Warsteiner säuft ab: Wie Brauereichef Martin Hötzel den Absturz stoppen will
Leck im Tank: Warsteiner-Chef Hötzel soll das schal gewordene Pils wieder frisch machen. (zum Vergrößern bitte anklicken)
Foto: WirtschaftsWocheKurz vor der Ortseinfahrt Warstein auf der B 55 fällt der Blick auf eine Hauswand mit riesigem Logo und der Aufschrift „Das einzig wahre Warsteiner“.
Entlang der Hauptstraße hängen an Dönerbuden, Bistros, Kiosken und Restaurants verblasste Schilder und Embleme mit dem Slogan „Die Königin unter den Bieren“. Flankiert wird der wilde Werbemix im Ortskern von zerfledderten Fahnen mit Biergläsern und dem Schriftzug „Familientradition seit 1753“ und Plakatwänden mit Bierflaschen und Slogans wie „Mein Herz schlägt für das Sauerland“.
Bei der Fahrt durch die Kleinstadt rast auf wenigen Hundert Metern das ganze Dilemma der Biermarke wie im Zeitraffer vorbei: Verfall, Verirrung, Verwirrung.
Warsteiner hat seine Identität verloren. Von der Brauer-Glorie mit goldgelackter Krone ist nur vergilbte Erinnerung geblieben. Das einst meistgetrunkene Pils in Deutschland droht zur Regionalmarke zu schrumpfen. Ursache ist ein gefährlicher Sud aus sinkendem Bierkonsum und Managementfehlern.
Das Absaufen der Marke soll nun, nach dem Tod des Warsteiner-Patriarchen Albert Cramer 2012 und einem Intermezzo seiner 37-jährigen Tochter Catharina, der ehemalige Red-Bull- und Capri-Sonne-Manager Martin Hötzel stoppen. Der 49-Jährige, seit 2014 bei Warsteiner, hat seit Anfang vergangenen Jahres als Geschäftsführer für Vertrieb und Marketing das Kommando übernommen. Alleininhaberin Catharina Cramer hat sich aus dem Tagesgeschäft weitgehend zurückgezogen und beschränkt sich auf die Rolle der Oberaufseherin.
Hötzel verdoppelt das Werbebudget, wechselt die Farben der Marke und eröffnet zwei neue Vertriebsbüros im Ausland. Auf der Produktseite stützen sich Wachstumshoffnungen auf alkoholfreies Bier. In der Branche herrscht Skepsis: „Das wird wohl kaum reichen“, kommentiert ein langjähriger Kenner des Unternehmens.
Verfall
Die Brauerei mit 2300 Mitarbeitern und 520 Millionen Euro Umsatz ist seit Gründung 1753 in Familienbesitz, heute in der neunten Generation. Bis kurz nach der Jahrtausendwende war Warsteiner mit über fünf Millionen Hektolitern das meistgetrunkene Bier in Deutschland. Dann begann ein Abstieg, der in der Brauerlandschaft seinesgleichen sucht.
Jahr für Jahr zogen konkurrierende Marken an Warsteiner vorbei. Zunächst Krombacher, dann die Billigmarke Oettinger, dann Bitburger und Veltins. Heute belegt das einzig Wahre aus Warstein nur noch Rang sieben, fiel 2015 sogar noch hinter die Weißbiermarke Paulaner zurück.
Mythos 1: Abgelaufenes Bier darf man nicht mehr trinken
Im Keller finden Sie ein Sixpack Bier, das lange abgelaufen ist. Bloß nicht mehr trinken, denken Sie. Falsch: Auch abgelaufenes Bier können Sie problemlos trinken, wenn die ungeöffnete Flasche richtig gelagert wurde – also trocken kühl und vor allem dunkel. Der Grund: Hopfen konserviert und hält das Bier frisch. Lediglich der Geschmack kann sich leicht verändern.
