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Türkei-Urlaub Die Touristen kommen trotz Erdogan

Die Türkei ist bei deutschen Urlaubern als Reiseziel beliebter als die eigene Heimat. Daran kann auch die Pleite eines großen Reiseunternehmens und das Vorgehen der Polizei gegen Demonstranten in Istanbul nichts ändern.

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Hotels und Landschaft an der türkischen Riviera. Quelle: obs

Düsseldorf Wer „Flüge Türkei“ googelt, fühlt sich schon beinahe wie auf einem Basar im Land seiner Träume: „Türkeiflüge billig wie nie buchen“ oder „Bis zu 30 Prozent günstiger in die Türkei fliegen!“ schallt es marktschreierisch dem Suchenden entgegen. Gelockt wird mit Flügen ab 59 Euro, natürlich nur Hinflüge und nicht gerade zur Hochsaison. Komplette Pauschalreisepakete mit Flug, Hotel und Frühstück gibt es auch in besseren Häusern an der Türkischen Riviera für 300, 400 Euro pro Woche.

Dabei gab es zuletzt einen Rückschlag für die Branche: Der auf Türkeireisen spezialisierte Reiseveranstalter GTI Travel ist in die Insolvenz gerutscht. Und auch die politische Lage ist alles andere als ruhig: Auf dem Taksim-Platz in Istanbul protestieren die Massen gegen den autokratischen Führungsstil der Regierung und geraten in heftig Auseinandersetzungen mit der Polizei.

Doch die deutschen Reiseveranstalter versichern fast unisono: Es gibt reichlich Flugkapazitäten für günstige Schnäppchenreisen, das Reiseland Türkei wird bei den Deutschen sogar immer beliebter. „Das Geschäft läuft gut, die Türkei ist ein Dauerbrenner“, sagt ein Tui-Sprecher. In der konzerninternen Hitliste der beliebtesten Reiseländer hat sich die Türkei bei der Zahl der Buchungen von deutschen Urlaubern auf Platz 2 hinter Spanien vorgearbeitet – und damit Deutschland und Griechenland überholt. Das Rewe gehörende Unternehmen DER-Touristik hat zwar seinen Gästen, die im Istanbuler Hotel Grand Hyatt untergebracht sind, die Umbuchung in ein anders Hotel angeboten, da das Hotel in der Nähe des Taksim-Platzes liegt. „Das Angebot hat keiner in Anspruch genommen“, sagte eine Sprecherin.

In der Branchenstatistik des Deutschen Reiseverbandes (DRV) rangiert das Land hinterm Bosporus bereits seit 2012 auf dem dritten Platz der Auslandsreiseziele – hinter Spanien und Italien und zum ersten Mal vor Österreich: Von rund 70 Millionen Urlaubsreisen im vergangenen Jahr gingen zwei Drittel ins Ausland, gut sieben Prozent davon in die Türkei.

Nur kurzfristig sah es nach dem Zusammenbruch von GTI Travel so aus, als ob der Aufwärtstrend gestoppt sein konnte. Mit der Insolvenz des achtgrößten deutschen Reiseveranstalters, der zu einem türkischen Konzern gehört, hatte die ebenfalls zum Imperium zählende Fluggesellschaft Sky Airlines den Betrieb eingestellt. Im regen Urlauber-Flugverkehr fehlten von einem Tag auf den anderen etliche Jets, die zu einem Großteil für den Duisburger Touristikanbieter Alltours geflogen waren.

Chef Willi Verhuven hatte denn auch nach dem Bekanntwerden der Pleite beklagt, dass in diesem Sommer rund 400 000 Flugzeug-Plätze, eben die Kapazität von Sky, im Luftverkehrsmarkt Deutschland/Türkei fehlen würden. Das Unternehmen, bekannt für flotte Sprüche und aggressives Vorgehen im Markt, wurde ganz defensiv und verhängte kurzfristig einen Buchungsstopp für das begehrte Urlaubsland.


„Wir merken überhaupt nichts“

Inzwischen verkauft auch Alltours wieder die Türkei, versicherte eine Unternehmenssprecherin. Es sei gelungen, für sämtliche geplanten Ferienreisen die entsprechenden Sitzplatzkapazitäten bei anderen Fluggesellschaften zu reservieren. Verstärkt bemühe sich das Unternehmen, Maschinen in Vollcharter zu übernehmen, um den Kunden mehr Sicherheit zu geben. Wer jedoch auf günstige Last-Minute-Buchungen hoffe, könne wegen der knappen Flugkapazitäten enttäuscht werden.

Dem widerspricht der Rest der Branche aber weitgehend. Der Münchner Veranstalter FTI Touristik verweist darauf, dass die Probleme von GTI und Sky keinen Einfluss auf die Marktbedienung hätten. Vorstandschef Dietmar Gunz: „Aktuell haben wir bis Oktober noch ein Kontingent von 300 000 freien Flugplätzen in die Türkei, die abgerufen werden können.“ Erhöhte Nachfrage könne uneingeschränkt bedient werden.

„Wir merken überhaupt nichts“, sagte der Sprecher des Duisburger Alltours-Konkurrenten Schauinsland-Reisen. Der Markt Türkei sei zwar „vorübergehend etwas durcheinander geraten, doch in drei Wochen redet keiner mehr über die Insolvenz“. Auch hier wird auf ausreichende Flugkapazitäten bei den Ferienfliegern hingewiesen. Dem Urteil schließt sich der Hamburger Veranstalter Öger Tours an, der zum Thomas-Cook-Konzern gehörende Türkei-Spezialist: „Es wird gut gebucht, wir haben ausreichende Flugkapazitäten und gute Verfügbarkeiten“, sagte eine Sprecherin. Zudem betonte sie, dass Öger nicht mit Sky Airlines zusammengearbeitet habe.

Gelassen beobachtet die Branche die innenpolitischen Auseinandersetzungen um den türkischen Ministerpräsidenten Erdogan. Der Massenprotest in den Städten sei weit weg von den klassischen Urlaubsregionen, sagte eine Sprecherin des DRV. Viele Urlauber hätten inzwischen die Erfahrung gemacht, dass Fernsehbilder aus den Metropolen nicht die Situation im ganzen Land widerspiegelten.

„Voriges Jahr gab es Krawalle in Athen, dieses Jahr schon in Stockholm und Paris – das muss nichts heißen für den Urlaub.“ Die Veranstalter hätten die Situation ständig im Blick, insbesondere bei Städtereisen-Programmen: „Dann wird schon mal ein Ausflugsprogramm verändert oder ein Museumsbesuch gestrichen.“ Wenn die Situation eskaliere, empfehle sich immer der Blick auf die Informationen des Auswärtigen Amtes, wie immer in Krisenfällen. Doch die reisende Kundschaft reagiert bisher gelassen: Es gibt kaum Anrufe, kaum Stornierungswünsche.

Mit Informationen von Reuters.

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