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Versandriesen So macht Amazon unsere Innenstädte platt

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Die Kunden spielen nicht mit

Online-Lebensmittelanbieter in Deutschland
Rewe Online Quelle: dpa
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Doch sind mittelständische Buchhändler, Boutique-Besitzer und Filialisten Amazon und Co. wirklich ausgeliefert oder können nicht auch die Kleinen im Netz reüssieren? Immerhin feiern zahlreiche Händler mittlerweile auch im Netz Erfolge (WirtschaftsWoche 11/2013). Mal, weil sie mit dem vermeintlichen Erzfeind Amazon paktieren, um eigene Waren zu verkaufen. Mal, weil sie mit eigenen Web-Shops oder der Präsenz auf alternativen Online-Marktplätzen bei den Kunden punkten. Oder sollten Unternehmer den ganzen Online-Zirkus ignorieren und sich auf das konzentrieren, was den Verkauf von Waren seit jeher befördert hat: freundliches Personal und kompetente Beratung?

So plausibel die Service-Ambitionen auch klingen, sie haben einen entscheidenden Nachteil: Die Kunden spielen nicht mit.

Egal, ob Sportausstatter oder Handyshopbetreiber, im deutschen Einzelhandel dürfte sich kaum ein Verkäufer finden, der noch keine Erfahrungen mit Kunden gesammelt hat, die sich erst im Laden ausgiebig beraten lassen, um dann im Internet zum günstigeren Preis zuzuschlagen. „Showrooming“ nennen Marktforscher das Phänomen – der Handel prangert lieber den „Beratungsklau“ an. So sorgte jüngst eine resolute Australierin für Furore, die fünf Dollar von all jenen Leuten kassieren will, die sich in ihrem Fachgeschäft für glutenfreie Lebensmittel nur umschauen, aber nichts kaufen.

Die besucherstärksten Einkaufsmeilen in Deutschland
Wo shoppen die Deutschen am liebsten? Um diese Frage zu beantworten, untersucht der Immobilienmakler Jones Lang La Salle seit 1999 jedes Jahr die Passantenfrequenz in den Einkaufsstraßen der Bundesrepublik. Das sind die Ergebnisse. Quelle: dpa/Picture Alliance
Platz 20: Bahnhofstraße (Hannover)Für die Erhebung wurden möglichst zeitgleich eine Stunde lang die Passanten auf den Einkaufsmeilen gezählt. Die Bahnhofstraße in Hannover eröffnet das Ranking. 7.355 Menschen besuchten die Lage innerhalb von sechzig Minuten. Quelle: dpa/Picture Alliance
Platz 19: Sendlinger Straße (München)München bietet die mit Abstand höchste Anzahl an Hochfrequenzspots. Die Landeshauptstadt ist gleich mit fünf Einkaufsmeilen im Ranking vertreten. Eine davon ist die Sendlinger Straße, auf der immerhin 7.470 Passanten gezählt wurden. Foto: Andreas Steinhoff Quelle: Wikipedia
Platz 18: Weinstraße (München)Auch auf dem nächsten Platz landet eine Münchener Einkaufsmeile. Platz 18 belegt die Weinstraße (7.560 Besucher), die in den Marienplatz mündet. Die Fassade der Südwestecke des neuen Rathauses, das an dieser Stelle (auch Wurmeck genannt) liegt, greift in ihrer Gestaltung die Münchner Sage vom Lindwurm auf. Quelle: Wikipedia
Platz 17: Alexanderplatz (Berlin)Nach München kann Berlin die meisten sogenannten Hochfrequenzanlagen vorweisen. Die Hauptstadt schafft es immerhin dreimal in die Top 20. Auf dem Alexanderplatz (7.575 Besucher), wo mit dem Fernsehturm auch Berlins Wahrzeichen steht, dürfen auch Einkaufsmöglichkeiten nicht fehlen. Alleine im Alexa-Einkaufszentrum gibt es 180 Geschäfte. Quelle: dpa/Picture Alliance
Platz 16: Tal (München)Das Tal erstreckt sich auf einer Länge von 500 Metern zwischen dem Alten Rathaus am Marienplatz im Westen und dem Isartor im Osten. Den Namen trägt es aufgrund seiner tiefen Lage. Mit 8.190 gezählten Besuchern landet das Tal auf Platz 16 im Ranking. Foto: Maximilian Dörrbecker Quelle: Wikipedia
Platz 15: Kirchgasse (Wiesbaden)Mit 8.370 Besuchern in der Stunde ist die Kirchgasse in Wiesbaden die höchstfrequentierte Einkaufsmeile in der Kategorie der Städte mit 250.000 bis 500.000 Einwohnern. Bundesweit landet sie auf Platz 15. Quelle: Wikipedia