Foto: dpaMythos 2: Bier hat viele Kalorien
Ein großes Bier ist wie eine Bratwurst, heißt es oft. So rechtfertigt mancher seinen Bierbauch. Doch Bier ist eigentlich keine Kalorienbombe und schon gar kein Dickmacker. Selbst ein Glas Apfelsaft (250 Kalorien) ist ungesünder als ein halber Liter Gerstensaft (200 Kalorien). Da Bier jedoch den Appetit anregt, greift man oft neben einem Glas Bier zu heimlichen Dickmackern wie Erdnüssen, einer Wurst oder einer Brezel – so entsteht das Hüftgold, dessen Ursache fälschlicherweise dem Bier zugeschrieben wird.
Foto: dpaMythos 3: Ein gutes Bier braucht sieben Minuten
Der Wirt zapft und zapft und zapft – mindestens sieben Minuten soll ein Pils gezapft werden, damit es gut schmeckt, so die Argumentation. Das ist Quatsch. Ein gutes Bier ist kalt, um die acht Grad, aber eine lange Zapfzeit verbessert nicht den Geschmack. Im Gegenteil, wird ein Bier zu lange gezapft, kommt es bereits schal beim Gast an. Moderne Zapfhähne brauchen daher zwischen zwei und drei Minuten für ein frisches Pils.
Foto: dpaMythos 4: Bier macht große Brüste
Angeblich soll Hopfen pflanzliche Östrogene enthalten, das die Brüste wachsen lässt. Wer den Test macht, stellt jedoch schnell fest, dass auch das ein Mythos ist. Nach fünf Bier sind die Brüste noch genau so groß wie vorher. Auch wissenschaftlich ist die These nicht bewiesen. Zwar enthält Bier tatsächlich Östrogene, die sogenannten Phytoöstrogene, allerdings in so geringen Mengen, dass sie keine Wirkung zeigen.
Foto: dpaMythos 5: Auf Hawai gibt es kein Bier…
…sang einst Paul Kuhn. Das ist ein Mythos, denn auf Hawai gibt es sogar gleich mehrere Brauereien und auf vielen deutschen Bierbörsen wird die südländische Spezialität sogar verkauft.Beispielsweise das „Volcano Red Ale“ der Mehana Brewery Company.
Foto: dpaMythos 6: Bier auf Wein, das lass sein…
….heißt es im Volksmund. Auch das ist ein Mythos, denn zumindest wissenschaftlich es ist egal, wann man was trinkt. Trotzdem hat der Spruch einen Grund: In der deutschen Trinkkultur galt Wein lange als höherwertiges Getränk. Wer also nach dem Weinkonsum ein Bier bestellte, gesellte sich in die niederen Ränge.
Foto: dpaMythos 9: Alkoholfreie Biere enthalten Null Prozent Alkohol
Reingefallen. Alkoholfreie Biere schmecken nicht nur wie normales Bier, viele von ihnen enthalten immer auch ein ganz klein wenig Alkohol. Laut Gesetz darf jedes Bier mit weniger als 0,5 Prozent Alkohol als alkoholfrei verkauft werden. Trotzdem muss sich niemand Gedanken machen, der zu einem alkoholfreien Bier greift. Um ein kritisches Level zu erreichen müsste man enormen Mengen trinken.
Foto: dpaMythos 8: Ein Konterbier am Morgen hilft gegen den Kater
Zum Frühstück ein Bier, weg ist der Kater. Wenn es doch so einfach wäre. Zwar hilft ein Konterbier kurzfristig, da es die Blutgefäße erweitert und so den Schwindel verringert. Doch wenn die Wirkung des Bieres nachlässt geht es Ihnen kaum besser als vorher. Statt zu einem Konterbier sollten Sie daher morgens zu frischem Wasser greifen und eine Runde spazieren gehen.
Foto: dpaMythos 7: Dosenbier schmeckt genauso gut wie Flaschenbier
Dosenbier ist Kult. Egal ob auf dem Festival, für den schnellen Genuss unterwegs oder beim Fernsehabend mit Freunden. Dass Bier aus der Dose aber genau so gut schmeckt wie Flaschenbier, ist ein Mythos. Der Grund: Bevor Bier in die Dose kommt, wird es oft auf über 70 Grad erhitzt, um Keime zu töten. Dadurch ist Dosenbier länger haltbar, verliert aber auch Geschmacksaromen. Bier aus der Flasche schmeckt also besser.
