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Trotz StaatshilfeModefilialist Orsay startet Schutzschirm-Insolvenz

Black Friday für Orsay: Während das Rabattevent lief, hat das Management des Damen-Modeanbieters die Reißleine gezogen. Das Unternehmen will sich über eine Schutzschirm-Insolvenz neu aufstellen.Henryk Hielscher 29.11.2021 - 14:46 Uhr

In Schieflage: Der Modehändler Orsay hat ein Schutzschirmverfahren gestartet.

Foto: Presse

Das Modeunternehmen Orsay will sich über eine Schutzschirm-Insolvenz restrukturieren. Bereits am vergangenen Freitag wurde ein entsprechender Antrag beim zuständigen Amtsgericht Offenburg eingereicht und mit drohender Zahlungsunfähigkeit im ersten Quartal 2022 begründet, berichtet die „Textilwirtschaft“. Die Mitarbeiter wurden am Montagmorgen über den Schritt informiert. 

Die Orsay GmbH ist die Kerngesellschaft der 1975 gegründeten Orsay-Gruppe, die laut Unternehmenshomepage in 34 Ländern aktiv ist, 740 Shops betreibt und rund 5100 Mitarbeiter beschäftigt. Das Unternehmen mit Hauptsitz im baden-württembergischen Willstätt hatte sich erst vor wenigen Monaten 33 Millionen Euro vom deutschen Staat geliehen. Das Geld stammte aus dem Wirtschaftsstabilisierungsfonds (WSF), der im März 2020 ins Leben gerufen wurde, um den negativen wirtschaftlichen Auswirkungen der Coronapandemie entgegenzuwirken. Orsay wurde der Kredit laut Finanzagentur im August bewilligt.

Das Tochterunternehmen der französischen Muilliez-Gruppe (Decathlon, Pimkie und Auchan) hat noch keine Umsatzzahlen für das Pandemie-Jahr 2020 veröffentlicht. Im Vor-Corona-Geschäftsjahr 2019 entfielen auf die Orsay GmbH rund 373 Millionen Euro Umsatz, geht aus dem Bundesanzeiger hervor. Dabei schrumpfte das stationäre Geschäft, das Ende 2019 in 217 Filialen betrieben wurde, um drei Prozent auf 132,7 Millionen Euro. Dagegen wuchs der E-Commerce um 22,3 Prozent auf 39,1 Millionen Euro. Neben dem Handelsgeschäft erbringt das Unternehmen als „operativ größte Hauptgesellschaft“ wichtige Zentralfunktionen für die gesamte Gruppe. 

Krisenfälle im Unternehmen

„Eine Insolvenz ist immer eine Extremsituation“

von Henryk Hielscher

Zur Vorbereitung des Verfahrens nutzte Orsay offenbar die Erfahrungen des Schwesterunternehmens Pimkie vor einigen Monaten. Nach Informationen aus dem Markt soll das Pimkie-Restrukturierungsteam in ähnlicher Konstellation nun auch Orsay aus der Krise führen.

Orsay hatte schon vor der Pandemie Probleme

Schon vor Ausbruch der Pandemie kämpfte das Unternehmen mit wirtschaftlichen Widrigkeiten. So verbuchte die Orsay GmbH 2019 einen Jahresfehlbetrag von 12,7 Millionen Euro. „Die Ertragslage des Unternehmens hat sich im Geschäftsjahr 2019 stabilisiert, wobei sich der Trend einer Verschiebung vom Stationärgeschäft zum Onlinegeschäft fortsetzt“, heißt es dazu im Geschäftsbericht. Allerdings sah sich das Management auf Kurs: Man sehe im Jahr 2019 „eine starke Verbesserung der Vermögens-, Finanz- und Ertragslage gegenüber dem Vorjahr“. Doch die Pandemie änderte die Lage, mehre Lockdowns folgten und brachten das stationäre Geschäft zeitweise zum Erliegen. Orsay beantragte Kurzarbeitergeld, KfW-Liquiditätshilfen und schließlich auch WSF-Mittel.

Für den WSF ist es die zweite Insolvenz eines Empfängers von staatlichen Unterstützungsgeldern. So hat im Juli der Autozulieferer A-Kaiser Insolvenz angemeldet. Das Unternehmen aus Passau bekam im Januar 12,5 Millionen Euro aus dem WSF. Seit September ermittelt die Staatsanwaltschaft Landshut wegen des Verdachts auf Subventionsbetrug. Damit scheint absehbar, dass die Staatshilfen für A-Kaiser bald als Kreditausfall gebucht werden. „Der WSF hat seine ausstehenden Forderungen, wie andere an dem Verfahren beteiligten Gläubiger, dem Insolvenzverwalter mitgeteilt“, hieß vor wenigen Wochen bei der Finanzagentur. Dies dürfte demnächst auch für Orsay gelten. 

Mehr zum Thema: Seit kurzem gilt die Insolvenzantragspflicht für überschuldete oder zahlungsunfähige Unternehmen wieder ohne Ausnahmen. Trotzdem verharren die Pleitezahlen auf niedrigem Niveau, zeigt eine exklusive Datenauswertung. 

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