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UVEX Über Umwege zurück in die USA

Der Schutzhelm- und Brillenhersteller aus Fürth kehrt auf den US-Markt zurück. Nach einem Zukauf hofft Uvex auf lukrative Aufträge in einem Milliarden-Markt.

UVEX-Firmenchef Michael Winter Quelle: Presse

Zum Kennenlernen gab's Würstchen in der Nürnberger Altstadt, den Deal feierten sie vor wenigen Tagen mit Barbecue und Bier in Great Rapids im US-Bundesstaat Michigan – nach mehr als 20 Jahren Abstinenz kehrt der auf Schutzkleidung spezialisierte Familienkonzern Uvex zurück auf den US-Markt. Die Fürther, bekannt vor allem als Brillen- und Helmausrüster für Ski- und Fahrradfahrer, beteiligen sich mit zunächst 45 Prozent am Unternehmen HexArmor.

Das verschafft Firmenchef Michael Winter nach dem Verkauf der Markenrechte 1993 den Wiedereinstieg in den mehr als drei Milliarden Euro schweren US-Markt für Arbeitsschutz. HexArmor fertigt hieb- und stichfeste Handschuhe für Bau- und Ölfirmen wie Haliburton und Schlumberger und setzt knapp 37 Millionen Euro um. Unter der Marke wird Uvex seine Schutzbrillen ab Januar in den USA verkaufen. Der Zukauf soll helfen, Uvex bis 2020 auf eine halbe Milliarde Euro Umsatz zu hieven.

Welche Familien in Deutschland die Macht haben
Rang 20: Liebherr InternationalBranche: Nutzfahrzeuge Umsatz 2015: 9,2 Milliarden Euro Beschäftigte 2015: 41.500 Über die Dachgesellschaft kontrolliert die Familie Liebherr das Firmenimperium, das unter anderem Baufahrzeuge, Kräne, Verkehrstechnik, Hausgeräte und Hotels umfasst. Quelle: FAZ, Unternehmen Quelle: dpa
Rang 19: MaxingvestBranche: Nahrung und Genuss Umsatz 2015: 10,1 Milliarden Euro Beschäftigte 2015: 30.000 Unter dem Dach der Maxingvest sind der Kaffeehändler Tchibo und der Nivea-Hersteller Beiersdorf vereint. Kontrolliert wird die Holding von der Hamburger Unternehmerfamilie Herz. Quelle: AP
Rang 18: WürthBranche: Befestigungstechnik Umsatz 2015: 11,0 Milliarden Euro Beschäftigte 2015: 69.000 Als Schraubenkonzern ist Würth vielen bekannt. Dabei hat sich der Konzern unter Reinhold Würth, Sohn des Firmengründers Adolf Würth, zu einem weltweiten Großhandel mit Befestigungs- und Montagetechnik entwickelt. Sitz des Unternehmens ist Künzelsau bei Stuttgart. Quelle: dapd
Rang 17: Marquard & BahlsBranche: Mineralölhandel Umsatz 2015: 11,1 Milliarden Euro Beschäftigte 2015: 8.700 Zu den Geschäftsbereichen des Konzerns gehören der Mineralölhandel, die Flugzeugbetankung – aber auch die erneuerbaren Energien. Sitz des Familienunternehmens ist in Hamburg. Quelle: dpa/dpaweb
Rang 16: MahleBranche: Autozulieferer Umsatz: 11,5 Milliarden Euro Beschäftigte: 75.600 Der Autozulieferer aus Stuttgart blickt auf eine fast 100-jährige Unternehmensgeschichte zurück und zählt heute zu den größten Firmen der Branche. Der Konzern ist zu 99,9 Prozent im Besitz der Mahle-Familienstiftung. Quelle: dpa
Rang 15: OttoBranche: Handel Umsatz 2015: 12,1 Milliarden Euro Beschäftigte 2015: 49.600 Hinter Amazon ist Otto einer der größten Onlinehändler weltweit. Vom Internetverkauf profitiert der traditionelle Versandhändler so stark, dass die diversen Web-Shops in den vergangenen Jahr stark gewachsen sind. Quelle: dpa
Rang 14: Oetker-GruppeBranche: Mischkonzern Umsatz 2015: 12,2 Milliarden Euro Beschäftigte 2015: 30.800 Zur Oetker-Gruppe mit Firmensitz in Bielefeld gehören rund 400 Unternehmen. Oetker ist unter anderem in den Bereichen Lebensmittel (Dr. Oetker GmbH), Bier (Radeberger), Sekt und Wein (Henkell), Schifffahrt (Hamburg Süd) und dem Bankwesen (Bankhaus Lampe) tätig. Quelle: dpa

Firmenchef Winter sagte der WirtschaftsWoche: „In frühestens drei bis in spätestens fünf Jahren haben wir die Option, weitere Anteile bis zur Mehrheit dazuzukaufen.“  Winter und Stefan Brück, der den Teilkonzern Uvex Safety Group führt, waren schon seit geraumer Zeit auf der Suche nach einem Zukaufziel in den USA. Hintergrund: Wegen vertraglicher Verpflichtungen darf Uvex in den USA keine Arbeitsschutz-Produkte unter seinem Markennamen verkaufen.

Winter schätzt, dass dem Unternehmen so bislang jährlich Umsätze in dreistelliger Millionenhöhe entgehen. Zudem könne sich das Unternehmen nicht an globalen Ausschreibungen im Öl-, Gas- oder Luftfahrtgeschäft beteiligen. Nach dem Einstieg bei HexArmor peilt Uvex nun die Teilnahme an entsprechenden Ausschreibungen an.

Hinzu kommt, dass HexArmor bisher 80 Prozent seines Umsatzes in den Vereinigten Staaten erzielt und nur 20 Prozent im Rest der Welt. Die HexArmor-Handschuhe will Uvex jetzt in seinen eigenen Vertriebskanälen anbieten. Umgekehrt soll HexArmor bereits ab Januar 2017 unter seinem Markennamen Augenschutzartikel wie Brillen und Visiere in den USA auf den Markt bringen, die bei Uvex in Fürth hergestellt werden: „So lasten wir unsere Produktion in Deutschland besser aus“, sagt Brück.

Weitere Produkte wie Gehör- und Atemschutz sollen in einer zweiten Phase folgen. Uvex-Chef Winter schließt nicht aus, dass in einigen Jahren einige Produktreihen auch direkt auf dem US-Markt produziert werden könnten: „Das setzt allerdings das Erreichen einer kritischen Masse voraus, kann aber angesichts von Währungsumrechnungen eines Tages sinnvoll werden.“

Bereits im Vorfeld des Einstiegs bei HexArmor hat Michael Winter die Konzernfinanzierung auf neue Füße gestellt. Legte der Konzern bisher größten Wert darauf, unabhängig von Banken zu handeln, hat er sich nun einen Konsortialkredit stricken lassen, aus dem auch die HexArmor-Übernahme finanziert wird: „Wir wollen angesichts der aktuellen Zinslandschaft unser Geld dort für uns arbeiten lassen, wo es den meisten Ertrag bringt und haben es deshalb in den Betrieb investiert.“ Uvex habe zudem Spielraum für weitere Zukäufe. Konkret geplant seien derzeit allerdings keine: „Unser Ziel, bis 2020 einen Umsatz von 500 Millionen Euro zu erzielen, dürften wir auch so erreichen“, sagte Winter.

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