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Von Lego bis Märklin Der Papa will doch nur spielen

Erwachsene Spielkinder werden oft belächelt. Dabei ist Spielen der schönste Weg, sich die Zeit zu vertreiben – und dazu noch nützlich. Warum wir mehr spielen sollten - und wie die Industrie damit ein Geschäft macht.

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Erwachsene sollten mehr spielen. Quelle: Pressebild, Montage

„Ich verbringe jede freie Minute mit Lego.“ Der Satz steht einen Moment im Raum bis Andreas Reikowski ergänzt: „Wenn ich nicht gerade etwas baue, denke ich an Lego.“ Was bei einem Kind normal klingt, verwundert, wenn es aus dem Mund eines 52-Jährigen kommt. Wer allerdings Reikowskis meterhohen Modelle sieht, die er ohne Anleitung, ohne Zeichnungen, ohne Hilfsmittel entwirft, ist baff.

Ob es nun der Nachbau eines Gebäudes ist, das er in der Stadt gesehen hat oder eine riesige, aus Lego errichtete Murmelbahn an der er aktuell arbeitet: „Bei mir entsteht alles am Bauplatz.“ Wie viele Steine er dort zur Verfügung hat, weiß er nicht genau. 200, vielleicht 300 Kisten werden es wohl sein.

Von der Holzente zu Lego-Star-Wars
1932 gründete der dänische Tischlermeister Ole Kirk Christiansen die Firma „Lego“ – wobei der Name eine Abkürzung von „leg godt“ war, was auf Dänisch „spiel gut“ heißt. Quelle: Lego
Anfangs arbeiteten seine Verwandten für ihn, später auch mehrere Angestellte. Bis in die 1950er hinein produzierte er Holzspielzeuge – etwa diese Ente. Quelle: Lego
1949 begann die Produktion von Legosteinen – sie sahen den Steinen, wie sie heute nahezu jedes Kind kennt, schon ziemlich ähnlich. Der einzige Unterschied: Sie waren untenrum hohl. Das führte dazu, dass sie nicht besonders gut hielten, wenn man sie aufeinander steckte. Quelle: Lego
Ab 1955 kam Lego System auf den Markt. Das erste Set war eine Esso Tankstelle. Es folgten Feuerwehrwachen, Straßenlaternen und ganze Straßenzüge. Quelle: Lego
Ein anderes frühes Produkt von Lego: Die Eisenbahn. Quelle: Lego
1958 meldete Lego das Patent für die Röhrenkonstruktion im Inneren der Steine an. Fortan hielten die zusammengebauten Modelle deutlich besser. Quelle: Lego
Ab 1964 wagte Lego den Schritt in Phantasiewelten und produzierte Lego Space. Die Sets erschienen noch vor den Standard Mini-Figuren. Quelle: "Lego Space sets" by Joris van Rooden - CC BY-SA 3.0 via Wikimedia Commons Quelle: Creative Commons

Den Kontakt zum Spielzeug seiner Kindheit hatte Reikowski in seiner Jugend verloren. Als 24-Jähriger fand er dorthin zurück. „Anfangs war es die reine Freude am Spielen“, sagt er. „Es war das Kind im Manne, das noch nicht erwachsen geworden ist.“ Seit 2006 stellt er seine Bauten aus und treibt sich in der Lego-Szene herum.

Erwachsene wie Reikowski, die das Spielkind in sich wieder entdeckt haben, gibt es in Deutschland zu Tausenden – egal ob es nun Fans der Modelleisenbahnen von Märklin sind, der Rennstrecken von Carrera, der Modellautos von Wiking oder eben der Klötzchenwelt von Lego.

