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Versandriesen So macht Amazon unsere Innenstädte platt

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Probleme für kleine und mittelgroße Städte

Die besten Einkaufsmetropolen der Welt
Auf der Suche nach der ultimativen Shopping-Hochburg zählten für die Herausgeber des „Globe Shopper City Index“ vier Kriterien: 1. Mobilität vor Ort: Qualität der öffentlichen Verkehrsmittel, Erschwinglichkeit und Verfügbarkeit der Taxis. 2. Schnäppchen: saisonale Schlussverkäufe sowie die Durchschnittspreise. 3. Vielfalt: Anzahl der verfügbaren Marken und Einkaufsmöglichkeiten. Wie hoch ist die Anzahl der gehobenen Geschäfte, Kaufhäuser, Boutiquen, Vintage-Einzelhändler und Marktstände? 4. Erlebnis: Schönheit der Stadt, Qualität der Schaufenster und Geschäftseinrichtungen, Freundlichkeit und Kompetenz des Servicepersonals sowie Speise-und Übernachtungsmöglichkeiten. Quelle: Globe Shopper City Index, CNN Travel Quelle: dapd
Platz 10: MadridDie spanische Hauptstadt kann Shopping-Freunde begeistern. Die eher geringe Auswahl wird durch günstige Preise bei Luxusartikeln und dem Stadterlebnis wieder wettgemacht. Mobilität vor Ort: 6/10Schnäppchen: 6/10Vielfalt: 4/10Erlebnis 7/10Gesamtergebnis: 23 von 40 PunktenFoto: Blick vom Königspalast (Palacio Real) über die Plaza de Armas auf die Kathedrale Santa Maria la Real de la Almudena in Madrid (Archivfoto von 1999) Quelle: dpa
Platz 9: Dubai Dubai ist bekannt für Glamour und Superlative. So ist es nicht verwunderlich, dass die Dubai Mall, das weltgrößte Einkaufszentrum der Welt, hier zu finden ist. In diesem Reich für sich laden verschiedene Themenparks, tanzende Brunnen, eine Olympia-Eishalle, ein Riesen-Aquarium und vieles mehr zum Verweilen ein. Schnäppchen-Jäger kommen beim Dubai Shopping Festival im Januar und Februar auf ihre Kosten. Dann locken Pauschalangebote und Rabatte bis zu 70 Prozente auf Elektronik, Kleidung und beliebte Artikel.Mobilität vor Ort: 6/10Schnäppchen: 6/10Vielfalt: 8/10Erlebnis 4/10Gesamtergebnis: 24 von 40 Punkten Quelle: dpa
Platz 8: WienSeinen guten achten Platz verdankt Österreichs Metropole seinem zweiten Platz bei den Luxus-Schnäppchen. Auch der ehrwürdige „Wiener Christkindlmarkt“ (Foto) mit seinen Glaskugeln und handgefertigten Produkten sorgt für Punkte auf der Erlebnisseite. Allerdings könnten die im europäischen Vergleich sehr frühen Ladenschlusszeiten manchen Kaufwütigen beim Geldausgeben bremsen. Mobilität vor Ort: 6/10Schnäppchen: 8/10Vielfalt: 3/10Erlebnis 8/10Gesamtergebnis: 25 von 40 Punkten Quelle: REUTERS
Platz 7: Buenos AiresDie erotischen argentinischen Tango-Tanzschritte und das warme Klima bilden die perfekten Voraussetzung für ein erfolgreiches Shopping-Erlebnis in der argentinischen Hauptstadt. Besonders Freunde von hochwertigen Lederartikeln und Herrenschuhen sollten auf ihre Kosten kommen. Mobilität vor Ort: 6/10Schnäppchen: 8/10Vielfalt: 6/10Erlebnis 7/10Gesamtergebnis: 27 von 40 Punkten Quelle: AP
Platz 6: HongkongAuch wenn der Ortsteil Causway Bay (Foto) im Stadtzentrum bereits die New Yorker Fifth Avenue als teuerstes Pflaster bei den Einzelhandelsmieten abgelöst hat, reicht es im Shoppingvergleich für Hongkong im Gesamtrating nur für den sechsten Rang. Top: Die Sonderverwaltungszone erhält beim Thema Mobilität die volle Punktzahl. Wer vor fast stalkenden Verkäufern keine Angst hat, könnte in dieser Stadt mit einem Weltklasse-Schnäppchen belohnt werden. Mobilität vor Ort: 10/10Schnäppchen: 5/10Vielfalt: 6/10Erlebnis: 7/10Gesamtergebnis: 28 von 40 Punkten Quelle: dpa
Platz 5: ParisDie besten Geschäfte in der französischen Modemetropole Paris verkaufen keine Kleidung. Sie verkaufen Lebenseinstellungen. So überlebt hier eine Vielzahl skurriler Konzeptstores die völlig nutzlose Designer-Ware unter das nachfragende Volk bringen. Wer bei teurer Modelabel-Ware ein Schnäppchen geschlagen hat, kann es gleich wieder in Wasser investieren. Die Wasser-Bar bietet über 70 Marken von Mineralwasser an - teils zu recht üppigen Preisen. Mobilität vor Ort: 6/10Schnäppchen: 6/10Vielfalt: 8/10Erlebnis: 9/10Gesamtergebnis: 29 von 40 Punkten Quelle: REUTERS

