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Transport-Firmen Logistiker haben Angst vor dem Euro-Kollaps

Bei den Auftraggebern sinken die Wirtschaftserwartungen und die Preise für Transportleistungen gehen bereits zurück. Trotzdem bauen Logistikanbieter weiter Kapazitäten aus. Das aber könnte sich bald ändern.

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Den Transportunternehmen drohen schwere Zeiten. Quelle: dpa

Die Sorge um Griechenland und den Fortbestand des Euros trübt die Stimmung unter deutschen Logistik-Kunden. Nach einer Studie der Bundesvereinigung Logistik, die dem Handelsblatt exklusiv vorliegt, sanken die Wirtschaftserwartungen in Handel und Industrie um mehr als fünf Punkte auf einen Indexwert von 115,7. Vor einem Jahr noch hatte der der BVL einen Wert von 150,3 ermittelt.

Nach Auskunft des Bremer Branchenverbands, in dem rund 10.000 Firmen und Manager aus dem Logistikgewerbe organisiert sind, drückt vor allem die Ungewissheit rund um den Euro die Stimmung. Denn: „Der Euro hat der Logistik viel gebracht“, sagt BVL-Vorstandschef Raimund Klinkner.

Die Gemeinschaftswährung reduzierte seit ihrer Einführung nicht nur den Aufwand für die innereuropäische Transportabwicklung dramatisch. Auch die Inflation verlief seither langsamer als zur D-Mark-Zeit.

Trend zu sinkenen Preisen

Obwohl die deutschen Spediteure ihre eigene Lage laut BVL-Index immer noch optimistisch einschätzen - der Indexwert stieg sogar von 119 auf 138, gehen die Transportpreise derzeit erheblich zurück. Laut Capgemini Consulting und dem Branchendienst DVZ sanken sie im ersten Quartal 2012 im Vergleich zum Vorquartal um 7,9 Prozent.

Vor einem Jahr noch lagen sie um 3,8 Prozent über dem aktuellen Niveau. „Der derzeitige Trend geht weiter klar hin zu sinkenden Preisen“, sagte Capgemini-Logistikexperte Hendrik Müller.

Als Grund nennt er die Verschuldungskrise in Europa. Einige Länder steckten in einem wirtschaftlichen Abschwung. Die Sparprogramme in den Unternehmen treffen vor allem die Spediteure. Denn bei vielen Auftraggebern seien die Logistikverantwortlichen gerade dabei, die Transportpreise nach unten zu verhandeln.