Spielen, um nicht abzustumpfen

Auch wenn der spielende Mann immer noch häufig belächelt wird – vor allem von der eigenen Frau, für Rainer Buland, der das Institut für Spielforschung in Salzburg leitet, steht fest: „Zu spielen ist die höchste Kunst des Erwachsenen.“

Bulands Erklärung: Das Gehirn baut ab, wenn wir es nicht nutzen. Da während des beruflichen Alltagstrotts oftmals lediglich ein Bruchteil der geistigen Kapazitäten abgerufen wird, bleibt laut Buland nur eines: „Immer wieder etwas Neues ausprobieren, lernen, Gewohnheiten bewusst ändern und vor allem - spielen.“

Marktanteil der Lego GmbH in ausgewählten Ländern

Der Erwachsene als Umsatztreiber

Klötzchenbauen ist also kein Selbstzweck. „Etwas ‚Sinnloses’ tun, aber das mit ganzer Hingabe – da steckt doch mehr drin als Sinnlosigkeit“, sagt Reikowski. „Das ist Philosophie, denn die Steine sind nur so gut, wie ich sie setze. Das ist wie mit allen künstlerischen Tätigkeiten: Das Material selbst ist es nicht, was reizt, sondern das Wissen-Wollen, was damit möglich ist.“

Das Interesse der Erwachsenen am Spielzeug ist den Produzenten nicht entgangen. Viele Spielzeughersteller richten ihre Produkte und Marketing-Strategien mittlerweile bewusst auf Erwachsene aus und erschaffen ganze Spielewelten für sie.

Wenn Erwachsene die Hauptkundschaft sind

Für den Göppinger Spielwarenhersteller Märklin sind Erwachsene sogar die wichtigste Kundschaft. Viele Modelle sind für Kinder zu teuer – die kunstvollen und detailreichen Modelleisenbahnen kosten nicht selten mehrere hundert Euro. Dazu kommt das Gleismaterial, von dem mehrere Meter gebraucht werden, um eine Welt zu entwerfen. Kostenpunkt für einzelne Schienen: Zwischen zwei und 40 Euro.

„Der Preis, die Modellauswahl – das ist schon sehr auf den Erwachsenen Kunden zugeschnitten“, sagt Florian Sieber, geschäftsführender Gesellschafter bei Märklin. Die wichtigsten Produkt seien nach wie vor Dampflokomotiven aus den Fünfzigern und Sechzigern - nicht gerade etwas, was Kinderherzen höher schlagen lässt. „Die Digitaltechnik ist zudem oft sehr komplex. Man kann unglaublich viel einstellen. Für die meisten Kinder ist das zu kompliziert.“

Mit den Serien MyWorld und Starter versucht Märklin zwar mittlerweile Kinder und Neueinsteiger als Modellbahner zu gewinnen, bis dato lief das aber nur schleppend an.

Sieber schätzt, dass Erwachsene, die die Eisenbahnen für sich selbst kaufen, mehr als drei Viertel des Gesamtumsatzes von Märklin ausmachen. Der Umsatz belief sich im Ende April 2015 zu Ende gegangenen Geschäftsjahr auf insgesamt 98 Millionen Euro.

Das Problem, die jüngere Zielgruppe zu erreichen, hat der dänische Klötzchenproduzent Lego nicht. Trotz Spielekonsolen und Smartphone – aus den meisten Kinderzmmern hierzulande ist Lego weiterhin nicht wegzudenken. Aus vielen Hobbyzimmern von Erwachsenen ebenfalls nicht.

Lego für den Mann

Seit 2010 fährt das Unternehmen eine Werbekampagne, die sich speziell an Männer richtet. Auf der Kampagnen-Website Legomen.de finden sich Sets, die das Spielkind im Manne ansprechen: Etwa der Nachbau des Super Sternenzerstörers aus der Star-Wars-Saga.

Das Set umfasst mehr als 3000 Steine, wird mit einer 220 Seiten langen Anleitung angeliefert und erfordert von versierten Legobauern um die 20 Stunden Bauzeit. Aufgebaut ist der Sternenzerstörer über einen Meter lang und wiegt 3,6 Kilogramm. Zum Spielen eignet er sich nicht, dafür macht sich das detailgetreue Modell hervorragend in der Vitrine.

