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Weitere Sammelklagen Bayer-Aktie im freien Fall

Monsanto: Bayer-Aktie stürzt weiter ab Quelle: dpa

Die Bayer-Aktie ist weiter eingebrochen und hat im Wochenverlauf inzwischen etwa 18 Prozent an Wert eingebüßt. Grund sind die Sammelklagen gegen ein weiteres Unkrautvernichtungsmittel des Monsanto-Konzerns.

Die Talfahrt der Bayer-Aktien hat sich am Donnerstag nach einem Bericht über drohenden Rechtsärger in den USA fortgesetzt. Die Papiere knickten als Schlusslicht im Dax zwischenzeitlich um über sechs Prozent auf knapp über 75,5 Euro ein. Im Wochenverlauf – also seit dem Schadenersatzurteil in den USA gegen das von Bayer übernommene Monsanto – haben die Papiere des Agrarchemie- und Pharmakonzerns nun schon rund 18 Prozent eingebüßt. 15,7 Milliarden Euro Börsenwert sind damit dahin.

Monsanto drohen weitere Millionenstrafen in den USA aus Sammelklagen wegen angeblicher Schäden durch den Unkrautvernichter Dicamba. Es wären nicht die ersten Klagen in dem Zusammenhang, denn die Probleme mit Dicamba sind bereits seit langem bekannt. Im vergangenen Jahr hatte eine neue Formulierung des Pflanzenschutzmittels nach Einschätzung von Landwirten und Experten zu erheblichen Schäden an der Ernte geführt, da sich Dicamba verflüchtigt habe, über die Felder getrieben sei und so auch Pflanzen erreicht habe, die nicht gegen das Mittel durch gentechnische Veränderung gewappnet waren. Das hatte eine Welle von Beschwerden und Klagen gegen Monsanto ausgelöst.

Monsanto wirft den Landwirten vor, der Anleitung des Herbizids nicht genau gefolgt zu sein und Dicamba unsachgemäß aufgetragen zu haben. In den Bundesstaaten Arkansas und Missouri wurde es im vergangenen Jahr vorübergehend verboten.

Das Pflanzenschutzmittel wird neben Monsanto auch vom deutschen Chemiekonzern BASF sowie von DowDuPont unter anderem Namen hergestellt. Die US-Umweltschutzbehörde hatte den Einsatz des Herbizids in diesem Jahr beschränkt. Für Monsanto ist das Mittel von großem wirtschaftlichen Interesse, da sich Dicamba in den vergangenen Jahren als Nachfolger des Unkrautvernichters Glyphosat entwickelt hat, gegen den sich zunehmend Resistenzen gebildet haben.

Erst am Freitagabend mitteleuropäischer Zeit war dem Konzern von einem US-Gericht wegen angeblich verschleierter Gefahren von Glyphosat eine dreistellige Millionenzahlung an einen Krebspatienten aufgebrummt worden. Die frisch übernommene Tochter Monsanto geht zwar gegen das Urteil vor, Investoren fürchten aber weitere Entscheidungen gegen den Konzern angesichts Tausender weiterer Klagen. Selbst wenn Bayer und Monsanto am Ende Recht bekämen oder sich zumindest auf vergleichsweise niedrige Zahlungen einigen sollten, werde die Unsicherheit den Kurs belasten, hatten Analysten mehrheitlich erklärt.

Die Integration von Monsanto in den Bayer-Konzern kann unterdessen beginnen: Der angekündigte Verkauf von Geschäftsteilen an den deutschen Konkurrenten BASF ist vollzogen, womit die Voraussetzungen der US-Wettbewerbsbehörden für die Übernahme erfüllt sind, wie Bayer am Donnerstag in Leverkusen mitteilte. Bayer ist bereits seit dem 7. Juni alleiniger Eigentümer von Monsanto.

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