Unsicherheiten wachsen

Die größten Logistikkonzerne der Welt
Platz 10: China Railway (China) Der Güterverkehr von China Railway macht über zwei Drittel des gesamten Verkehrsaufkommens aus. Hauptsächlich transportiert der Staatsbetrieb Kohle, Stahl, Erz und landwirtschaftliche Erzeugnisse. 2010 betrug der Logistik-Umsatz nach Angaben des Statistik-Portals Statista 14 Mrd. Euro. Daten für das Jahr 2011 sind noch nicht verfügbar.
Platz 9: CMA CGM (Frankreich) Auf Platz 9 des Rankings landet das größte französische Schifffahrtsunternehmen CMA CGM mit einem Logistik-Umsatz von 14,3 Mrd. Euro im Jahr 2010. Die Reederei wurde 1978 gegründet und ist an mehr als 650 Standorten in 150 Ländern vertreten. Auf dem Foto ist eines der größten Containerschiffe der Welt zu sehen, die CMA CGM Christoph Colomb, die bis zu 13.800 Standardcontainer transportieren kann. Quelle: dpa
Platz 8: Nippon Express (Japan) Der Konzern mit Sitz in Tokio wurde 1937 als halbstaatliches Transportunternehmen gegründet. Nippon Express verfügt über ein global gespanntes Transportnetz, dass mehr als 389 Orte in 37 Ländern miteinander verbindet. Spezialisiert ist das Unternehmen auf Dienstleistungen rund um den Transport von Waren, wie etwa IT-Technik, den Luft- und Seegüterverkehr sowie auf Spezialtransporte. 2010 betrug der Umsatz 15 Mrd. Euro.
Platz 7: Kühne + Nagel (Schweiz) 2010 war ein gutes Jahr für den Logistikdienstleister Kühne & Nagel aus der Schweiz. Der Frachtspezialist steigerte seinen Logistik-Umsatz auf 16,2 Mrd. Euro. Der Konzern will weiter wachsen: Kühne + Nagel plant das Transportgeschäft auf der Schiene auszubauen.
Platz 6: NYK Line (Japan) Die japanische NYK Line ist Teil des Mitsubishi-Konzerns und zählt zu den größten Reedereien der Welt. Seit 1968 ist das Unternehmen auch im Bereich der Containerschifffahrt etabliert - die einen Großteil des Gesamtgeschäfts ausmacht. Die Reederei betreibt auch den sogenannten Atlantic Express Shuttle (AES), das Waren zwischen Hamburg, Antwerpen und New York Waren verschiebt. 2010 erwirtschaftete der Konzern einen Logistik-Umsatz von 16,5 Mrd. Euro.
Platz 5: DB Schenker (Deutschland) Die Logistikgeschäfte der Deutschen Bahn, DB Schenker Logistics und DB Schenker Rail, sind unter dem Dach DB Schenker zusammengefasst. Das Unternehmen beschäftigt weltweit mehr als 91.000 Mitarbeiter an etwa 130 Standorten. 2010 erwirtschaftete die DB Schenker einen Logistikumsatz von 18,5 Mrd. Euro.
Platz 4: Maersk (Dänemark) Das Jahr 2010 hatte nicht gut begonnen für A.P. Moeller Maersk. Vor allem durch die von der Wirtschaftskrise gebeutelte Tochtergesellschaft Maersk, der größten Containerschiffsreederei der Welt, schrieb der dänische Mischkonzern erstmals in der Unternehmensgeschichte rote Zahlen. Doch dann zog die Konjunktur an und die Frachtraten für Containerschiffe legten kräftig zu. Das Ergebnis: 2010 lag der Logistik-Umsatz von Maersk bei 29, 1 Mrd. Euro - und das Unternehmen konnte einen Rekordgewinn, einen Nettoertrag von 3,8 Mrd. Euro, vermelden.

Dass es - trotz immer noch überdurchschnittlich guter Geschäftslage - Warnzeichen gibt, zeigt die Entwicklung der Luftfracht. Weil die Unternehmen schon jetzt weniger Eile mit dem Nachschub haben, liegen die Luftfracht-Umsätze derzeit vor allem auf der Strecke Asien-Europa unter Vorjahr.

Dort gingen die Umsätze im Vergleich zum Vorjahr um 3,1 Prozent zurück, wie die Luftfahrtorganisation IATA ermittelte. Unter Experten gilt dies als Frühindikator einer Konjunkturbremse.

Dennoch planen die Transportunternehmen, so ein Ergebnis der BVL-Befragung, immer noch mit einem wachsenden Geschäft. Angetrieben werden sie dabei von der aktuellen Nachfrage.

Die Mehrzahl der Speditionen berichtete der Bundesvereinigung Logistik über höhere Auftragseingänge im Inland ebenso wie im Ausland. Per Saldo bauen derzeit deshalb 50 Prozent der Logistikfirmen ihre Sachanlagen aus, 20 Prozent stocken darüber hinaus ihr Personal auf.

Logistikkapazitäten "knapp"

Aus heutiger Sicht sind die Investitionen nachvollziehbar. Unter dem Strich beurteilen fast 40 Prozent der Auftraggeber in Handel und Industrie die angebotenen Logistikkapazitäten als „knapp“. „Die Erwartungen der Logistikunternehmen sind derzeit besser als die von Industrie und Handel“, sagt BVL-Vorstandschef Klinkner.

Doch die Unsicherheiten wachsen. Im vergangenen Jahr noch waren die Logistik-Umsätze deutschlandweit um sechs Prozent auf das Rekordniveau von 222 Milliarden Euro gewachsen.

Handel



Selbst vor der Krise 2008 hatten Deutschlands Transporteure gerade einmal 218 Milliarden Euro Umsatz erwirtschaftet.

Ob sie 2012 dort bleiben, ist dagegen ungewiss. „Im schlimmsten Fall gibt es ein Minus von einem, im besten Fall ein Plus von zwei Prozent“, prognostiziert Klinkner.

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