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Vorfall in Thailand Wie ein Kriminalfall das Red-Bull-Image gefährdet

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Inzwischen sucht Interpol nach dem Red-Bull-Erben

Mateschitz, damals noch als gut bezahlter Marketingmanager nach Stationen bei Unilever und Jacobs für Blendax in Sachen Zahnpasta unterwegs, wurde Mitte der Achtzigerjahre in Thailand auf das Gebräu aufmerksam. Er freundete sich mit Chaleos Sohn Chalerm an – und kam mit den Thais ins Geschäft. Er überzeugte die Yoovidhyas, das Getränk auch in Europa zu verkaufen, und veränderte das Rezept leicht. Dazu versetzte er den Aufputsch-Trank mit Kohlensäure und verpasste der Marke einen komplett neuen Auftritt: aus Krating Daeng wurde Red Bull. Am Unternehmen halten die Yoovidhyas über eine Beteiligungsgesellschaft heute 49 Prozent, 49 Prozent gehören Mateschitz, zwei Prozent Chalerm persönlich.

Die Medienmarke Red Bull

Die Glasflaschen tauschte Mateschitz für die Kunden im Westen gegen schlanke, silberne Dosen aus. Dank cleverem Marketing avancierte Red Bull in den Neunzigerjahren zum In-Getränk für die Partyszene und adrenalinsüchtige Actionsportler wie Freestyle-Skifahrern, BMX-Radartisten und Surfer.

Als Chaleo 2012, sechs Monate vor dem Unfall, starb, führte ihn das Magazin „Forbes“ als drittreichsten Thai. Heute beziffert der Finanzdienst Bloomberg das Vermögen des Clans auf 22 Milliarden Dollar. Nicht alles davon stammt aus der austro-thailändischen Liaison: Die Familie ist auch an einer Bangkoker Privatklinik beteiligt, zudem ist Chalerm mit Siam Winery der wohl größte Weinbauer Thailands. Außerdem gehört ihm Cavallino Motors, Thailands einziger Ferrari-Importeur – aus dessen Fuhrpark auch der Bolide stammen dürfte, mit dem sein Sohn den Tod des Polizisten verschuldete. Geld verdienen die Yoovidhyas nach wie vor auch mit T.C. Pharma, das Getränke wie Eistee und isotonische Drinks produziert und Snacks aus Sonnenblumenkernen vermarktet.

Vor allem aber stellt das Unternehmen bis heute nach eigenen Angaben als Einziger das Aroma für Red Bull her und hält auch die weltweiten Markenrechte. T.C. produziert aber auch Krating Daeng und vermarktet es asienweit. So verkaufen 30 Jahre nach dem Auftauchen der ersten Red-Bull-Dosen in Österreich thailändische Supermärkte inzwischen beide Varianten. Die Thai-Version, die wegen des hohen Zuckeranteils fast wie Sirup schmeckt, ist mit umgerechnet 27 Cent deutlich preiswerter als das West-Pendant und bei Wachleuten, Taxifahrern oder Bauarbeitern als billiger Kick beliebt.

Wie die Yoovidhyas lebten und was sie mit ihrem Geld anstellten, stieß in der Vergangenheit im Land auf wenig Interesse – auch weil sich die Familie vornehm im Hintergrund hielt. Konzerngründer Chaleo gab in seiner Karriere kein einziges Interview. Doch nach dem tödlichen Crash im September 2012 änderte sich die öffentliche Wahrnehmung der Familie gravierend. Für Empörung sorgt nicht nur der Unfall selbst. Sondern auch die Tatsache, dass der Fall juristisch immer noch nicht aufgearbeitet ist. Zwar gab die Staatsanwaltschaft bereits 2013 bekannt, sie werde Vorayuth anklagen – wegen rücksichtslosen Fahrens mit Todesfolge, unterlassener Hilfeleistung und Geschwindigkeitsüberschreitung.

Doch vor Gericht gelandet ist Vorayuth bis heute nicht: Nach jeder Vorladung erreichten seine Anwälte einen Aufschub – wegen Krankheit, dringender Geschäftstermine im Ausland oder wegen einer Petition vor dem Parlament, in der Red-Bull-Erbe Vorayuth Fairness für sich einforderte. Er bestreitet, zu schnell gefahren zu sein und Fahrerflucht begangen zu haben. Nur um seinen Vater zu benachrichtigen, habe er den Unfallort verlassen.

Immerhin: Nachdem Vorayuth vor wenigen Tagen auch der achten Vorladung nicht folgte, sucht Thailand ihn nun mit internationalem Haftbefehl. Interpol ist eingeschaltet, und die thailändischen Behörden haben Vorayuths Pass für ungültig erklärt. Offiziell kann er nun in kein anderes Land mehr einreisen und müsste, falls er sich nicht noch anderswo Papiere besorgt, nach Thailand zurückkehren. Bleibt abzuwarten, ob ihm Red Bull auch dann noch Flügel verleiht.

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