Lego für die Vitrine
Todesstern von Lego Quelle: PR
Super-Sternenzerstörer von Lego Quelle: PR
R2D2 von lego Quelle: PR
X-Wing Starfighter von Lego Quelle: PR
TIE Fighter von Lego Quelle: PR
Slave I von lego Quelle: PR
Sandcrawler von Lego Quelle: PR

Wie gefragt solche Sets sind zeigt sich zudem daran, dass das Modell des Sternenzerstörers im Lego-Shop längst vergriffen ist; trotz des stolzen Preises, der sich bei Erscheinen 2011 auf rund 400 Euro belief. Bei anderen Anbietern finden Fans das Set noch. Kostenpunkt heute: Mehr als 1000 Euro.

Lego-Sets für mehrere hundert Euro

Eine solche Preisentwicklung ist bei den Modellen nicht selten, die wie der Sternenzerstörer Teil der Ultimate Collector’s Series sind. Die Serie startete Lego im Jahr 2000 mit den Star-Wars-Baukästen X-Wing Fighter (7191) und TIE-Interceptor (7181). Bis heute hat Lego 28 Modelle aus der Star-Wars-Saga in dieser Serie herausgebracht. Sie sind allesamt hochpreisig, gigantisch groß und vor allem für den Erwachsenen Klötzchenbauer gedacht. Zuletzt erschien unter anderem der Slave I (75060), das Raumschiff von Kopfgeldjäger Boba Fett.

Wie groß die Begeisterung so manch eines Erwachsenen ist, lässt sich den Produktbewertungen entnehmen. In Dutzenden Kommentaren loben die Käufer die detailgetreue Umsetzung des Vorbilds aus den Star-Wars-Filmen, die Stunden des kniffligen Bauens und die beeindruckende Größe. Es gibt sogar Youtube-Videos, in denen Fans stolz das aufgebaute Werk präsentieren. Sie werden tausendfach angeklickt.

Neben den riesigen Lego-Star-Wars-Modellen sprechen die Reihen Lego Architecture und Lego Technic Erwachsene an. 2010 fand das Unternehmen bei einer Studie heraus, dass sich jeder dritte Mann vorstellen kann, ein Lego Technic Produkt für sich selbst zu kaufen.

Die Zahl der erwachsenen Spielkinder nimmt zu

Branchenexperten haben den Anteil Erwachsener, die Lego für sich selbst kaufen, 2014 auf 15 Prozent der Kundschaft taxiert. „Wir hören immer wieder, dass der Star-Wars-Todesstern von Vätern an ihre ein-jährigen Kinder verschenkt wird“, sagt eine Unternehmenssprecherin.

Der Todesstern kostet mehr als 400 Euro und besteht aus über 3800 Steinen – nicht gerade das, womit ein Ein-Jähriger Lego-bauen und -spielen lernt.