Foto: dpa/dpawebMythos 10: Bier lässt die Haare wachsen und hilft gegen Falten
Das Bier als Schönheitsprodukt – ein Mythos, der sich hartnäckig hält. Zwar enthält Bier große Mengen an Vitamin B2, aber der enthaltene Alkohol ist stärker und wirkt sich negativ auf Haut und Haare aus. Bier macht also nicht schön.
Mehr zum Thema: Einst der Deutschen liebstes Pils, verliert Warsteiner seit Jahrzehnten Absatz und Umsatz. Die Brauerei liefert ein Lehrstück, wie sich ein Marktführer durch Managementfehler in die Bedeutungslosigkeit verabschiedet.
Sicher, Warsteiner und die Cramers haben zwei turbulente Jahrzehnte hinter sich, mit Wechseln in der Geschäftsführung, juristischen Auseinandersetzungen mit Exmanagern, den Ansturm internationaler Bierkonzerne, Dosenpfand und dem nachlassenden Bierdurst der Deutschen. Den Niedergang der Marke haben sich die Cramers jedoch selbst zuzuschreiben.
Um die Rekordabsätze der Neunzigerjahre von mehr als sechs Millionen Hektolitern halten zu können, verordnete das damalige Management Niedrigpreise und pumpte Warsteiner in jeden Kiosk, jede Imbissbude und jede Tankstelle. Zum Premiumimage passten die Ramschpreise jedoch wie ein Veganer ins Steakhaus.
Warsteiner: Die Traditionsmarke verliert weiter an Absatz.
Foto: imago images
Hinzu kam: Statt einen starken Nachfolger aufzubauen, verschliss Patriarch Cramer einen Geschäftsführer nach dem anderen, statt sich auf die Kernmarke zu konzentrieren, verzettelte sich der Brauereiboss mit Zukäufen in Südamerika und zweitklassigen Übernahmen wie die der Billigmarke Paderborner, der Altbiermarke Frankenheim aus Düsseldorf oder des Weißbiers König Ludwig aus Fürstenfeldbruck, das noch nicht mal beim Münchner Oktoberfest präsent ist.
Innovative Produkte wie Biermischgetränke, Radler oder Fassbrause bescherten den Wettbewerbern Veltins, Bitburger oder Krombacher gute Zusatzumsätze. Warsteiner kam damit stets erst als Nachahmer und viel zu spät auf den Markt. Andere Brauerdynastien handelten radikaler: Veltins-Inhaberin Susanne Veltins vertraut seit anderthalb Jahrzehnten einem eingespielten, familienfremdem Management. Der Bremer Beck’s-Clan verkaufte 2002 für knapp zwei Milliarden Euro an den US-Riesen Anheuser-Busch. Und Pils-Marktführer Krombacher hat die Inhaberfamilie Schadeberg durch Diversifizierung, etwa mit dem Kauf von Schweppes und Orangina, und der Beteiligung am Maschinenbauer Krones unabhängiger vom Biermarkt gemacht.
Hötzels Bilanz nach seinem ersten Dienstjahr als Warsteiner-Chef war ernüchternd. Die im Jahresabschluss 2014 formulierten Ziele für 2015 wie „eine leichte Umsatzsteigerung“, eine „bessere Entwicklung als der Gesamtmarkt“ sowie „der Gewinn von Marktanteilen“ wurden krachend verfehlt. Warsteiner verkaufte 2015 gut sieben Prozent weniger, während der Gesamtmarkt stagnierte. Schon 2014 musste die Brauerei ein Minus von über acht Prozent verkraften. Auch Umsatz und Gewinn dürften gelitten haben. Zu Zahlen äußert sich Warsteiner nicht und verweist auf die Bilanz-Veröffentlichung im Herbst. „2014 und 2015 waren für die Brauer insgesamt zwei gute Jahre“, sagt ein auf die Getränkebranche spezialisierter Berater, der nicht genannt werden möchte. „Wer da nicht gut abgeschnitten hat, steht vor echten Problemen.“
Ebenso hart wie die Einbrüche bei den Verkäufen schlagen die Personalabgänge der vergangenen Wochen und Monate ein. Mit Finanzchef Stephan Fahrig, Gastronomieboss Lothar Menge und Exportleiter Robi Bisanti verabschiedeten sich gleich drei Hochkaräter. Vor allem der Wechsel von Fahrig zum Konkurrenten Bitburger lähmt die Sauerländer. Offenbar scheint es Schwierigkeiten bei der Nachfolge zu geben: Hötzels Ankündigung, „wir planen die Neubesetzung der Position bis Ende 2016“, deutet auf Probleme hin.
