Unternehmerdynastie Haniel sucht den Weg aus der Krise

Schulden, Verluste und eine komplizierte Gesellschafterstruktur: Seit einem Jahr lenkt Stephan Gemkow den Mischkonzern Haniel. Er hat alle Hände voll zu tun, um das Unternehmen auf Kurs zu bringen.

Die umsatzstärksten Medikamente der Welt
Platz 10: MabTheraDer Wirkstoff nennt sich Rituximab. Das Medikament wird für die Behandlung von Lymphomen eingesetzt. In der EU vertreibt Roche es unter dem Handelsnamen MabThera, in den USA heißt es Rituxan. 2013 brachte es rund 6,26 Milliarden Dollar ein. Das waren 5,7 Prozent mehr als im Vorjahr. Bild: Roche Pharma AGDatenquelle: IMS Health Quelle: Presse
Platz 9: CymbaltaDer Wirkstoff dieses Medikaments heißt Duloxetin. Dabei handelt es sich um ein Mittel, das bei Depressionen und Angststörungen eingesetzt wird. Vermarktet wird es von Eli Lilly; der Firma spülte es im Jahr 2013 6,46 Milliarden Dollar in die Kassen - eine Steigerung um 13,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Bild: Lilly Deutschland GmbH Quelle: Presse
Platz 8: RemicadeRemicade ist der Handelsname von Infliximab. Dabei handelt es sich um einen Antikörper, der das Immunsystem vielfach beeinflusst. Eingesetzt wird das Medikament vor allem gegen Rheuma-Erkrankungen. In Deutschland wird es von MSD vertrieben. 2013 erzielte es einen Umsatz von rund 7,68 Milliarden Dollar - 7,8 Prozent mehr als im Vorjahr. Bild: MSD Sharp & Dohme GmbH Quelle: Presse
Platz 7: AbilifyOtsuka Pharmaceuticals vertreibt das Arzneimittel Aripiprazol unter dem Namen Abilify. Es wird zur Behandlung von Schizophrenie eingesetzt. Mit 7,83 Milliarden Dollar in 2013 landet es auf Rang sieben. Das entspricht einem um 14,6 Prozent höherer Umsatz als noch im Vorjahr. Foto:
Platz 6: NexiumDas Magenmittel von AstraZeneca mit dem Wirkstoff Esomeprazol  liegt im Mittelfeld bei den Top-Ten-Präparaten. Der Umsatz 2013 lag bei 7,86 Milliarden Dollar - ein Plus von 7,0 Prozent. Bild: AstraZeneca Quelle: Presse
Platz 5: Lantus Lantus wird von Sanofi-Aventis hergestellt. Es enthält
Platz 4: Enbrel7,95 Milliarden Dollar Umsatz (plus 8,7 Prozent) machte dieses Medikament von Pfizer. Der Wirkstoff Etanercept wird zur Behandlung von Rheuma und der entzündlichen Hautkrankheit Psoriasis eingesetzt. Quelle: AP

Es ist keine leichte Zeit für Haniel. Die auf eine mehr als 250-jährige Geschichte zurückblickende Duisburger Unternehmerdynastie musste zuletzt Milliardenverluste verkraften. Die Geschäfte bei den wichtigsten Investments - dem Handelsriesen Metro und dem Pharmahändler Celesio - laufen schlecht. Außerdem lastet ein hoher Schuldenberg auf dem Unternehmen.

Doch seit gut einem Jahr versucht der neue Konzernchef Stephan Gemkow, das angeschlagene Unternehmen wieder auf Kurs zu bringen. Die Vorlage des Halbjahresfinanzberichts am Freitag (30.8.) bietet ihm deshalb Gelegenheit für eine Zwischenbilanz seiner Arbeit.

Gemkow, der vor seinem Wechsel zu Haniel als Finanzvorstand der Lufthansa das Geld bei Deutschlands größter Airline zusammenhielt, hatte im August 2012 die Führung des Familienunternehmens übernommen. Eine Aufgabe, die sowohl Durchsetzungsvermögen als auch Fingerspitzengefühl verlangt. Fingerspitzengefühl bewies der 53-Jährige dabei nicht zuletzt im Umgang mit den über 650 Gesellschaftern aus der Haniel-Familie, denen er in diesem Jahr einen Verzicht auf die Dividende zumuten musste.

Sein Durchsetzungsvermögen zeigte sich in den tiefen Einschnitten, die er dem Unternehmen verordnete, um wieder Bewegungsfreiheit zu gewinnen. Das größte Aufsehen errege dabei wohl die abrupte Trennung von Celesio-Chef Markus Pinger, die offiziell mit unterschiedlichen Auffassungen zur Führung des Unternehmens begründet wurde. Außerdem machte sich der Finanzexperte daran, den drückenden Schuldenberg des Konzerns zu reduzieren und verkaufte dafür Aktienpakete der Metro, von Celesio sowie des Spezialversandhändlers für Geschäftsausstattung Takkt.

Nach einem Jahr an der Konzernspitze sieht der Manager erste Erfolge seiner Arbeit. Zwar lasten noch immer Schulden in Höhe von 1,8 Milliarden Euro auf Haniel, doch gewinne das Unternehmen allmählich wieder an Spielraum. Es könne „sozusagen vom Feuerlösch- auf den Wachstumsmodus umschalten“, meinte Gemkow kürzlich in einem Interview.

In Arbeit
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Zusätzlichen Spielraum könnte dem Unternehmen ein weiterer Verkauf von Tafelsilber geben. Gemkow denkt immerhin über einen Komplettverkauf der Mehrheitsbeteiligung an Celesio nach. Der Pharmagroßhändler ist an der Börse mit rund 2,7 Milliarden Euro bewertet. Der Verkauf der gut 50-Prozent-Beteiligung könnte also eine Milliardensumme in die Firmenkasse spülen und der Befreiungsschlag sein.

„Wir stehen vor großen Veränderungen“, betonte Gemkow in der jüngsten Ausgabe des Firmenmagazins „enkelfähig“ mit Blick auf das Unternehmen. Doch sei er zuversichtlich. Schließlich habe sich der Konzern im vergangenen Vierteljahrtausend schon oft neu erfunden: „Veränderungen liegen in der DNA von Haniel.“

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