Die beliebtesten Männer-Spielzeuge
LegoIst der Nachwuchs nur annährend im Bauklotz-fähigen Alter, schleppt Mann auch schon die ersten Lego-Duplo-Sets an. Spätestens nach dem dritten Geburtstag des Sprösslings ist kein Geschenk mehr vor dem Vater sicher - alles was Noppen hat wird zusammengebaut. Oft einträchtig mit dem Sohnemann, aber eigentlich spielt es sich auch als Enddreißiger prima allein mit den bunten Steinen. Davon profitiert natürlich auch die Lego-Gruppe. Vergangenes Jahr konnten sie einen Umsatzwachstum von 11 Prozent verbuchen. Verantwortlich dafür sind die klassischen Produktlinien wie Lego Duplo oder Lego Friends. Aber auch neue Innovationen wie Lego Legends of Chima und andere Neuheiten tragen zu dem Erfolg bei. Lego entwickelt sich weiter: Statt der klassischen Bausteine-Sets gibt es jetzt auch Spiele in der digitalen Welt. Durch Apps, auf lego.com und über Videos wird physisches und digitales Spielen verbunden. Quelle: dpa
Die weltweit größte Spielwarenmesse in Nürnberg ist bei deutschen Herstellern und Händlern auf positive Resonanz gestoßen. Der Geschäftsführer des Deutschen Verbands der Spielwarenindustrie, Ulrich Brobeil, berichtete von einer positiven Stimmung unter den Ausstellern, die im Nachgang zur Messe nun noch zahlreiche Aufträge vor allem aus dem Ausland erwarteten. Auch Willy Fischel vom Bundesverband des Spielwaren-Einzelhandels sagte zum Abschluss der Branchenschau am Montag: „Der Handel ist sehr zufrieden mit der Messe.“ Mehrere Tausend Besucher aus 112 Ländern kamen nach Nürnberg, um die aktuellen Spielzeug-Trends zu begutachten. Im Mittelpunkt hätten besonders die Produktgruppen Baby und Kleinkind, Karneval und Festartikel sowie Modelleisenbahn und Zubehör gestanden. Die Messe hat gezeigt: Spielzeug begeistert jede Altersklasse. Welche Spielzeug-Trends bei Männern sonst noch hoch im Kurs liegen. Quelle: dpa
MatchboxEs ist wohl das erste Auto eines jeden Mannes - das Matchbox-Auto. Seit 1952 gibt es die kleinen Metallflitzer, mit denen sich so hervorragend Massenkarambolagen und Unfälle jeder Art nachstellen lassen. Seit 1997 gehört die Marke dem Spielzeugriesen Mattel. Quelle: dpa
Tipp-KickEin Überbleibsel aus der analogen Welt - aber immer noch ein Renner in der Spielzeugkiste des Mannes. Die Figuren sind aus Zink und haben ein bewegliches Bein, das per Druck auf den Knopf auf dem Kopf ausgelöst wird. Quelle: dpa/dpaweb
Märklin EisenbahnDie Modelleisenbahn macht seit mehr als 100 Jahren Jungs und Männer glücklich. Auf der Spielwarenmesse in Nürnberg stellt das schwäbische Unternehmen eine neue iPhone-App vor, mit der sich bis zu 16 Lokomotiven einer Modellbahn steuern lassen. Quelle: dpa
CarreraDie Carrera-Bahn hält in der Grundschulzeit Einzug ins Jungs-Kinderzimmer - und gibt es nicht im Laufe der Zeit eine Partnerin, die das Set mutwillig auf den Müll schmeißt, bleibt die Bahn im Besitz des Mannes bis zu seinem Ableben. Sie macht jeden Umzug mit, ist der Hit auf allen Junggesellenfeiern und wird auch gerne noch zum 30. oder 40. Geburtstag verschenkt und aufgebaut.
SpielzeugpistolenFrüher hießen sie Colt und knallten zu Karneval mittels roter Papierbänder, die man vor den Abzug fisseln musste. Die neuen Modelle laufen mit Smartphone. Mittels einer App können auf der "App Tag" von Wikanplay Schieß-Spiele gespielt werden. Das Spielzeug wurde unter dem diesjährigen Motto der Nürnberger Spielwarenmesse "Toys 3.0" vorgestellt. Quelle: dpa

Lego auch bei Erwachsenen besonders beliebt

Der Erwachsenen-Anteil am Lego-Umsatz steht über dem Branchendurchschnitt. Rund acht Prozent des Umsatzvolumens der gesamten Spieleindustrie fällt auf Erwachsene zurück, die Spielzeug nicht für ihre Kinder kaufen, sondern für sich selbst. Das hat das Consumer-Panel des Marktforschungsunternehmens npdgroup ergeben.

„Der Anteil erwachsener Selbstnutzer hat in den vergangenen Jahren zugenommen“, sagt Joachim Stempfle, Director Toys der npdgroup. Spielforscher Buland kann den Erfolg von Marken wie Märklin, Carrera oder Lego bei der Kundschaft im fortgeschrittenen Alter erklären: „Spielzeug muss eine Herausforderung bieten, sonst wird es schnell langweilig. Es muss möglich sein, etwas Kompliziertes zu bauen oder wie im Falle einer Modelleisenbahn etwas wirklich ‚echt’ aussehen zu lassen.“

