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Trotz Wahl-Chaos und Pannen Eine Liebesgeschichte über Köln

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Kölner Pleiten, Pech und Pannen

Was hat es in den vergangenen Jahren nicht alles für Pleiten, Pech und Pannen gegeben? 2009 brach während (und wegen) des U-Bahn-Baus das Gebäude des Stadtarchivs zusammen und fiel in eine Baugrube. Es gab zwei Tote. Die Ermittlungen ziehen sich bis heute hin, Ende offen. Schuld will an dem Unglück keiner sein. Die U-Bahn ist immer noch nicht fertig.

In diesen Städten stehen Sie am längsten im Stau
Platz 10: Freiburg im BreisgauFreiburg ist bei Radfahrern beliebt, es gibt aber auch viele Autos in der Stadt im Breisgau – oftmals zu viele. Im vergangenen Jahr verschwendeten die Freiburger 37 Stunden im Stau. Das sind fünf Stunden mehr als noch 2013. Diese Zahlen hat zumindest das Technologieunternehmen Inrix für sein "Traffic Scoreboard" ermittelt. Gefühlt mag es für so manchen Autofahrer deutlich mehr gewesen sein. Quelle: dpa
Platz 9: NürnbergDas Stauaufkommen ist in ganz Deutschland im vergangenen Jahr gestiegen. Die Stau- und Reise-Experten von Inrix führen das auf die gute Konjunkturlage zurück: Die Haushalte haben mehr Geld, zudem habe "die große Anzahl an Bauprojekten einen signifikatnen Einfluss auf das Verkehrsaufkommen". In 17 der 22 untersuchten Ballungsräumen stieg das Verkehrsaufkommen. So standen die Nürnberger etwa sechs Stunden länger im Stau als noch 2013 und treffen so mit 38 Stunden beinahe den bundesdeutschen Schnitt, der noch eine Stunde darüber liegt. Quelle: dpa
Platz 8: RuhrgebietRelativ konstant hingegen blieb das Stauaufkommen im Ruhrgebiet – Autobahnen wie die A40 und A52 sind chronisch baustellen- und staugeplagt. Zu den 40 Stunden 2013 kamen im vergangenen Jahr noch zwei weitere hinzu. Quelle: dpa
Platz 7: BonnSo beschaulich geht es in Bonn nicht immer zu. Wie im Ruhrgebiet verschwenden die Autofahrer 42 Stunden in den Blechkolonnen in und um die ehemalige Bundeshauptstadt. Da Bonn aber nicht nur um zwei, sondern um vier Stunden zugelegt hat, wird die Stadt im Traffic Scoreboard einen Platz vor dem Ruhrgebiet gewertet. Quelle: Michael Sondermann/Bundesstadt Bonn
Platz 6: MünchenDie staureichste Strecke Deutschlands liegt in München: Auf der Bundesstraße 2R, einem 28 Kilometer langen Teilstück des Münchner Innenstadtrings, verbringen Autofahrer 68 Stunden pro Jahr im Stau. Für das Ballungsgebiet München ist die Situation aber etwas entspannter – dort sind es nur 48 Stunden, vier mehr als 2013. Quelle: dpa
Platz 5: HamburgWie im Süden, so im Norden: Die Hamburger stehen mit 48 Stunden genauso lange im Stau wie die Münchner. Nur war bei den Nordlichtern das Verkehrsaufkommen auch in der Vergangenheit schon hoch: Im vergangenen Jahr kam in Hamburg als einzige Stadt der Top Ten keine weitere Stunde hinzu. Quelle: dpa
Platz 4: DüsseldorfDieses Foto stammt aus der Zeit des Lokführerstreiks, als unzählige Arbeitnehmer mangels Zügen mit dem Auto zum Büro pendelten. Aber auch ohne Bahnstreik ist in und um Düsseldorf viel los. In der nordrhein-westfälischen Landeshauptstadt stehen die Autofahrer im Schnitt 53 Stunden im Stau – vier mehr als 2013. Quelle: dpa

Überhaupt, das Thema Verantwortung. Es hat bisweilen den Anschein, dass sich an der Stadtspitze in Köln nie jemand für etwas verantwortlich fühlt, schon gar nicht, wenn es Probleme gibt. Jüngstes Beispiel ist das Debakel um die hochgeschätzte Kölner Oper. Deren feierliche Wiedereröffnung musste im Juli kurzerhand abgesagt und auf (frühestens) 2016 verschoben werden, weil Kosten- und Zeitplan auf der Großbaustelle im Opernquartier aus dem Ruder laufen.

