Verbraucherschutz Briten erheben jetzt eine Zuckersteuer – ein Vorbild für Deutschland?

Auch der Softdrink-Riese hat bereits auf die Zuckersteuer reagiert. Quelle: AP

Ab diesem Freitag werden zuckrige Limonaden im Vereinigten Königreich deutlich teurer. Die Strafsteuer wirkt bereits jetzt. Elf Fragen und Antworten.

Am heutigen Freitag macht Großbritannien ernst mit dem Kampf gegen den Zucker: Seit Mitternacht gilt landesweit eine Steuer auf zuckrige Limonaden. Damit erweist sich das Land nach der Pflicht zu einheitlich gestalteten Zigarettenschachteln erneut als europäischer Hardliner beim Verbraucherschutz.

Wie setzt Großbritannien die Steuer um?
Hersteller von Softdrinks mit mehr als 50 Gramm Zucker je Liter müssen 18 Pence (umgerechnet knapp 21 Cent) Steuer für den Liter zahlen, für Getränke mit mehr als 80 Gramm Zucker sogar 24 Pence. Der Betrag dürfte auf die Endkunden umgelegt werden. Eine Cola-Dose wird so etwa acht Pence teurer, ein Softdrink im Pub etwa zehn Pence. Die Steuer sollte laut ursprünglichen Planungen jährlich rund 520 Millionen Pfund in den Staatshaushalt spülen, die zweckgebunden für die Förderung des Schulsports ausgegeben werden sollen. Aktuell wird das Steuervolumen nur noch auf 285 Millionen Pfund geschätzt.

Welches sind die Gründe für die Steuer?
Zucker ist als Dickmacher in Verruf geraten und gilt als eine Hauptursache für das grassierende Übergewicht, das eine Ursache für Diabetes ist. Eine besondere Rolle kommt in der Diskussion Getränken zu: Anders als feste Lebensmittel sättigen sie kaum. Wer seinen Durst hauptsächlich mit Softdrinks löscht, nimmt daher besonders viel Zucker zu sich.

Wirkt so eine Steuer?
Erfahrungsgemäß ja. In Mexiko gilt bereits seit 2014 eine Zuckersteuer auf Getränke. Laut einer Studie ging dort der Konsum der besteuerten Getränke im ersten Jahr um sechs Prozent zurück, im darauf folgenden Jahr beschleunigte sich der Rückgang auf bis zu zwölf Prozent. Besonders sparsam zeigten sich Menschen mit geringem Einkommen. Diese Gruppe gilt als besonders stark von Übergewicht betroffen. In Ungarn reduzierten die Hersteller den Zuckergehalt um etwa 40 Prozent.

Reagieren die Hersteller in Großbritannien?
Ja. Mehr als die Hälfte der Hersteller haben in Großbritannien laut Finanzministerium den Zuckergehalt von Getränken reduziert – meist mithilfe von Süßstoffen. So überarbeitet etwa die wichtige Supermarktkette Tesco ihre Eigenmarken. Der vor allem in Schottland beliebte sehr zuckrige Drink Irn Bru wird nunmehr mit Süßstoff produziert und bleibt unter der Steuergrenze. Anders sieht es bei den weltweit recht identischen Rezepturen von Coca-Cola und Pepsi aus. Die Original-Varianten sollen am Markt bleiben. Coca-Cola ändert aber die Verpackungsgrößen. Statt einheitlich in 1,75-Liter-Flaschen werden die Produkte künftig in unterschiedlichen Größen zum selben Preis angeboten: Das Original in 1,5-Liter-Flaschen, die zuckerfreien Varianten in Zwei-Liter-Flaschen.

Darf's ein bisschen weniger sein?
Lidl Quelle: dpa
Haribo Quelle: dpa
Rewe Quelle: dpa
Dr. Oetker Quelle: dpa
Eckes-Granini Quelle: dpa
Valensina In Sachen Saft argumentiert Valensina ähnlich wie Eckes-Granini. Doch das Unternehmen produziert auch sogenannte Frühstücks-Nektare. Bei denen sei geplant, „verschiedene Rezepturen mit einem nochmals reduzierten Zuckeranteil auf ihre Akzeptanz bei den Verbrauchern zu überprüfen“, teilt Valensina mit. Quelle: imago
Bahlsen Quelle: dpa

Sind auch andere zuckerhaltige Produkte betroffen?
In Großbritannien bislang nicht. Mit der Umsetzung der Zuckerstreuer und den schnellen Auswirkungen auf die Produkte gewinnt jedoch die ursprüngliche Diskussion an Fahrt, auch andere zuckerhaltige Lebensmittel einzuschließen. Die Hersteller zuckerhaltiger Lebensmittel versuchen bereits, mit einer freiwilligen Selbstverpflichtung zu neuen Rezepten eine gesetzliche Regelung abzuwenden. Die Konservative Regierung von Theresa May soll allerdings weiterer Regulierung offen gegenüberstehen als noch vor einem Jahr, weil die Zuckersteuer auf Getränke schon jetzt greift.

Werden weitere Länder folgen?
Ja. In Frankreich gibt es bereits fortgeschrittene Pläne für eine Zuckerstreuer mit breiter politischer Unterstützung. Inzwischen gibt es bereits in 26 Staaten konkrete Ansätze für solch eine Steuer.

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