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TV-Kritik „Markencheck extra“ Wer hat die meisten Milchaufschäumer?

Beim „Markencheck extra“ lässt der WDR Handelsketten in einem inszenierten Wettstreit gegen kleine Fachhändler antreten. Der Elektronikmarkt Saturn war zuerst dran. Das Ergebnis ist ebenso uninspiriert wie vorhersehbar.

Welche Unternehmen den deutschen Elektronikmarkt regieren
Platz 5: ProMarktDas Tochterunternehmen der REWE Group machte 2012 einen Gewinn von 5.821 Euro pro Quadratmeter. 2012 erwirtschaftete ProMarkt 588 Millionen Euro, rund 15,5 Prozent weniger als noch im Vorjahr. Die REWE Group beschloss daraufhin 2013, sich von ProMarkt zu trennen. 18 Filialen wurden an Expert verkauft, zehn an Electronic Partner und vier Filialen an Euronics. Insgesamt gibt es 57 ProMarkt Filialen in Deutschland. Quelle: dpa
Platz 4: Electronic PartnerDer Elektronikfachmarkt Electronic Partner, im Online-Handel unter dem Kürzel EP bekannt, erzielte 2012 einen Umsatz von 3,5 Milliarden Euro in Deutschland. Pro Quadratmeter Verkaufsfläche sind das 9.608 Euro. In Deutschland betreibt Electronic Partner insgesamt 110 Filialen. Quelle: Electronic Partner
Platz 3: Euronics Expert dicht auf den Fersen ist der Elektronikfachmarkt Euronics. 1.949 Filialen betreibt Euronics und ist dabei der deutsche Elektronikfachhändler mit den meisten Filialen. Pro Quadratmeter Verkaufsfläche macht Euronics einen Umsatz von 9.636 Euro.  Insgesamt konnte die europäische Verbundgruppe 2012 einen Umsatz von 17,6 Milliarden Euro erzielen, davon 3,7 Milliarden in Deutschland. Bis 2020 will Euronics weltweit die Erlösmarke von 20 Milliarden Euro knacken. Quelle: Presse
Expert AGNeben Media Markt und Saturn regiert auf dem deutschen Elektronikfachmarkt die Expert AG. Das Unternehmen machte 2012 einen Gewinn von 10.990 Euro pro Quadratmeter Verkaufsfläche. Insgesamt konnte so ein Gesamtumsatz von 9,3 Milliarden Euro erzielt werden, davon allein vier Milliarden Euro in Deutschland. Hier betreibt Expert 460 Filialen. Quelle: ZBSP
Platz 1: Media-Saturn-HoldingMedia Markt ist Teil der Media-Saturn-Holding GmbH. 2012 konnte die Holding einen Bruttoumsatz von 10,6 Milliarden Euro erzielen. Media Markt steht damit klar auf Platz 1 der größten Elektronikfachmärkte, sowohl in Deutschland, als auch in Europa. Auch im Beliebtheitsranking der Kunden mischt Media Markt ganz weit vorne mit: Mit einer Note von 2,93 liegt der Elektronikhändler noch vor dem Partner Saturn, der die Note 3,02 erhielt. Heute werden Filialen mit Verkaufsflächen zwischen 2.500 und 10.000 m² in insgesamt 14 Ländern betrieben. In Deutschland unterhält Media Markt gemeinsam mit Saturn 397 Filialen. Quelle: dapd
Ebenfalls Teil der Metro Group ist neben Media Markt der Elektronikfachhandel Saturn. Mit 218 Standorten in sechs Ländern erwirtschaftet Saturn gemeinsam mit Media Markt einen Bruttoumsatz von 10,6 Milliarden Euro pro Jahr. Ein entscheidender Erfolgsfaktor für Saturn ist die dezentrale Unternehmensorganisation. Saturn-Märkte sind keine Filialen, sondern eigenständige Unternehmen, an denen die Geschäftsführer vor Ort als Miteigentümer beteiligt sind. Seit 1990 werden Media Markt und Saturn unabhängig voneinander unter dem Dach der Media-Saturn-Holding GmbH geführt, die sich mehrheitlich im Besitz der METRO Group befindet. Der größte Saturn-Markt mit 18.000 Quadratmetern Verkaufsfläche befindet sich in Hamburg. Quelle: dpa

Die schärfsten Schwerter öffentlich-rechtlicher Service-Berichterstattung sind die Fußgängerzonenumfrage und der Versteckte-Kamera-Handwerkertest. Das ist nicht nur ein sehr, sehr trauriger Satz, der den gebührenfinanzierten Verbraucherjournalismus in Deutschland beschreibt. Sondern auch Inhalt der neusten WDR-Erfindung, für die ein Redakteur den genialen Einfall hatte, beide Elemente in ein- und derselben Sendung zusammenzuführen.

„Markencheck extra“ heißt die Reihe, die an das bekannte „Erfolgsformat“ anknüpfen soll, das sich seit 2011 der Aufklärung von Werbeversprechen der deutschen Wirtschaft verpflichtet sieht. Und dann meistens doch bloß mit erstaunlichem Aufwand Oberflächlichkeiten abprüft.

Auf die Beschwerde der Handelskette Rewe über die Art der Berichterstattung kritisierte im vergangenen Jahr selbst der WDR-Rundfunkrat „nicht immer nachvollziehbare Maßstäbe, fragwürdige Vergleiche und Ungenauigkeiten“. Weil es sich beim „Markencheck“ aber „nicht um eine Nachrichtensendung“ handelt, blieb die Kritik ohne direkte Konsequenz.

Jetzt hat die Redaktion ihre Sendung geringfügig verändert und lässt die Industrie-Goliaths in einer Art Wettstreit gegen diverse Davids antreten. Am Montagabend durften sich Foto- und Fernsehfachhändler aus Düren mit ihren Leistungen am Elektronikgroßmarkt Saturn messen. Nach Punktvergaben in den Kategorien „Auswahl“, „Preis“, „Service“ und - nun ja - „Regiofaktor“ stand fest: Saturn hat mehr Milchaufschäumer und Kopfhörer im Sortiment, dafür kann man im Elektronik-Fachhandel ganz gut Fotoalben und Bilderrahmen kaufen.

Die Beratung ist mal so, mal so. 78 Prozent der Dürener Fußgängerzonenbenutzer finden den kleinen Fachhändler sympathischer, kaufen nachher aber doch bei der Metro-Kette Saturn. Und wenn man die Zahl der Beschäftigten auf den Gesamtumsatz runterrechnet, dann beschäftigt Saturn zwar mehr Leute, aber der Fachhandel sorgt für mehr Jobs. Oder so.

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