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Kaufen Sie online, solange es noch geht

Kaum eine Branche boomt wie der Onlinehandel. Doch möglicherweise hat der „interaktive Handel“ seine Rechnung ohne den Wirt gemacht. Vieles spricht dafür, dass die Branche sehr bald an ihre Grenzen stößt.

Die größten Onlineshops
Platz 10: EspritE-Commerce-Umsatz: 327,6 Millionen Euro. Das Modelabel zählt zu den beliebtesten Marken der Deutschen - vor allem der deutschen Frauen. Dennoch verliert Esprit zwei Plätze im Vergleich zum Vorjahr. Esprit kämpft seit einigen Jahren mit Qualitätsproblemen, einem schleichenden Imageverlust und hat in diesem Jahr zum ersten Mal seit dem Börsengang 1993 einen Verlust von über 400 Millionen Euro eingefahren. Mehr über die Probleme bei Esprit lesen Sie hier: "Esprit läuft die Zeit davon"Quelle des Rankings: EHI Retail-Institute + Statista Studie E-Commerce-Markt Deutschland 2013 - untersucht wurde der Markt der Top 1000 Onlineshops. Als E-Commerce-Umsatz gilt der Nettoumsatz im Jahr 2012, bereinigt von Retouren, exkl. Umsatzsteuer und nur aus der reinen Geschäftstätigkeit des Onlineshops (ohne sonstige betriebliche Erträge des Unternehmens). Quelle: Screenshot
Platz 9: CyberportE-Commerce-Umsatz: 343,1 Millionen Euro. Das Portal für Computer, Unterhaltungselektronik, Handys und Zubehör kann seinen Platz im Vergleich zum Vorjahr halten. Die Produktgruppe Computer & Co. ist mit rund 14 Prozent am Gesamtumsatz der Top-1000-Onlineshops das drittstärkste Segment im gesamten E-Commerce. Quelle: Screenshot
Platz 8: BonprixE-Commerce-Umsatz: 357 Millionen Euro. Die Otto-Tochter Bonprix ist seit 1986 am Markt. Sie wirbt mit günstigen Preise für junge Mode und spricht damit in erster Linie Frauen an. Im Vergleich zum Vorjahr verschlechtert sich Bonprix um einen Platz. 20 Prozent aller Umsätze der Top 1000 Onlinehändler wurden 2012 mit Modeartikeln gemacht. Quelle: Screenshot
Platz 7: TchiboE-Commerce-Umsatz: 360 Millionen Euro. Vom Teesieb bist zur Regenjacke - bei Tchibo gibt es nahezu alles - das scheint den Kunden zu gefallen. Der einstige Kaffeeröster schießt von Platz 16 auf Platz 7. Der Umsatzanteil der Generalisten, zu denen auch Tchibo zählt, blieb mit knapp 37 Prozent und fast 11 Milliarden Euro auf Vorjahresniveau. Rund die Hälfte aller Onlineshops betreibt wie auch Tchibo, zusätzlich ein oder mehrere stationäre Geschäfte. Beliebt sind außerdem Marktplätze wie Amazon und ebay, die von knapp 45 bzw. fast 29 Prozent der Händler genutzt werden. Smartphone- sowie Tablet-optimierte Websites oder Apps inklusive Shopfunktion sind um gut 36 Prozent gewachsen und haben ihren Marktanteil auf über 29 Prozent (Vorjahr: 21,4 Prozent) ausgebaut. Kataloge oder Magazine halten über 23 Prozent innerhalb der Vertriebskanäle. Quelle: Screenshot
Platz 6: ConradE-Commerce-Umsatz: 372,9 Millionen Euro. Werkzeug, TV-Geräte, Glühbirnen - Conrad ist das Technik-Dorado der Schrauber und Bastler. Filialen, Katalog und Onlineportal führen mehr als 220.000 Produkte. Die Conrad-Gruppe geht zurück auf Max Conrad der 1923 das "Radio Conrad" gründete. Im Vergleich zum Vorjahr verliert Conrad einen Platz im Ranking und tauscht ihn mit.... Quelle: Screenshot
Platz 5: WeltbildE-Commerce-Umsatz: 388,9 Millionen Euro. Die Verlagsgruppe Weltbild beschäftigt mehr als 6.400 Mitarbeiter. Zum Sortiment gehören Bücher und E-Books, Musik und DVDs, Software und Games, Haushaltsartikel, Spielwaren und Geschenkartikel. Im Online-Buchhandel ist der Internetshop nach eigener Aussage bereits die Nummer zwei in Deutschland. Weltbild.de macht im Vergleich zum Vorjahr im Ranking der umsatzstärksten deutschen Onlineshops einen Platz gut - von 6 auf 5. Quelle: Screenshot
Platz 4: ZalandoE-Commerce-Umsatz: 411,6 Millionen Euro. Zalando.de, hat mit Platz 4 das Sieger-Treppchen zwar knapp verfehlt, aber volle 16 Plätze im Vergleich zum Vorjahr aufgeholt. Mit seinem Mode-, Schuh- und Accessoires-Sortiment hat das "Schrei-vor-Glück"- Unternehmen das zweitgrößte Segment im Onlinehandel kräftig aufgemischt und könnte schon an die Börse gehen. Zalando feiert in diesem Jahr seinen fünften Geburtstag. Quelle: Screenshot
Platz 3: Notebooksbilliger.deE-Commerce-Umsatz: 485 Millionen Euro. Das Portal für Unterhaltungselektronik, Computer, Handys und Zubehör macht im Vergleich zum Vorjahr einen Rang gut und schafft es damit unter die Top 3. Allerdings mit weitem Abstand auf... Quelle: Screenshot
Platz 2: OttoE-Commerce-Umsatz: 1,7 Milliarden Euro- Otto vertreibt über seine Plattform otto.de mehr als 1,8 Millionen Artikel. Bis 2015 will Otto 300 Millionen Euro ins Online-Geschäft investieren, um zum Beispiel die Online-Töchter der Gruppe weiter zu entwickeln und vielsprechende Startups zu fördern. Bis in knapp zwei Jahren sollen die Online-Umsätze der gesamten Gruppe von heute 5,7 Milliarden Euro auf 8 Milliarden Euro stiegen. Insgesamt betreibt die Otto-Gruppe mehr als 60 E-Commerce-Angebote. Die Online-Geschäfte tragen bereits 57 Prozent an den gesamten Handelsumsätzen bei. In Deutschland sind es sogar 62 Prozent. Quelle: Screenshot
Platz 1: AmazonE-Commerce-Umsatz: 4,8 Milliarden Euro. Am Imperium von Jeff Bezos kommt keiner so schnell vorbei. Mit einem Onlineumsatz von über 4,8 Milliarden Euro hielt amazon.de einen Anteil von 16,3 Prozent am Gesamtmarkt der 1.000 umsatzstärksten Shops. Amazon.com startete 1995, heute ist das Unternehmen weltweit aktiv und beschäftigt mehr als 43.000 Voll- und Teilzeitkräfte. Zusammen erwirtschafteten die zehn hier gezeigten umsatzstärksten Shops übrigens über 32 Prozent am Gesamtmarkt der Top 1000. Quelle: Screenshot

