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Umkämpfter Buchmarkt Fusion von Thalia und Mayersche wird den Druck im Buchhandel weiter erhöhen

Thalia und Mayersche: Was bedeutet die Fusion für den Kunden? Quelle: imago images

Die Nachricht schlug ein wie eine Bombe: Thalia, Deutschlands Buchhändler mit der größten Zahl an Geschäften, und die Nummer vier, die Mayersche, schließen sich zusammen.

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Das haben die Herren fein hingekriegt – nicht einmal ihre Mitarbeiter ahnten bis heute früh, was wenige Tage nach Jahresauftakt auf sie zukommen würde. So schlug die Nachricht ein wie eine Bombe: Mit Thalia aus Hagen, Deutschlands Buchhändler mit der größten Zahl an Geschäften, und die Nummer vier, die Mayersche aus Aachen, schließen sich zusammen.

Gemeinsam kommen sie auf ein Netz von fast 360 Läden, die unter einer der beiden Marken oder in einigen Fällen noch unter dem Namen des früheren Besitzers firmieren. Aus Sicht der beiden Unternehmen ergibt der Zusammenschluss sicher Sinn: Im komplexen Feld des Einzelhandels mit Büchern hat jeder von beiden seine Spezialitäten, seine besonderen Stärken und Schwächen. Thalia etwa dürfte im Online-Handel um einiges weiter sein als die Mayersche. Die Aachener dagegen haben zum Beispiel durch einen Spielwarenableger im Geschäft jenseits des Gedruckten mehr Erfahrung gesammelt.

Doch inwiefern durch die Liaison von Unternehmen, die noch vor wenigen Jahren erbitterte Konkurrenten waren und nicht davor zurückschreckten, einander mit millionenteuren Investitionen wahre Buchpaläste in unmittelbare Nachbarschaft vor die Nase zu setzen wie etwa in Dortmund, nun der gesamte deutschsprachige Buchmarkt profitieren soll, wie Michael Busch von Thalia und Hartmut Falter von der Mayerschen nicht müde wurden, zu proklamieren, daran dürften doch Fragezeichen angebracht sein.

Denn mit dem Zusammenschluss dürfte der ohnehin bestehende Druck auf die verbliebenen eigentümergeführten unabhängigen Buchhandlungen hierzulande weiter steigen. Natürlich gibt es Fälle, in denen ein Besitzer keinen Nachfolger findet und Orte, die ohne Buchladen dastünden, wenn nicht eine der Buchketten auf den Plan treten und das Geschäft weiterführen würde. Diese Situationen gibt es. Doch auch die Zahl derjenigen Buchhändler, bei denen nun mehr oder minder freundliche Angebote oder Nachfragen einlaufen, ob man nicht einmal über eine gedeihliche Zusammenarbeit reden könne, wird steigen.

Denn klar ist, dass der Umsatz in den Buchhandlungen auch in Zukunft bestenfalls auf dem heutigen Niveau bleibt. Großes Wachstum ist nicht in Sicht, froh ist schon, wer schwarze Zahlen schreibt. Denn da geht es dem Buchhandel nicht anders als dem gesamten Einzelhandel: der Druck durch Amazon im Speziellen und den Onlinehandel insgesamt wird auch in Zukunft weiter steigen. Daran ändert auch der Zusammenschluss nichts, da mögen sich die Herren Busch und Falter noch so sehr auf die Brust trommeln.

Den Druck durch die neue Allianz werden auch die anderen beiden verbliebenen Buchhandelsgruppen zu spüren bekommen. Osiander in Baden-Württemberg und Hugendubel mit Stammsitz in München, alte Verbundenheit hin oder her. Schon heute ist Thalia im Stammgebiet von Osiander mächtig unterwegs. Nicht abzusehen, dass hier einer vom Gas geht.

Noch vor wenigen Jahren erbitterte Konkurrenten: Hartmut Falter, Inhaber und Geschäftsführer der Mayerschen Buchhandlung (links) und Michael Busch, geschäftsführender Gesellschafter und CEO von Thalia. Quelle: Presse

Und auch die Buchverlage dürften die Ankündigung vom zehnten Tag des neuen Jahres mit sehr gemischten Gefühlen sehen. Denn mit ihr wächst erneut die Nachfragemacht des Handels. Die Konditionengespräche werden in Zukunft sicher nicht leichter werden, besonders für jene kleinen und mittleren Verlagshäuser, die ihrerseits nicht zu Konzernen wie Bertelsmanns Random House gehören.

So bleibt es neben aller Arbeit, die beim Zusammenschluss der beiden Häuser jetzt vor den Beteiligten um Mehrheitsgesellschafter Manuel Herder liegt, an Thalia und der Mayerschen, der Buchbranche durch ihr künftiges Handeln vieles von jener Besorgnis zu nehmen, die ihr Zusammengehen ausgelöst hat.

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