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Warenhauskette Galeria Karstadt Kaufhof hat Schutzschirm-Insolvenz eingeleitet

Exklusiv
Quelle: imago images

Zäsur im Einzelhandel: Die Warenhauskette Galeria Karstadt Kaufhof will sich in einem Schutzschirm-Insolvenzverfahren sanieren.

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Bei der auf Sanierung ausgerichteten Insolvenzvariante übernimmt ein gerichtlich bestellter Sachverwalter die Aufsicht über die Rettungsmission, während die Unternehmensführung weiterhin die Kontrolle behält, aber von einem externen Sanierungsexperten beraten wird.

Nach Informationen der WirtschaftsWoche wurde der Düsseldorfer Insolvenzexperte Frank Kebekus zum vorläufigen Sachwalter bestellt, Schlecker-Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz unterstützt als Chefsanierer die Geschäftsführung. „Ziel ist es, Galeria zu schützen“, heißt es in einer Mitteilung des Konzerns. Als einen Grund für den Antrag nannte Galeria Karstadt neben den Umsatzausfällen „die langwierige Umsetzung staatlicher Hilfe über die Hausbank“.

In den vergangenen Tagen hatte sich der Konzern um staatliche Hilfsgelder bemüht. Doch erwies sich eine Einigung mit den Banken bislang als schwieriger als erhofft.

Um die Liquiditätslage zu entschärfen, hatte die Unternehmensgruppe zuletzt die Mietzahlungen für alle Warenhäuser, Sporthäuser, Reisebüros und Logistikimmobilien gestoppt. In einem Brief an die Vermieter schrieb das Unternehmen, die wegen der Corona-Pandemie staatlich angeordnete Schließung der Geschäfte lasse dem Unternehmen „keine andere Wahl“. Durch die Schließung seiner Warenhäuser verliert das Unternehmen aktuell jede Woche mehr als 80 Millionen Euro Umsatz. Bis Ende April wird sich der Umsatzausfall auf mehr als eine halbe Milliarde Euro summieren, so das Warenhaus. Bereits vor Wochen hatte der Konzern deshalb für weite Teile der Belegschaft Kurzarbeit beantragt.

Dabei habe der Eigentümer von Karstadt, die Signa Holding des österreichischen Immobilien-Investors René Benko, in dieser Woche nochmals 140 Millionen Euro überwiesen. Signa werde auch weiter dreistellige Millionensummen zur Verfügung stellen, hieß es in der Mitteilung. Karstadt-Chef Miguel Müllenbach machte deutlich, dass die Gespräche mit der Hausbank – über die die staatlich garantierten Kredite abgewickelt werden müssen – nicht schnell genug vorangeschritten seien. „Dieser Prozess ist sehr bürokratisch, kostet wertvolle Zeit, ist mit zusätzlichen Hürden verbunden – und hat deshalb einen ungewissen Ausgang“, erklärte Müllenbach. „Auf eine Lösung können wir aber nicht noch weitere Wochen der Krise warten, sondern müssen jetzt handeln.“

Das Schutzschirmverfahren gilt als Vorstufe der Insolvenz, folgt den gleichen Regeln und mündet oft in ein reguläres Insolvenzverfahren. Es ist Unternehmen vorbehalten, die noch nicht zahlungsunfähig sind, denen aber die Pleite droht. Unter dem Schutzschirm sind sie für drei Monate vor dem Zugriff der Gläubiger sicher und sollen damit genügend Zeit bekommen, ihre Finanzen zu ordnen. Karstadt hatte bereits ab 2009 ein Insolvenzverfahren durchlaufen.

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