Vielen Lego-Bauern reichen Baukästen deswegen nicht aus. Reikowski sagt: „Ich bin hochzufrieden, wenn Lego Steine auf den Markt bringt, den Rest erledige ich. Ein Set nachbauen, das ist ja so, als würde ich die Ideen eines anderen kopieren.“

Damit Lego-Modelle selbst zu entwerfen, verbringt auch Rene Hoffmeister seine Tage. Der Betreiber des Lego-Teileshops und -Fan-Forums 1000Steine.de lebt den Traum, den jedes Lego-bauende Kind einmal hatte: Er wird fürs Lego-Bauen bezahlt. Als einer von weltweit zwölf zertifizierten Lego-Designern („Lego certified professionals“ heißt das bei Lego) sind seine Werke auf Messen und Ausstellungen gefragte Objekte.

Die Geschichte Legos

Ob es nun ein sieben Meter langer Nachbau der Queen Mary II ist oder eine rund ein Quadratmeter große Nachbildung des New Yorker Guggenheim-Museum aus mehr als 8000 Lego-Steinen – mit Klötzchen und seinem Vorstellungsvermögen macht Hoffmeister in seiner brandenburgischen Werkstatt fast alles möglich. „An den besten Tagen ist mein Job fast so wie früher im Kinderzimmer zu sitzen“, sagt er. „Sachen ausdenken, rumprobieren, rumspielen, kaputt machen und von vorne anfangen.“

Über sein Forum hat er viele Gleichgesinnte kennengelernt. Alleine dort tummeln sich zwischen 4000 und 5000 aktive Legobauer – die meisten im fortgeschrittenen Erwachsenenalter. Und 1000Steine.de ist bei weitem nicht das einzige deutschsprachige Forum für ausgewachsene Lego-Fans. Da wäre zum Beispiel noch das Imperium der Steine, wo Andreas, Jahrgang 69, stolz seine 187 Lego Star-Wars-Sets präsentiert.

Ein Querschnitt der Gesellschaft

Was das für Menschen sind, die nach Feierabend mit Klötzchen bauen? „Es sind weitaus mehr Männer als Frauen“, sagt Hoffmeister. „Es geht los bei Jugendlichen ab 16 und nach oben hin gibt es keine Grenzen.“ Auf Ausstellungen und im Forum begegnet er auch Rentnern. „Die Lego-Bauer sind ein Querschnitt der Gesellschaft, Arbeitslose gehören da genau so zu wie Akademiker – und alles, was dazwischen zu finden ist.“

Wie wichtig das Spielen ist, haben mittlerweile auch Unternehmen erkannt. Die buchen Lego-Designer Hoffmeister seit Jahren, damit er mithilfe von Lego in Seminaren den Teamgeist der Belegschaft fördert.

„Außerdem ist Lego-Bauen entspannend und fördert die Feinmotorik“, sagt Hoffmeister. Einer seiner Bekannten hat das vom Arzt verschrieben bekommen, damit seine Fingergelenke wieder in Schwung kommen.

Handel



Fragt man Spieleforscher Buland, warum Erwachsene ihre Zeit mit etwas vermeintlich Nutzlosem wie Spielen verbringen, erzählt er vom Münchener Nobelpreisträger für Physik, Gerd Bining. Dieser habe die Tätigkeit seines Teams dezidiert als „Spielen“ bezeichnet. „Wenn sie nur gearbeitet hätten, anstatt mit Ideen, Einfällen und neuen Möglichkeiten zu spielen, hätten sie den Nobelpreis nie bekommen“, sagt Buland. Den Preis erhielt Bining letztlich für ein Nebenprodukt seiner Forschung: das Tunnelelktronenmikroskop.

Buland sagt weiter: „Wenn im Konzert eine Bruckner-Symphonie nach Arbeit klingt, läuft irgendetwas falsch.“ Deswegen sollte die Frage nicht lauten, warum so viele Erwachsene spielen. „Im Gegenteil müssen wir fragen: Wie kommt es, dass so viele Erwachsene ihre Zeit mit etwas verbringen, das sie nicht inspiriert, das sie nicht glücklich macht, nämlich mit Arbeit?“

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