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Uniqlo drängt auf deutschen Markt Ändere dich oder stirb!

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Kleiner Beutel

Die jüngste dieser „Japan-Technologien“, mit denen Uniqlo wirbt, nennt sich „Ultra Light-down“, federleichte Jacken und Westen, die warm halten, nicht auftragen und in einen kleinen Beutel passen, den der Kunde dazu bekommt. Das Obermaterial der Kleidungsstücke besteht aus extrem dünnen Kunstfasern, die durch eine Spezialbehandlung so dicht gepackt sind, dass sich Daunenpolster ohne eigenen Bezug einnähen lassen. Materiallieferant ist der japanische Kunstfaserspezialist Toray, der auch das ultraleichte Karbon für die Dreamliner von Boeing produziert. Drei Toray-Entwickler sind von Anfang an in den Designprozess integriert. Toray liefert exklusiv an Uniqlo und betreibt eine eigene Fabrik für die Spezialmaterialien.

Konzernchef Yanai weiß, dass er mit seiner Expansion den Kampf um die globale Führung im Bekleidungsgeschäft anzettelt, und hat seine Belegschaft in Japan entsprechend eingeschworen. „Unsere internationalen Gegner Zara, H&M und Gap sind nicht leicht zu schlagen, und wir müssen auch mit Adidas, Nike und LVMH konkurrieren“, sagte er Anfang März vor 4000 Mitarbeitern in Tokio. „Ich verlange von jedem Verkäufer die doppelte Effizienz.“ Jede Uniqlo-Filiale müsse darum kämpfen, am meisten zu verkaufen. „Ich mache 50 neue Läden auf und 50 erfolglose Läden zu“, drohte er. Allein die Uniqlo-Geschäfte in Japan sollen pro Jahr 700 Millionen Euro mehr Umsatz bringen.

Damit verrät Yanai gleichzeitig eine gewisse Nervosität. Denn der Vorstoß auf westliche Märke geht richtig ins Geld. So schreibt Uniqlo in den USA auch nach fast einem Jahrzehnt rote Zahlen. Japan bleibt daher das Rückgrat des Konzerns. Im halb abgelaufenen Geschäftsjahr 2014 wird Fast Retailing nur 55 Prozent der Einnahmen, aber 80 Prozent des operativen Gewinns in Japan erzielen. Daher darf die Textilkette in der Heimat nicht ins Schlingern geraten.

Konkurrenz

Doch die schnell alternde und schrumpfende Bevölkerung macht dem Umsatz ebenso zu schaffen wie neue Konkurrenz, die Uniqlo schamlos kopiert. Als Gegenmaßnahme schließt der Konzern inzwischen kleine Filialen in den Vororten und eröffnet größere Kaufhäuser in zentralen Lagen. Dort lässt sich mehr Umsatz pro Quadratmeter Verkaufsfläche erwirtschaften. Der Wandel gipfelte vor zwei Jahren in der Eröffnung eines Uniqlo-Kaufhauses auf der teuersten Tokioter Einkaufsstraße.

Auf die Weise verschafft Yanai zwar seiner wichtigsten Marke Respekt, nicht aber sich als Arbeitgeber. Fast Retail steht auf schwarzen Listen, die an Unis kursieren und vor Arbeitgebern warnen, die junge Leute en masse nach dem Studium als billige Arbeitskräfte einstellen. Japans Presse berichtet über Stress und Depressionen überarbeiteter Uniqlo-Beschäftigter. Jeder zweite Berufsanfänger, der von Uniqlo eingestellt wird, kündigt innerhalb von drei Jahren. Ein Grund dafür war, dass die Neuen sich schon nach sechs Monaten als Filialmanager qualifizieren mussten. Darauf verzichtet Uniqlo inzwischen.

In Arbeit
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Enormer Arbeitsdruck

Dennoch ist der Arbeitsdruck enorm. Die Regale müssen jederzeit auf über 90 Prozent aufgefüllt werden, um Kunden zu beeindrucken. Store-Chefs klagten, dass sie sich abends an der Stechuhr abmeldeten und dann zur Erfüllung ihres Pensums weiterarbeiteten. Um nicht ganz ins Abseits zu geraten, hat Yanai angeordnet, dass Uniqlo 16.000 Mitarbeiter mit befristeten Verträgen fest anstellt. Damit sichert er sich in Zeiten wachsenden Arbeitskräftemangels gute Leute. Seine Einstellung zu Mitarbeitern dürfte der Mittsechziger indes kaum geändert haben. Einer seiner Wahlsprüche hieß zeit seines Lebens: „Wer nicht schwimmen kann, soll untergehen.“ Bei Ansprachen fordert er oft: „Ändere dich oder stirb“. Der Spruch hängt auch im Korridor zu seinem Büro. Den japantypischen Führungsstil, Mitarbeiter wie Familienangehörige zu behandeln und im Konsens zu entscheiden, sieht er als Einengung der unternehmerischen Freiheit.

Gleichwohl besitzt Yanai die Stärke, zu seinen eigenen Fehlern zu stehen. Vor einem Jahrzehnt scheiterte er mit dem Versuch, sich auch im Lebensmittelhandel zu etablieren. Den Flop arbeitete er in dem Buch „Wie man seinen Erfolg an einem Tag wegwirft“ auf. Und seine Autobiografie betitelte er – ungewöhnlich in einem Land, wo Scheitern ein Makel ist – mit „Ein Sieg, neun Niederlagen“.

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