Alle potenziell Verantwortlichen schieben sich seither den schwarzen Peter zu (oder zumindest von sich weg). Susanne Laugwitz-Aulbach gab zu Protokoll, sie wolle sich auf keinen Fall den "Oberverantwortungshut" aufziehen, was Außenstehende erstaunen mag, da Frau Laugwitz-Aulbach die Kölner Kulturdezernentin ist. OB Roters verfolgte die kulturpolitische Blamage aus dem Urlaub.

Stadt mit den meisten Staus

In den Kölner Tageszeitungen findet sich fast täglich irgendeine Posse aus Politik und Verwaltung. Soeben hat Köln von Stuttgart den unschönen Titel als Deutschlands Stadt mit den meisten und längsten Staus übernommen.

Oberbürgermeister und Regierungschefs in den 10 größten deutschen Städten (nach Einwohnerzahl)

Wer hier lebt und täglich das städtische "Baustellen-Management" ertragen muss, den wundert das nicht die Bohne. Zu den Großstädten mit der geringsten Aufklärungsquote von Straftaten zählte Köln auch schon früher. Als unser kleines Reihenhäuschen einmal von Einbrechern besucht wurde, kam die Polizei nach rund 90 Minuten und teilte uns mit, der Kollege von der Spurensicherung hätte schon Feierabend (es war circa 17 Uhr). Wir sollten das Chaos im Haus doch bitte bis zum nächsten Tag so lassen wie es ist.

Wann immer meine Stadt ein größeres Projekt plant, muss man Angst bekommen, denn hier weiß die linke Hand nie, was die rechte tut. Die Bewerbung als Kulturhauptstadt Europas 2010 wurde versemmelt. Wer die beiden Worte "Städtische Gebäudewirtschaft" ausspricht, kann bei den Direktoren Kölner Schulen wahlweise Tobsuchtsanfälle oder Weinkrämpfe hervorrufen.

Tag der Weltmarktführer in Köln
WirtschaftsWoche-Redakteur Franz W. Rother begrüßte die Gäste beim Weltmarktführer-Treff in Köln am 23. und 24. April 2015. Quelle: Jörn Wolter für WirtschaftsWoche
Ute Berg Quelle: Jörn Wolter für WirtschaftsWoche
Zum Thema "Singapur - Ihre bessere Hälfte in Asien" referierten Tobias Ang, Centre Director des Singapore Economic Development Board... Quelle: Jörn Wolter für WirtschaftsWoche
... und Dr. Andreas Hecker, Vice President Global Research & Development bei Leica Microsystems. Quelle: Jörn Wolter für WirtschaftsWoche
Beim Kaminabend am Donnerstag stand Alexander Wehrle, der Geschäftsführer des 1. FC Köln, zum Interview bereit. Quelle: Jörn Wolter für WirtschaftsWoche
Am Freitagmorgen begrüßte Jürgen Roters, Oberbürgermeister der Stadt Köln, die Gäste. Quelle: Jörn Wolter für WirtschaftsWoche
Roters und Dezernentin Ute Berg posieren für eine Aufnahme am Rande der Veranstaltung. Quelle: Jörn Wolter für WirtschaftsWoche

Vor einiger Zeit gestaltete die Stadt den großen Platz von dem historischen Deutzer Bahnhof, eine alte Betonwüste, aufwändig um. Es entstand: eine neue Betonwüste. Beim Umbau des Breslauer Platzes in zentraler Lage hinter dem Hauptbahnhof bemerkte man nach Fertigstellung, dass der vom Rat beschlossene Brunnen bei Planung und Bau "vergessen" worden war. Das mag daran liegen, dass für die Planung eines Brunnens das Amt für Straßen und Verkehrstechnik zuständig ist, für dessen Bau indes die Städtische Gebäudewirtschaft - und für den Betrieb das Grünflächenamt.

"Et kütt wie et kütt"

Köln will auch eine besonders familienfreundliche Stadt sein. Nun ja. Derzeit sind gleich drei Kindertagesstätten wegen Baumängeln geschlossen - eine davon wegen eines Wasserschadens aus dem Jahr 2009.

Mein WirtschaftsWoche-Kollege Jürgen ist mit seiner Familie jüngst von Köln-Sülz nach Bonn gezogen, weil sich für Sohnemann Paul kein adäquater Kitaplatz auftreiben ließ. Es kam zwar irgendwann ein Angebot, aber der Platz war am anderen Ende der Stadt. Als Jürgen die zuständige Dame beim Amt darauf hinwies, dass für berufstätige Eltern der Transport zur Rush-Hour kaum zu schaffen sei, wurde er angeblafft, er solle sich nicht so anstellen. In Bonn hatte der Familienvater dann die Auswahl zwischen gleich drei Kindertagesstätten.

Was das Schlimme ist: Man hat nicht den Eindruck, dass das alles die Verantwortlichen übermäßig stört. Frei nach den kölschen Leitsprüchen: "Et kütt wie et kütt" und "Et hätt noch immer jot jejange".

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