Wie Hötzel genau die schale Marke wieder frisch machen will, darüber wird selbst im Unternehmen gerätselt. Bewaffnet mit einem schwarzen Klemmbrett, rattert der schlanke Manager mit der Kurzhaarfrisur in seinem Büro zwar eine Viertelstunde lang alles herunter, was er verändert und noch vorhat. Doch es klingt nach einem verwirrenden Phrasensalat: Er habe „ins Portfolio eingegriffen“, „Hausaufgaben gemacht“, „Pitches durchgeführt“ und „Agenturen gescreent“, die Brauerei „international neu aufgestellt“, „Strukturen verändert“, dabei die „Leute auf die richtigen Stühle gesetzt und mitgenommen“, die „Marke emotionalisiert“, „die Supply Chain besser verknüpft“ und „Wachstumspotenziale gehoben“. Gekrönt von der visionären Aussage: „Ich kann hier klar sagen, dass wir wachsen wollen.“
Alkoholfreie Getränke: Gerolsteiner
Unter den alkoholfreien Getränken ist Gerolsteiner die Getränkemarke mit dem besten Preis-Leistungs-Verhältnis. Darauf folgen Coca-Cola (Platz zwei) und Fanta (Platz drei). Zu diesem Ergebnis kommt das Marktforschungsunternehmens Yougov, das die Verbraucher im Rahmen des Brand-Indexes befragte, welche Marke ihrer Ansicht nach das beste Preis-Leistungs-Verhältnis habe. Der Brand-Index von Yougov gibt auf einer Skala von minus 100 bis plus 100 an, wie Verbraucher die jeweilige Marke bewerten.
Quelle: yougov.de
Foto: imago imagesAutomobil: Skoda
Die Autohersteller Skoda, Opel (Platz zwei) und Toyota (Platz drei) erreichen das beste Preis-Leistungs-Verhältnis in ihrer Kategorie.
Foto: imago imagesAutozubehör und -services: Carglass
Bei Autozubehör und -services wird das beste Preis-Leistungs-Verhältnis den Marken Carglass, Reifen.com (Platz zwei) und Continental (Platz drei) bescheinigt.
Foto: imago imagesBanken: ING-Diba
In der Kategorie „Banken“ bescheinigen die Verbraucher der Bank ING-Diba am meisten für ihr Geld zu bekommen, gefolgt von der Sparda-Bank (Platz zwei) und Comdirect (Platz drei).
Foto: imago imagesBauen und Einrichten: Ikea
Egal ob Billy, Pax, Malm oder das Teelich Sinnlig: Ikea-Produkte gibt es in jedem deutschen Haushalt. Die Möbel und Wohn-Accessoires in großer Vielfalt und zu unschlagbaren Preisen kommen bei den Deutschen gut an – Platz eins. Der Baumarkt Obi und das Dänische Bettenlager landen auf dem zweiten und dritten Platz.
Foto: dpaBiere: Krombacher
Eine nachhaltige und zielgruppenorientierte Markenstrategie ist ausschlaggebend für den Erfolg von Krombacher. Bei den Bieren steht der Hersteller auf Platz eins der Bewertung vor Oettinger (Platz zwei) und Radeberger (Platz drei).