Störsender

In Deutschland rüstet manch Händler zum technischen Gegenschlag. So will ein RTL-Fernsehteam in verschiedenen Elektronikmärkten den illegalen Einsatz von Störsendern nachgewiesen haben. Die Geräte sollen den Internet-Empfang von Handys blockieren und könnten damit auch lästige Apps ausschalten – wie die von Amazon. Über deren integrierten Barcodescanner „können Sie einfach und schnell Preise in einem Laden direkt beim Einkaufen mit denen von Amazon.de“ vergleichen, bewirbt das Portal das Angebot.

Für Gerrit Heinemann, Leiter des eWeb Research Center an der Hochschule Niederrhein, sind die Blockadeversuche ein Indiz dafür, wie stark der Druck auf den Geschäften lastet. „Augen zu und durch funktioniert nicht mehr“, sagt er. Regelmäßig tourt der Online-Experte durch die Republik, um Unternehmern, Verbandsfürsten und Stadtoberen von der sich abzeichnenden Gezeitenwende zu künden. Im Gepäck hat er Zahlen und Prognosen, die kaum geeignet sind, die Laune im Publikum zu heben. „Die Fußgängerzonen vieler Städte beginnen sich zu leeren, die Kundenfrequenz nimmt ab“, sagt Heinemann.

Montag bis Samstag: Ruhetage

Davon wird zwar auf den Einkaufsboulevards der großen Städte im demnächst startenden Weihnachtsgeschäft so gut wie nichts zu sehen sein. Egal, ob Kaufinger Straße in München, Kölner Schildergasse oder Frankfurter Zeil: Unter festlich erleuchteten Sternenbögen und funkelndem Eiszauber werden sich wieder Tausende in den alljährlichen Geschenketrubel stürzen. Gerade erst hat die Stuttgarter Kaufhauskette Breuninger ein neues Glitzerflaggschiff im noblen Düsseldorfer Kö-Bogen eröffnet. „Krise? Von wegen!“, mag manch Händler trotzig den Internet-Apologeten entgegenschleudern.

Andernorts lässt sich die Dimension der bevorstehenden Veränderungen bereits erahnen. Oft reicht der Besuch einer Kleinstadt aus, um den Glauben an die sonnige Zukunft der kleinen Händler zu verlieren. Montag bis Samstag: Ruhetage. Anders als auf den großen Shoppingmeilen herrscht hier selbst zur Haupteinkaufszeit Friedhofsstille. Wer beim Wochenendeinkauf etwas erleben will, fährt in die nächstgelegene Großstadt. Und wer genau weiß, was er braucht, shoppt online.

Die Netto-Umsatzentwicklung von Zalando und Amazon Deutschland

Unbehagen

Dass in der Fußgängerzone rund um den heimischen Marktplatz die angestammten Läden auf der Strecke bleiben, registrieren die Bürger mit Unbehagen – und ordern trotzdem im Netz. Zu groß ist dort die Auswahl, zu niedrig sind die Preise, zu schnell ist die Lieferung, als dass die örtlichen Geschäfte auf Dauer mithalten könnten. Zumal die Veränderung gerade erst beginnt.

Die zunehmende Nutzung von Smartphones, schnellere und passgenaue Lieferzeiten sowie der Wandel von gelegentlichen Online-Käufern zu Netzstammkunden könnten dafür sorgen, dass bis 2023 jeder vierte Euro nicht mehr in klassischen Läden, sondern in Online-Shops umgesetzt wird, prognostiziert Heinemann – eine Steigerung von 250 Prozent.

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