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Tönnies Die Schlacht beim Metzger

Beim größten Schweineschlachter gehen die Eigentümer aufeinander los. Es ist ein blutiges Schlachtfest unter Blutsverwandten.

Deutschlands Schlachtkönige
Unifleisch Quelle: AP
Attenberger Quelle: dpa/dpaweb
Färber Gruppe Quelle: dpa/dpaweb
Vogler Quelle: AP
Teterower Fleisch Quelle: AP
Hülshorst GmbH Quelle: AP
Westphal Schlachthof Quelle: AP

Er gilt als juristische Allzweckwaffe der deutschen Hochfinanz: Michael Hoffmann-Becking, Düsseldorfer Anwalt und Partner der Kanzlei Hengeler Mueller. Ob der Bertelsmann-Clan Mohn, die BMW-Großaktionäre Quandt oder die Pharmaindustriellen Boehringer, alle schätzen sie, wenn es knifflig wird, den charmanten Advokaten.

Nun hat sich auch Clemens Tönnies, Boss des größten deutschen Schweineschlachters und Chefkontrolleur des Bundesligisten Schalke 04, die Dienste des 69-jährigen Top-Juristen gesichert. Er braucht ihn im Kampf um sein Lebenswerk, die milliardenschwere Tönnies-Gruppe mit Sitz im westfälischen Rheda. Eigentlich wollte der Fleischtycoon den Streit aus der Öffentlichkeit heraushalten. "Das müssen wir familienintern besprechen", sagte er unlängst gegenüber der WirtschaftsWoche.

Doch die Hoffnung auf einen Frieden im Stillen ist nun verflogen. Anfang März ließ Tönnies über Hoffmann-Becking den Anwälten seines Neffen Robert Tönnies ein Ultimatum übermitteln, mit dem Ziel, den Streit außergerichtlich zu klären. Ob die Drohung unbeantwortet verpuffte, war zum Redaktionsschluss am Donnerstagabend nicht bekannt. Clemens Tönnies’ Marschrichtung indes steht fest. "Danach stehen wir für Gespräche nicht mehr zur Verfügung", lässt er über seinen Anwalt mitteilen. Im Klartext: Tönnies gegen Tönnies droht vor Gericht ausgefochten zu werden.

Alter Streit

Angefangen hat die Auseinandersetzung zwischen dem 55-jährigen Onkel und seinem knapp 20 Jahre jüngeren Neffen Ende vergangenen Jahres. Fast über Nacht muss Clemens Tönnies sich Angriffen seines Neffen erwehren, der mithilfe des Anwalts Mark Binz von der Stuttgarter Kanzlei Binz & Partner seinen 50-Prozent-Anteil an dem gemeinsamen Fleischimperium zulasten von Clemens Tönnies vergrößern will.

Seit Januar ledert Binz öffentlich gegen Clemens Tönnies, indem er ihm Undank gegenüber seinem Neffen vorwirft, der ihm Anteile am Unternehmen geschenkt hatte. Der Ausgangspunkt für den Streit liegt im Jahr 1994. Damals übernahm der gelernte Metzger Clemens nach dem plötzlichen Tod seines Bruders Bernd die Schlachterei, die ihnen gemeinsam gehörte, und führte sie allein weiter.

Seinerzeit machte das Unternehmen umgerechnet rund 150 Millionen Euro Umsatz, das Eigenkapital war nahezu aufgezehrt, die Verbindlichkeiten lagen bei rund 50 Millionen Euro. Heute liegt die Eigenkapitalquote bei 60 Prozent, der Umsatz bei 4,3 Milliarden Euro, fast 30-mal so viel.

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