Untreue-Prozess Um Thomas Middelhoff wird es einsam

Die Gläubiger stehen Schlange, Zivil- und Strafprozesse kosten Kraft und Geld: Schafft es der frühere Starmanager Thomas Middelhoff noch aus dem Dilemma heraus?

Wie schafft es Thomas Middelhoff noch aus dem Schlamassel? Quelle: dpa

Es gab eine Zeit, da galt Thomas Middelhoff noch nicht als der schlechteste Manager des Landes. Vielmehr war er ein gefragter Gesprächspartner, er jettete zu wichtigen Termin, bestimmte über das Schicksal tausender Mitarbeiter – erst beim Medienkonzern Bertelsmann, dann beim Handelshaus KarstadtQuelle. Sein Wort galt etwas im Club der Mächtigen. „The nice guy from Bertelsmann", nannte ihn Edgar Bronfman, Eigentümer des Medienkonzerns MCA - der "nette Mensch von Bertelsmann".

2007 erhielt er gar den „Vorbildpreis“ der Universität Bayreuth, mit dem Persönlichkeiten ausgezeichnet werden sollen, „die ihre Macht und ihr Charisma positiv einsetzen“. Nach der Übernahme des Vorstandsvorsitzes von KarstadtQuelle habe Middelhoff „führungspersönliche Verantwortung“ gezeigt, hieß es damals zur Begründung der Preisverleihung.

Ist der Ruf erst ruiniert...

Heute wirken derlei Huldigungen unvorstellbar: „Ich bin für viele Deutsche der Idealtyp des gierigen Managers, der verantwortungslos um den Globus irrlichtert", reflektierte Middelhoff unlängst in einem lichten Moment der Selbsterkenntnis. Tatsächlich dürfte in den vergangenen Jahren kaum ein zweiter Unternehmenslenker einen ähnlichen Absturz erlebt haben: Sein Ruf ist ruiniert. Die Zahl der Prozesse und Verfahren, in die Middelhoff verwickelt ist, ist kaum noch überschaubar. Sein Vermögen ist zusammengeschmolzen wie ein Stück Butter in der Sonne. Nun laufen ihm auch noch die wichtigsten Unterstützer weg, schreibt die „Süddeutschen Zeitung“.

Die Prozesse rund um Thomas Middelhoff

 

Demnach berät Hans-Hermann Tiedje, der frühere Chefredakteur der „Bild“-Zeitung, Middelhoff nicht mehr in PR-Fragen, um Interessenkonflikte zu vermeiden. Das Problem: Tiedje ist Vorstandschef der PR-Beratungsgesellschaft WMP Eurocom. Teilhaber und Aufsichtsratschef von WMP ist wiederum Roland Berger, einer der großen Strippenzieher der deutschen Wirtschaft – und zugleich ein enttäuschter Geschäftspartner Middelhoffs.

Berger hatte Middelhoff einst 7,5 Millionen Euro geliehen. Hintergrund war eine gemeinsame Beteiligung an dem Finanzinvestor BLM in London. Nachdem der BLM-Aktienkurs einbrach, musste Berger bei einer beteiligten Bank weitere Sicherheiten für die Finanzierung stellen und reichte die Forderung anteilig an seinen Kompagnon Middelhoff weiter. Der soll Berger zwar Sachwerte angeboten haben, konnte aber keine ausreichenden Barmittel auftreiben.

Beim Inkasso ist Berger nicht zimperlich. Erst musste Big T. während einer Verhandlungspause bei einem Gerichtstermin in Essen eine sogenannte Taschenpfändung über sich ergehen lassen. Da er jedoch nur 72,30 Euro dabei hatte und damit unter der Pfändungsgrenze blieb, zog der Gerichtsvollzieher unverrichteter Dinge davon. "Das ist die moderne Form des Prangers", beschwerte sich Middelhoff. Wenig später zwang Berger ihn sogar dazu, einen Offenbarungseid abzugeben. Um bei dem Termin nicht fotografiert zu werden, flüchtete Middelhoff in Actionfilm-Manier. „Ich bin wie die Katze übers Dach“, berichtete er später, nicht ohne Stolz. „Ich musste drei Meter tief auf eine Garage springen und dann noch einmal drei Meter auf die Straße.“

Ausgestanden ist der Casus Berger damit allerdings noch lange nicht. So soll Middelhoffs Anwalt Winfried Holtermüller laut „Süddeutscher Zeitung“ bereits vor einer drohenden Insolvenz seines Mandanten gewarnt haben, sollte Berger weiter versuchen, seine Forderung einzutreiben.

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