Foto: CLARK/obsConsumer Electronics: Samsung
Mit 42,1 Punkten auf dem ersten Platz: Samsung. Der Apple-Konkurrent, der einerseits mit Premiumprodukten wie dem neuen Smartphone Galaxy S7 oder der Virtual-Reality-Brille Gear VR aufwartet, bedient andererseits auch den Wunsch zahlreicher Kunden nach preisgünstigeren, weniger prestigeträchtigen Produkten. Der Elektroriese hat somit Medion, den Techniklieferanten von Aldi, und LG hinter sich gelassen.
Foto: dpaEinzelhändler: dm
Platz eins mit 54,4 Punkten: die Drogeriekette dm. Dahinter liegen die konkurrierende Drogeriekette Rossmann sowie der Onlinehändler Amazon. Anders als die inzwischen insolvent gegangene Drogeriekette Schlecker investieren dm und Rossmann in die Ausstattung ihrer Läden – das kommt bei den Kunden gut an.
Foto: dpaEnergieversorger: Stromio
Bei diesen Anbietern zahltder Verbraucher nicht unnötigviel Geld für Strom. Beider Energieversorgung gewinnen Stromio,Eprimo (Platz zwei) undLichtblick (Platz drei).
Foto: dpaGastronomie: Ikea-Restaurant
Ein Hot-Dog für einen Euro, ein Frühstück für 1,50 Euro. Mit solchen Preisen lockt Ikea seine Kunden auch in die Restaurants. Längst ist der schwedische Möbelriese auch beim Essen ein wichtiger Spieler auf dem Markt. Familien mit Kleinkindern, sparsame Rentner und kochfaule Studenten profitieren von Angeboten wie „Zehn Fleischbällchen mit Kartoffelpüree, Preiselbeeren und Rahmsauce für 5,95 Euro“. Auf Platz zwei und drei landen Nordsee und Tchibo.
Foto: dpaLebensmittel: Dr. Oetker
Dr. Oetker, Knorr (Platz zwei) und Maggi (Platz drei) sind die bedeutendsten Marken in Deutschland. Den Verbrauchern zufolge liefern diese Hersteller die beste Leistung fürs Geld.
Foto: dpa/dpawebLebensmitteleinzelhändler: Aldi
Den höchsten Wert - über alle Kategorien hinweg gerechnet - erreichte der Discounter Aldi mit einem Punktestand von 60,2. Das Familienunternehmen liefert in der Wahrnehmung der Konsumenten ein nicht zu überbietendes Preis-Leistungsverhältnis. Lidl landet auf Rang zwei mit 55 Punkten. Rang drei belegt Kaufland.
Foto: dpaMobilfunk und Telekommunikation: Aldi Talk
An Aldi scheint das Preis-Leistungs-Ranking von Yougov ohnehin nicht vorbeizukommen. In der Kategorie „Mobilfunk & Telekommunikation“ setzte sich Aldi Talk (24,3 Punkte) gegen Branchenschwergewichte wie Deutsche Telekom, 1&1 und E-Plus durch. Kontrahent Lidl landete mit Lidl Connect (14,8 Punkte) auf Platz drei.
Foto: dpa/dpawebMobilität: Air Berlin
Sparprogramm, neue Streckeneröffnungen und ein Internetangebot im Flieger – das scheinen die Kunden zu honorieren. Beim Personentransport ist Air Berlin Preis-Leistungssieger. Auf Platz zwei landet Germanwings, dicht gefolgt von Condor (Platz drei).
Foto: dpaModehändler: Deichmann
Der Schuhhändler Deichmann schnitt mit 51,4 Punkten außergewöhnlich gut ab und sicherte sich damit den ersten Platz in der Rubrik „Modehändler“. Das Unternehmen ließ andere Filialisten wie C&A (Platz zwei) und H&M (Platz drei) hinter sich.
Foto: CLARK/obsModemarken: Adidas
Den Konkurrenten Adidas und Puma wird das beste Preis-Leistungs-Verhältnis in der Kategorie „Modemarken“ bescheinigt. Die Bekleidungsmarke Wrangler belegt den dritten Platz.
