle: dpa
AldiAldi gibt an, der eigene Kodex sehe den gesetzlichen Mindestlohn in allen Produktionsländern vor und das Unternehmen arbeite in der Business Social Compliance Initative (BSCI) darauf hin, dass dies auch eingehalten werde. Das bewertet die NGO jedoch offenbar als Lippenbekenntnis: Es gebe „kaum Anhaltspunkte“, dass Aldi das Problem der Niedriglöhne wirklich angehe. Da das Unternehmen alle Waren von Agenturen, also Mittelsmännern, kaufe, entziehe sich Aldi der Verantwortung, die eigenen Zulieferer zu kontrollieren. Diese Verantwortung bleibe aber bestehen. Quelle: dpa
CarrefourDer französische Konzern lässt in verschiedensten Ländern wie Brasilien, aber auch Bangladesch produzieren, allerdings nicht in eigenen Fabriken. Deshalb, so Carrefour, sei man auch nicht für die Angestelltenlöhne zuständig. Man sehe in der eigenen Charta aber vor, dass die Löhne die Grundbedürfnisse abdecken sollten. Dies ist der Clean Clothes Kampagne zu wenig: Allein ein Bekenntnis zu Grundbedürfnis deckenden Löhnen helfe den Arbeitnehmern wenig, wenn Carrefour keine Verantwortung für die Umsetzung übernehme. Quelle: REUTERS
Charles VögeleDas Schweizer Unternehmen beantwortete die Anfrage der Kampagne mit vorgefertigten Standardantworten der Businessvereinigung BSCI, beruft sich darauf, mit der Initiative auf Existenzlöhne hinzuarbeiten. Die BSCI ist eine Industrie-Initiative von mehr als 600 Unternehmen und wurde gegründet, um die Bemühungen der Branche zu bündeln. CCK kritisiert, dass der Standard nicht verpflichtend sowie kaum extern nachvollziehbar sei und dass er die Zulieferer nicht bei der Verbesserung der Arbeitsbedingungen unterstütze. Eine Firma wie Vögele, die im Heimatland und in Deutschland mit einer verantwortlichen Mitarbeiterpolitik und Ausbildungsbedingungen werbe, verstecke sich hinter der intransparenten Vereinigung. Noch dazu scheint problematisch, dass Vögele die Freiwilligkeit des Existenzlohns betont. Quelle: Handelsblatt Online
DecathlonMan bevorzuge eine „Schritt-für-Schritt“-Methode für die eigene Lieferkette, nach und nach sollten die Bedingungen verbessert werden. Das antwortete das französische Unternehmen Declathon von der Oxylane-Gruppe, das hier bei einer Expo-Aktion für Nacktshopper 2001 eine gewisse Lässigkeit und Humor zeigt, auf die CCK-Anfrage. Grundsätzlich stimme es einem Existenzlohn aber zu. Diese Form von Lockerheit und Lässigkeit findet die Organisation unpassend: „Ein Großunternehmen wie Oxylane kann es sich nicht leisten, keinen klar definierten Standpunkt zur zentralen Frage des Existenzlohns zu haben“, lautet der vernichtende Kommentar von CCK. Stattdessen müsse es seine Marktmacht nutzen, um die Zulieferer per Richtlinie an einen Existenzlohn zu binden. Quelle: AP

Kleidung und Schuhe dürften nach Einschätzung der Textilbranche in Deutschland schon bald teurer werden. Schuld sei der schwache Euro, erklärten Vertreter der Textilbranche am Montag. Denn ein Großteil der in Deutschland verkauften Mode wird in Asien produziert und muss in Dollar bezahlt werden. Zuvor hatte bereits „Die Welt“ über die Entwicklung berichtet. In der Branche sei von Preiserhöhungen bis zu zehn Prozent die Rede, schrieb das Blatt.

„Wir gehen davon aus, dass es spätestens zum nächsten Frühjahr definitiv Preiserhöhungen geben wird“, sagte der Sprecher des Bundesverbandes des Deutschen Textileinzelhandels (BTE), Axel Augustin. Erste Auswirkungen könne es aber bereits im zweiten Halbjahr geben. „Eine Jeans für 9,99 Euro wird wahnsinnig schwierig“, meinte der Branchenkenner.

Doch auch bei anderen typischen Eckpreislagen - etwa bei Hemden für 49,90 Euro - könne es passieren, dass das Angebot dünner werde. Denkbar sei etwa, dass nicht mehr alle Farben und Designs zu diesem Preis angeboten würden.

So setzt sich der Ladenpreis für ein T-Shirt zusammen



Die Grafik zeigt, wie sich der Ladenpreis für ein T-Shirt zusammensetzt.

Quelle: Handelsblatt / Statista



Der Hauptgeschäftsführer des Modeindustrieverbandes German Fashion, Thomas Rasch, betonte, neben dem schwachen Euro verteuerten auch die steigenden Lohnkosten und höhere Umweltanforderungen etwa in China die Herstellung. Auch das Bemühen um bessere Produktionsbedingungen koste Geld. Um Preiserhöhungen „im mittleren einstelligen Bereich“ werde die Industrie deshalb nicht herumkommen.

Importierte Inflation

„Ab Herbst und Winter geht es los“, prognostizierte der Branchenkenner. In den vergangenen Jahren sei die Mode durch immer günstigere Beschaffung billiger und billiger geworden. „Das ist nun vorbei,“ meinte Rasch. „Wir werden Mode teurer bezahlen müssen.“ Allerdings werde die Anhebung wohl nicht einheitlich ausfallen. Denkbar sei, dass besonders begehrte Produkte etwas stärker im Preis angehoben würden, als die Brot-und-Butter-Produkte.

Die umsatzstärksten Modehändler der Welt

Auch Jens Nagel, Hauptgeschäftsführer der Außenhandelsvereinigung des Deutschen Einzelhandels (AVE), stimmte die Verbraucher auf höhere Preise ein - nicht nur bei Schuhen und Bekleidung. Spätestens ab dem nächsten Winter werde Deutschland eine importierte Inflation in einem Ausmaß erleben, die den Verbraucher wenig freuen dürfte, meint er. Die Preise für viele importierte Alltagsgüter würden steigen. Denn der US-Dollar habe gegenüber dem Euro im letzten Jahr um fast 40 Prozent an Wert zugelegt.

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Die Textilhandelskette C&A hielt sich dagegen mit Preisprognosen zurück. „Wir verfolgen den Markt und die aktuellen Kursentwicklungen sehr genau“, hieß es dort auf Anfrage. Die Entwicklungen im nächsten Jahr seien jedoch schwer vorhersehbar.

In diesem Sommer können modebewusste Verbraucher allerdings auf jeden Fall noch einmal vom alten Preisniveau profitieren. Die aktuelle Frühjahrs- und Sommerkollektionen sei in aller Regel schon vor dem jüngsten Schwächeanfall des Euro in Auftrag gegeben und die Bestellung gegen Wechselkursschwankungen abgesichert worden, betonte BTE-Sprecher Augustin.

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