Die Konsequenzen wären dramatisch. Für Oberzentren, also Städte mit mehr als 100.000 Einwohnern, erwartet Heinemann zwar, dass der offline erzielte Einzelhandelsumsatz insgesamt stabil bleibt. Doch in der Liga darunter sei eine Erosion absehbar. Bis 2023 würden die Klein- und Mittelzentren in Deutschland rund 31 Prozent ihres heutigen Flächenumsatzes verlieren. Milliardenbeträge fließen weg von klassischen Buchläden und Boutiquen, Bettenhändlern und Baumärkten hin zu den Netzgiganten.

Die haben in den vergangenen Jahren Wachstumsraten vorgelegt, die selbst Internet-Euphoriker in Staunen versetzen. 2012 setzte der vier Jahre zuvor gegründete Berliner Online-Modeanbieter Zalando 1,15 Milliarden Euro um, in diesem Jahr soll gar die Zwei-Milliarden-Marke fallen. Amazon steigerte den Umsatz in Deutschland zuletzt um 21 Prozent auf 6,8 Milliarden Euro. Geht es in diesem Tempo weiter, dürfte der Internet-Primus 2013 hier mehr als acht Milliarden Euro einnehmen.

Eiswasser in den Adern

„Wer im Amazonas nicht untergehen will, muss darauf schwimmen“, lautet angesichts solcher Wachstumsraten die pragmatische Losung vieler Händler. Sie nutzen den sogenannten Amazon-Marktplatz, um eigene Ware loszuschlagen. Allein, der mächtige Strom erweist sich als tückisch.

Ursprünglich wollte Amazon-Chef Bezos sein Online-Kaufhaus auf den Namen Relentless.com taufen. Zu Deutsch: gnadenlos, unerbittlich. Noch heute werden Nutzer, die die düstere Internet-Adresse in ihren Browser tippen, direkt zur Amazon-Homepage geleitet. Bezos setzte dann doch lieber auf den unverfänglichen Namen des weltgrößten Flusses.

Die besten Zitate von Amazon-Gründer Jeff Bezos

Wettbewerber zerstören

Die „Gnadenlosigkeit“ scheint Bezos trotzdem tief in der DNA des Unternehmens verwurzelt zu haben, lässt sich aus der Biografie des US-Journalisten Stone über Bezos erfahren. Allein der Kunde zähle, Wettbewerber wolle „Der Allesverkäufer“ – so der Titel des Buchs – hingegen zerstören, aus Geschäftspartnern und Mitarbeitern stets das Maximale herauspressen.

„Der Mann hat Eiswasser in den Adern“, beschreibt ein früherer Top-Manager in dem Buch die Kaltblütigkeit von Mister Amazon in jenen Momenten, als das Überleben des Unternehmens auf dem Spiel stand. Fast schon legendär ist auch ein intern auf den Spitznamen „Gazelle“ getauftes Projekt von 2004. Kleinere Buchverlage, die ohne Amazon-Verkäufe nicht leben können, sollen Amazon bessere Konditionen einräumen. Kurz: Amazon soll die Verleger jagen wie ein Gepard eine kranke Gazelle. Genauso kam es.

Besucherzahlen der größten Online-Shops in Deutschland im Juni 2013

Martialische Töne

An martialischen Tönen scheinen auch andere Online-Eroberer Gefallen zu finden – etwa Oliver Samwer, der mit seinen Brüdern Marc und Alexander entscheidend an Zalandos Aufstieg zur Modemacht beteiligt war. In einer Mail an Führungskräfte soll er von seinen Leuten einen „Blitzkrieg“ zur Eroberung von Märkten gefordert haben, schreibt Autor Hagen Seidel in seinem Zalando-Buch „Schrei vor Glück“.

Die Businesspläne müssten „mit Blut“ unterschrieben werden, verlangte Samwer – und entschuldigte sich später für die Wortwahl. Das hindert ihn indes nicht daran, dem stationären Handel kräftig einzuheizen: „Was ist das Schrecklichste am Offline-Handel?“, fragte er Anfang März beim Tengelmann e-day in Mülheim an der Ruhr ins Publikum, um selbst zu antworten: „Die Verkäufer! 90 Prozent aller Verkäufer sind doch total schlimm.“

Einige der Aussagen mögen gezielte Provokationen sein. Doch sind selbst ernannte Gazellenjäger und Blitzkrieger wirklich die richtigen Kooperationspartner für kleine Händler?

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