Foto: REUTERSPaketdienst: Hermes
Beim Warentransport belegen die Paketdienstleister Hermes, DHL und DPD die Plätze eins bis drei.
Foto: dpaReiseanbieter und Buchungsseiten: booking.com
Eine Pauschalreise mit guter Leistung? Bei diesen Reise-Portalen ist das möglich. Hier landen booking.com, HRS – Hotel Reservation Service (Platz zwei) und Airbnb (Platz drei) auf dem Siegertreppchen.
Foto: dpaPflege und Kosmetik: Balea
Auch in der Disziplin „Pflege& Kosmetik“ liegen dieHandelsmarken von dm („Balea“)und Rossmann (Isana“) unter dendrei Erstplatzierten. Auf Platzzwei schafft es dieHautpflegemarke Nivea.
Foto: dpaSnacks: Ritter Sport
Bei den Snacks sind die Verbraucher mit den Traditionsmarken Ritter Sport, Milka und Toffifee zufrieden. Sie belegen die ersten drei Plätze.
Foto: dpaSocial Web und Websites: Wikipedia
Wer war 1921 Präsident der USA? Wie viele Einwohner hat Montenegro? Schnelle Antworten auf solche Fragen liefert Wikipedia – kostenfrei. Die Online-Enzyklopädie sicherte sich so in der Kategorie Social Web und Websites den ersten Platz. Auf Platz zwei und drei landen WhatsApp und Google.
Foto: dpaSoftware und Cloud Services: Firefox
Firefox von Mozilla begann als Open-Source-Projekt, basierend auf den Trümmern des alten Netscape-Browsers. Es mauserte sich zu einer erfolgreichen Software und luchste dem einstigen Platzhirsch Internet Explorer große Marktanteile ab. Die Umfrageteilnehmer hievten den Browser auf Platz eins. Auf Platz zwei landete das Betriebssystem Android, auf Platz drei der Mail-Anbieter GMX.
Foto: REUTERSSüßwaren: Haribo
Haribo macht auch Verbraucher froh: Haribo, Goldbären (Platz zwei) und Werther's Original (Platz drei) liefern laut der Umfrage die beste Leistung fürs Geld.
Foto: dpa/dpawebTankstellen: Jet
Hier tanken die Umfrageteilnehmer offenbar besonders gern: Die Jet-Tankstellen fahren den ersten Platz beim Preis-Leistung-Verhältnis ein. Danach folgen HEM und Star.
Foto: imago imagesVersicherungen: HUK-Coburg
Bei den Versicherungen hat die HUK-Coburg die Nase vorn. Auf dem zweiten Platz landet HUK24, auf Platz drei Cosmos Direct.
Foto: dpaVideo- und Audiostreaming: Youtube
Zwar bietet YouTube mit „YouTube Red“ jetzt auch eine Bezahlversion mit Extra-Funktionen und speziellen Serien an, doch die meisten Nutzer gehen immer noch auf die kostenfreie Seite: Platz eins für das Videostreaming-Portal. Amazon Instant Video und Spotify folgen auf den Plätzen zwei und drei.
Foto: dpa
Hötzels Management by Worthülsen, gelernt bei der österreichischen Marketingmaschine Red Bull, kommt bei Catharina Cramer offenbar gut an. Hötzel könne Warsteiner „challengen“, soll die studierte Marketingexpertin intern verkündet haben.
Dechriffiert stecken in den Visionen des früheren Red-Bull-Managers sogar ein paar konkrete Ansätze. Ob er damit die Talfahrt der Marke zu stoppen vermag, bleibt fraglich: Ausgerechnet die x-te Variante eines alkoholfreien Biers – Warsteiner Herb Alkoholfrei – soll der Brauerei Flügel verleihen. Dabei haben heute nicht mehr nur die großen Marken wie Erdinger, Bitburger, Jever und Clausthaler, sondern auch viele kleine Brauereien Bier ohne Promille im Angebot.