Amazon, weltweiter E-Commerce-Marktführer und Vorantreiber der digitalen Versandwelt, testet angeblich Flugdrohnen und will künftig Pakete bereits ausliefern, bevor der Kunde überhaupt bestellt hat. Das klingt nach Science Fiction - und könnte Fiction bleiben. Die Online-Versender stehen nämlich vor überaus bodenständigen Problemen, mit denen sie scheinbar in ihren kühnsten Träumen nicht gerechnet haben.

Kaum eine Branche boomt so wie der von heftigen Werbemaßnahmen vorangetriebene E-Commerce. Nach einem  Umsatzplus von 44 Prozent im sogenannten „interaktiven Handel“ bereits nach den ersten drei Quartalen des vergangenen Jahres meldete der Bundesverband des Deutschen Versandhandels auch für das Weihnachtsgeschäft ein Wachstum von 24 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Währenddessen mussten die stationären Einzelhändler einen herben Rückschlag hinnehmen und hatten 2,3 Prozent weniger in den Kassen.

Doch solche Nachrichten könnten bald der Vergangenheit angehören. Zunächst belastet das Thema Rückläufe die Branche nach wie vor. Kostenloser Versand wie auch die ebenso kostenlosen Retouren führten gerüchteweise zu Rücklaufquoten von bis zu 70 Prozent. Viele Kundinnen schrien förmlich vor Glück, gewöhnten sich schnell daran, sechs paar Schuhe zu bestellen, aus ihrem Wohnzimmer quasi einen Schuhladen zu machen und mindestens fünf Paar wieder zurückzuschicken. Doch bei zu hohen Retourkosten griffen Händler wie Amazon bereits drastisch durch und sperrten Kunden die Konten, was jedoch die Verbraucherschützer auf den Plan rief, die Amazon dafür kurzerhand abmahnten.

Damit nicht genug, entfachen die Paketdienste nun eine Diskussion um die Anlieferung selbst. Kostendeckend arbeiten sie nur, wenn es ihnen gelingt, das Paket beim ersten Stopp abzuliefern. Doch die eifrigsten Online-Besteller, Singles und Berufstätige, treffen sie selten an. Das Paket beim genervten Nachbarn oder bei einer Paketstelle abzugeben, kostet den im Schichtdienst schlecht bezahlten Zustellern zu viel Zeit und zu viel Geld. Daher wollen sie, dass die Kunden ihre Pakete selbst abholen, wie dies in Schweden bereits der Fall ist. Die bequemen Kunden, verärgert über die Zunahme unauffindbarer Pakete, werden jedoch kaum bereit sein, sich in die endlosen Warteschlangen bei den Abholstellen zu stellen.

Umweltbewusst, wie sich viele Verbraucher zeigen, sind die derzeitigen Steigerungsraten im Onlinehandel ohnehin schwer zu rechtfertigen. In der Vorweihnachtszeit war es kein Einzelfall, wenn an einem einzigen Tag die diversen Paketboten bis zu fünfmal vorfuhren. Nun will Amazon zu den bestehenden sechs Paketdiensten in Deutschland noch einen eigenen Paketdienst aufbauen. Wenn also erst eine Diskussion um die Umweltverträglichkeit des Online-Gewerbes beginnt, haben Amazon, Ebay, Zalando & Co. ganz schlechte Karten.

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