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Uniqlo drängt auf deutschen Markt Ändere dich oder stirb!

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Fast Retailing

„Wir sind durch organisches Wachstum auch ohne Zukäufe unterwegs zum globalen Marktführer“, gibt sich Gründer und Konzernchef Tadashi Yanai überzeugt. Schon in zwei Jahren will er mehr im Ausland als in Japan einnehmen. Fast Retailing ist das wertvollste Unternehmen im Nikkei-Index. Yanai will mit dem Gang über den Globus sein Lebenswerk krönen. Mit seinen knapp 46 Prozent an Fast Retailing, die 12,4 Milliarden Euro wert sind, ist er der reichste Japaner.

Wer die Anfänge des heute 65-jährigen klein gewachsenen Mannes mit dem grauen Stoppelhaar und den abstehenden Ohren kennt, hätte diesen Erfolg niemals für möglich gehalten. Zwischen zwei Schwestern wuchs Yanai als einziger Sohn beschützt in der Wohnung über dem väterlichen Geschäft für Herrenanzüge in Japans Textilregion Yamaguchi auf. Das Studium der Wirtschaft und Politik an der renommierten Waseda-Universität in Tokio verbrachte er weniger im Hörsaal, sondern mehr an Mahjong-Spieltischen und Pachinko-Flipperautomaten.

Wareneinkauf und Buchhaltung

Auch der erste Job beim japanischen Einzelhändler Aeon weckte bei dem Unternehmersprössling keine Arbeitslust. Lieber half der damals 23-Jährige ein bisschen im Geschäft seines Vaters aus und vergrätzte die Mitarbeiter. Sieben der acht Angestellten hörten auf, weil sie sich vom Junior des Chefs schlecht behandelt fühlten. Yanai blieb nur, der Not zu gehorchen und alle Arbeiten vom Wareneinkauf bis zur Buchhaltung selbst zu erledigen. Für den verzogenen Twen war dies offenbar die Initialzündung. Der Vater drückte ihm den Firmenstempel und das Sparbuch in die Hand, so lernte er das Geschäft von der Pike auf. Das Gefühl der Verantwortung, das elterliche Geschäft nicht pleitegehen zu lassen, weckte Ernst und Eifer in Yanai.

Dennoch dauerte es ein Jahrzehnt, bis Yanai den Handel mit Anzügen aufgab. Nachdem zwei mächtige Konkurrenten landesweit expandiert waren, verlegte er sich auf Freizeitkleidung. Zudem war sich Yanai sicher, dass sich hochwertige Feierabendmode gut verkaufen ließ, wenn nur der Preis stimmt. Der Kurswechsel spiegelte sich im ersten eigenen Geschäft wider, das er Unique Clothing Warehouse nannte und bald mit Uniqlo abkürzte.

Entwicklung des Uniqlo-Mutterkonzerns Fast Retailing

Durchhaltevermögen

Dazu kam die Begegnung mit dem Chinesen Jimmy Lai in Hongkong. Lai war mit der Textilkette Giordano und der gleichnamigen, komplett selbst produzierten Marke reich geworden. Vom Entwurf über den Stoffeinkauf bis zur Vermarktung hielt Lai alles in Händen und schaltete Zwischenhändler aus. „Was Lai gelang, sollte ich auch schaffen“, machte sich Yanai Mut. Er lagerte die Produktion nach China aus und siedelte Filialen in Vorstädten an. Die Einsparungen gab er an die Kunden weiter. Schon 1991 ging er als Fast Retailing an die Börse und baute die Kette rasant aus.

Dabei bewies er Dickkopf und Durchhaltevermögen. Während der Dauerrezession in Japan in den Neunzigerjahren dominierte Yanai bald den Markt. Seine Niedrigpreise verursachten jedoch einen so negativen Ruf, dass die Japaner dafür gar das Wort „Unibare“ erfanden. Es beschrieb das peinliche Gefühl, als Uniqlo-Träger ertappt zu werden. Yanai kümmerte das nicht. Stattdessen erweiterte er nach der Jahrtausendwende sein Angebot für Frauen und expandierte gen Westen, teils auch durch Zukäufe. Neben den 1368 Uniqlo-Läden betreibt Fast Retailing schon 1200 weitere Textilfilialen, etwa die Billigkette GU.

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