Krakau
250 Kilometer südlich von Warschau - im polnischen Krakau - ist das hopfenhaltige Getränk im internationalen Vergleich am erschwinglichsten. Für im Durchschnitt 1,48 Euro erhält man hier ein Bier. Der Preis mag ein schlagendes Argument für den neben Prag höchsten Pro-Kopf-Verbrauch der Welt sein. Sage und schreibe 566 Euro werden pro Jahr für 127 Liter pro Person investiert.
Quelle: Goeuro.de
Foto: dpaKiew
Lediglich 87 Cent muss man in der ukrainischen Hauptstadt Kiew bereithalten, um ein Bier im Supermarkt zu erwerben. In der Schankwirtschaft liegt der Preis mit durchschnittlich 2,10 Euro für 0,33 Liter auch im unteren Preisbereich. Insgesamt kommt die größte Stadt des osteuropäischen Landes bei einem durchschnittlichen Gesamtpreis von 1,49 auf einen Konsum von 103 Litern pro Kopf und Ausgaben von 459 Euro.
Foto: dpaBratislava
In der Hauptstadt der Slowakei werden jährlich 72 Liter Bier pro Kopf konsumiert. Bei einem durchschnittlichen Gesamtpreis von 1,51 Euro kann man diese Menge mit 326 Euro pro Person finanzieren.
Foto: dpaMálaga
2,50 Euro zahlt man im südspanischen Málaga für ein Bier in einer Bar. Im Supermarkt ist das kühle Blonde bereits für 57 Cent erhältlich und treibt den Durchschnittspreis damit auf nur 1,53 Euro. 477 Euro geben Spanier in der zweitgrößten Stadt Andalusiens pro Jahr für Bier aus. Der Verbrauch liegt bei 104 Litern pro Person.
Foto: dpaDelhi
In der nordindischen Metropole bekommt man ein 0,33 Liter Bier für durchschnittlich 1,56 Euro. Bei einem jährlichen Pro-Kopf-Verbrauch von sechs Litern sind die Ausgaben mit 26 Euro pro Jahr sehr gering.
Foto: REUTERSDeutschland
Im internationalen Vergleich bewegt sich Deutschland im oberen Drittel, was den Preis betrifft. Die Ausgaben schwanken allerdings stark von Region zu Region. Während man in Berlin im Schnitt 2,30 Euro für ein kleines Bier bezahlt, muss man in München schon mit 2,78 Euro rechnen. In Frankfurt ist der Durchschnittspreis mit fast 3 Euro am höchsten. Der Pro-Kopf-Verbrauch beträgt 118 Liter und ist damit unter den Top Ten.
Foto: dpaOslo
Zu den Großstädten mit extrem hochpreisigem Bier zählt auch Oslo, die Hauptstadt des Königreichs Norwegen. Auswärts muss man im Schnitt mit 6,40 Euro rechnen, im Einzelhandel mit etwas über 3 Euro für 0,33 Liter. Den Jahreskonsum von 63 Litern kann man sich hier mit 892 Euro pro Person leisten.
Foto: dpaTel Aviv
In der israelischen Großstadt Tel Aviv ist Bier ein wahres Luxusgut. Wer sich in der Bar eins gönnen möchte, muss im Schnitt 8,51 Euro hinblättern. Der mäßige Konsum von 23 Litern pro Kopf mag auf derart stolze Preise zurückzuführen sein. Mit 354 Euro im Jahr pro Person kann man sich diesen Verbrauch in Israel erlauben.
Foto: REUTERSHongkong
In der chinesischen Metropole sind die Lebenshaltungskosten bekanntlich sehr hoch. Das kühle Blonde bildet dahingehend keine Ausnahme. 5,50 Euro zahlt man hier im Schnitt für 0,33 Liter. Der durchschnittliche Pro-Kopf-Verbrauch ist mit 16 Litern pro Jahr vergleichsweise gering und damit auch noch relativ gut finanzierbar: mit 264 Euro ist man dabei.
