Toys’R‘Us-Pleite "Sie werden alle bereuen, was hier passiert"

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Wie geht es in Deutschland weiter?

Wie also geht es nun in Deutschland weiter? Neben dem Ende für die US-Filialen kündigte Konzernchef Brandon an, dass auch die Geschäfte in Frankreich, Spanien, Polen und Australien dichtgemacht werden könnten. Die Filialen in Kanada, Asien und Mitteleuropa sollen verkauft werden. Zu letzteren würde auch das Deutschlandgeschäft zählen. 

Doch unter Lieferanten und Geschäftspartnern wächst die Skepsis, ob ein schneller Verkauf gelingt. Auch intern brodelt die Gerüchteküche. Auf den Fluren der Kölner Zentrale und in den Filialen wird über die Zukunft gerätselt. „Die Toys’R‘Us-Mitarbeiter in Deutschland möchten jetzt vor allem wissen, wie es weiter geht“, so Arbeitnehmervertreterin Rogge. „Doch bislang gibt es dazu keine konkreten Informationen.“

Tatsächlich hat sich die deutsche Unternehmensleitung während der gesamten Restrukturierung bedeckt gehalten. Eine Anfrage der WirtschaftsWoche vor wenigen Tagen blieb inhaltlich unbeantwortet. Nur so viel: „Auf Grund von einer Vielzahl an Anfragen, die uns täglich erreicht“, könne man „nicht alle bedienen“. Die Mitarbeiter erfuhren kaum mehr.

Dabei zeichneten sich bereits in den vergangenen Wochen wichtige Veränderungen und Weichenstellungen ab. So wurden Mitarbeiter vor wenigen Tagen aufgefordert, Robert Zarra, den langjährigen zweiten Deutschland-Geschäftsführer aus den E-Mail-Signaturen zu entfernen. Auch im Impressum des Online-Shops taucht Zarra nicht mehr auf. Eine Erklärung gab es nicht, berichtet ein Mitarbeiter. Auch die Auswirkungen des Insolvenzantrags der britischen Toys-Tochter vor wenigen Tagen, die über die IT auch Folgen auf das deutsche Geschäft haben könnte, blieben weitgehend unkommentiert. Deutschlandchef Mutterer ließ zwar ein so genanntes Townhall-Meeting einberufen, bei dem die Beschäftigten den Worten ihres Chefs lauschen durften. Allein, der Informationsgehalt der Veranstaltung tendierte nach Ansicht eines Teilnehmers gegen null. Auch als sich am vergangenen Freitag die Lage in den USA zuspitzte, ließ die Geschäftsleitung lediglich vier knappe Sätze an die Mitarbeiter verschicken. Tenor: Wir wissen auch nicht mehr, als in der Presse steht.

Im Hintergrund dürften derweil längst Gespräche mit potenziellen Investoren laufen. Ob es dabei um das Europageschäft im Verbund mit weiteren Toys-Teilen – etwa Asien – geht, oder aber separat um Toys-Deutschland, ist offen.

Gleichwohl sind die Rückwirkungen der jüngsten US-Volten auf einen Verkauf schwer abzuschätzen. Immerhin, die deutsche Tochtergesellschaft arbeitete in den vergangenen Jahren profitabel. Trotzdem: „Viel hängt davon ab, ob die Tochtergesellschaften für die Verbindlichkeiten des Mutterkonzerns in den USA haften“, sagt Expertin Tashiro. Das könnte Investoren abschrecken, schließlich hatte der Konzern vor dem Insolvenzantrag im September einen Schuldenberg von 4,9 Milliarden Dollar angehäuft.

Unklar ist auch, wie Lieferanten und Geschäftspartner – etwa Vermieter, Warenkreditversicherer oder das Verrechnungskontor Markant – auf die neue Situation reagieren. „Unberührt“ jedenfalls – wie Deutschlandchef Mutterer verkündete – wird das Unternehmen nicht von dem Absturz der Muttergesellschaft bleiben.

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