Thermomix gegen Cookit „Ich kenne die Verkaufszahlen. Das ist ein Witz“

Duell der Küchengeräte: Kann das Bosch-System Cookit (rechts) dem Thermomix gefährlich werden? Quelle: PR

Der Thermomix-Hersteller Vorwerk peilt ein weiteres Rekordjahr an. Gründe dafür sollen die Innovationsstärke bei Rezepten und eine einzigartige Vertriebsstrategie sein, sagt Geschäftsführer Thomas Stoffmehl.  

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An Selbstbewusstsein mangelt es Thomas Stoffmehl nicht. Der Geschäftsführer der Vorwerk Gruppe erzielt mehr als die Hälfte des Umsatzes mit nur einem Produkt: dem Thermomix. Das Küchengerät feiert bald sein 50-jähriges Jubiläum, vor allem in den vergangenen Jahren aber hat es hunderttausende Haushalte erobert. 

Doch nun greift die Konkurrenz immer offensiver an. Discounter wie Lidl verkaufen günstigere Küchenmixer, seit Mitte 2020 mischt auch Bosch in der gleichen Preisliga wie der Thermomix mit. Beunruhigt das den Vorwerk-Chef? „Nein. Überhaupt nicht“, sagt er.

Die Zahlen sprächen für ihn, erklärt Stoffmehl im Podcast Chefgespräch der WirtschaftsWoche. „Wir müssen wachsam sein“, sagt er. „Aber wir können auch selbstbewusst sein“, das zeigten schließlich die eigenen Verkaufszahlen. Vorwerk setzt mehr als drei Milliarden Euro um – und plant für 2022 „ein weiteres Rekordjahr“.

Im Duell Vorwerk versus Bosch setzen die Wuppertaler auf eigene Innovationen, ihre führende Marktposition – und den Direktvertrieb an der Haustür. Bei Bosch Siemens Hausgeräte (BSH) in München verweist man auf eigene erste Erfolge – und angeblich bessere Features.

Entscheidend für den Erfolg von Vorwerk dürfte ein Strategiemix sein. Das Küchengerät kostet 1399 Euro und bewegt sich damit im hochpreisigen Bereich. Außerdem wird das Gerät ausschließlich im Direktvertrieb verkauft. Berater, meist Beraterinnen, bewerben die Funktionen des Thermomix auf eigenen Vertriebspartys. Das Gerät sei „durch das Rezept-Business und Guided Cooking unerreicht“, sagt Stoffmehl. Man wolle der Konkurrenz immer zwei Schritte voraus sein. Vor allem: „Die Kraft des Verkaufs von Mensch zu Mensch ist ein Gamechanger“, sagt Stoffmehl.

Der Cookit von Bosch sei „zweifelsohne ein gutes Gerät“, sagt der Vorwerk-Chef. Mit Vorstandskollegen habe er über die Technik und Strategie des Wettbewerbers aus München diskutiert und sich gewundert, dass sich Bosch mit 1299 Euro pro Küchengerät preislich am Thermomix orientiere. Ist das ein Erfolgsmodell? „Nein“, sagt Stoffmehl. „Ich kenne die Verkaufszahlen. Das ist ein Witz.“

„Es ist wahnsinnig schwierig, ein Gerät für 1299 Euro“ in den Einzelhandel zu stellen und den Kunden ausschließlich über den Preis eine Konsumentscheidung treffen zu lassen. Da würden die meisten Kunden „zum mittleren Segment“ greifen. Inzwischen gehe Bosch daher auch andere Wege, sagt Stoffmehl, verkaufe nicht nur über den Einzelhandel, sondern auch über Experten. „Ohne persönliche Beratung funktioniert es nicht“, sagt Stoffmehl.

Bei Bosch wiegelt man die Angriffe aus Wuppertal ab. Die Verkaufskanäle seien „maximal kundenorientiert aufgestellt“, heißt es. Der Cookit könne im Bosch Onlineshop oder „bei ausgewählten Elektro- und Küchenfachhändlern“ bestellt werden. Dieses Netzwerk werde kontinuierlich erweitert. Außerdem verkaufe Bosch das Küchengerät „auch bei einer privaten Vorführung durch einen unserer Cookit-Experten“, heißt es beim Unternehmen. Deren Zahl wachse stetig. Es gebe auch Partnerschaften mit Kochschulen.

Zu den Verkaufszahlen will sich Bosch nicht näher äußern. Der Cookit sei seit Juni 2020 in Deutschland und Österreich verfügbar. Das Unternehmen habe „schon viele Konsumenten“ für den Cookit begeistern können. Das zeigten auch „die tollen Ratings“ mit durchschnittlich 4,7 Sternen. In Frankreich und der Schweiz sei der Cookit erst später auf den Markt gekommen. Bosch sei „mit dem Start sehr zufrieden“. Die Münchener sehen ihre Vorteile gegenüber dem Thermomix in bestimmten Funktionen: Anbraten bei bis zu 200 Grad, XL-Topf mit drei Litern Fassungsvermögen und damit geeignet „für Familienportionen“.

Vorwerk-Chef Stoffmehl sieht die Konkurrenz aus Bayern gelassen. Vorwerk bleibe bei dem „sehr klaren Blick auf die eigene DNA und den eigenen USP“, sprich: Innovationen und Direktvertrieb.

Sorgen machten ihm derzeit am ehesten die Rohstoffknappheiten. Seit Anfang 2022 fehlten dem Unternehmen Mikrocontroller für den Thermomix. Daher gebe es derzeit eine Wartezeit von „bis zu zehn Wochen“. Außerdem könne er eine Preissteigerung in diesem Jahr nicht ausschließen. „Wir prüfen das jetzt“, sagt Stoffmehl. Aber wenn, dann „keine fünf Prozent“.

Transparenzhinweis: Dieser Artikel erschien erstmals im März 2022. Wir zeigen ihn aufgrund des hohen Leserinteresses erneut.

Jetzt reinhören: „Kann nicht ausschließen, dass wir dieses Jahr den Thermomix-Preis erhöhen werden“: Was der Vorwerk-Chef zur Zukunft des Küchengeräts sagt.

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