Foto: dpaGenf
Am meisten Geld muss man für ein Bier in Genf einkalkulieren. In einer Bar liegt der durchschnittliche Preis bei stolzen 9,62 Euro. Mit 1,67 ist es im Einzelhandel deutlich billiger. 1.074 Euro geben die Schweizer Großstädter innerhalb eines Jahres für 63 Liter pro Kopf aus.
Foto: dpa
Für den Durchbruch des herben Alkoholfreien soll der nach Liverpool ausgewanderte Fußballlehrer Jürgen Klopp sorgen. Nicht zuletzt auch für Viel-Werber Klopp wird der Mediaetat in diesem Jahr von 12 Millionen auf 21 Millionen Euro fast verdoppelt. „Warum sollte aber jemand von Jever Fun, das schon lange für einen herben Pilsgeschmack bei alkoholfreiem Bier steht, zu Warsteiner wechseln?“, fragt Harald Münzberg, Berater für die Getränkeindustrie aus Schöneck bei Darmstadt.
Gegen einen schnellen Erfolg sprechen auch die Marktdaten von 2015. Zwar zählen alkoholfreie Biere mit mehr als fünf Prozent plus zu den wenigen Bierkategorien mit positiver Entwicklung. Allerdings liegt ihr Anteil am Biermarkt nur bei knapp sechs Prozent. Zudem kommt das Wachstum mittlerweile in erster Linie von alkoholfreien Biermixgetränken wie Fassbrause. Und da ist Warsteiner, anders als Bitburger, Veltins oder Krombacher, blank.
Verabschiedet hat sich Warsteiner immerhin von der irrigen Idee, ein Komplettanbieter für die Gastronomie werden zu können. Anders als etwa Krombacher, die sich etablierte Gastronomiemarken wie Schweppes und Orangina kauften, entwickelte Warsteiner unter der Regie von Catharina Cramer mit großem Aufwand eigene Kreationen wie die Ginger-Brause Aloha oder die Bitterlimo Le Roc. Beide Marken wurden wieder eingestellt, Warsteiner soll sich auf das Kerngeschäft konzentrieren.
Oben auf Hötzels Agenda steht die visuelle Überarbeitung der Marke. Mittlerweile sind laut Hötzel Verpackungen, Dosen und Etiketten sowie Werbematerial wie Flaggen und Poster von Gelb auf die neue Markenfarbe Schwarz-Gold umgestellt worden. Derzeit werden die Lkw-Flotte und Event-Equipment wie Bars oder Schankwagen umlackiert. Als letzter großer Akt müssen dann noch Millionen Bierkästen geschreddert und recycelt oder umlackiert werden.
Fakt ist aber: Die Umstellung dürfte eine zweistellige Millionensumme verschlingen. Da käme der Erlös aus dem Verkauf der Welcome-Hotels gerade recht. Mitte 2015 hatte Catharina Cramer den Wert der 15 familieneigenen Herbergen von der Investmentbank Rothschild prüfen lassen. Dann sollte ausgelotet werden, ob sich ein Käufer für die Kette mit rund 60 Millionen Euro Umsatz finden lässt. Der Prozess zieht sich, eine Entscheidung sollte schon zum Jahreswechsel gefallen sein. „Wir haben mehrere Interessenten“, sagt Hötzel nun, „und werden über den Verkauf in den kommenden Wochen entscheiden.“
Im gleichen Atemzug betont der Oberbrauer jedoch, es bestehe keine Notwendigkeit zum Verkauf, auch nicht, um eine im Mai fällige, privat – also nicht über die Börse – bei US-Investoren platzierte Anleihe aus dem Jahr 2006 in Höhe von 58 Millionen Euro bedienen zu können. Schließlich verfüge Warsteiner über Guthaben bei Banken von knapp 200 Millionen Euro. Es ist auffällig, wie die Sauerländer bemüht sind, nicht den Eindruck einer finanziellen Schieflage aufkommen zu lassen.
Branchenweit gilt Hötzel als letzte Chance für Warsteiner. Seine Maßnahmen müssen greifen. Möglichst sofort. Scheitert er, wäre die einstige Königin unter den deutschen Bieren nur noch eine weitere ertragsschwache regionale Brauerei ohne Perspektive.