Werner knallhart

Apple, Starbucks, H&M: früher wow, heute mau

Einige starke Marken verlieren gefühlt irgendwie an Glanz und sind meist selber schuld. Gehen wir mal in uns: Wie sieht Ihr persönlicher Marken-Verlierer-Index aus? Und haben Sie Aufsteiger? Hier die unseres Kolumnisten.

Apple Quelle: REUTERS

Es gibt Marken, die sind stark, und lassen mich trotzdem kalt: Vapiano, RyanAir, Jonny Walker, Kellogg's, Ford, FC Bayern München, Lucky Strike. Pfff! Aber ist halt so.

Spaß macht es aber, sich selber zu analysieren: Welche Marken sind in der eigenen Wahrnehmung grandios abgestürzt? Von der Ikone zu böööh! Und warum? Spielen wir es mal durch.

Apple: wieder langweiliger als Microsoft

Ich fange mit meinem persönlichen Super-Crash-Kandidaten an. Vor wenigen Jahren standen wir mit offenem Mund vor dem iPhone und konnten nicht fassen, was technisch heutzutage möglich ist. Vor den Apple Stores haben Apple-Jünger in Schlafsäcken campiert, um zu den Ersten zu gehören, die mit der neuesten Generation der Geräte prahlen konnten.

Die wenigen Leute, die das heute noch tun, machen das wohl aus Mitleid und stehen Apple selbst in der Innovations-Krise bei. Prahlen tut keiner mehr. Es kommt ja nicht mehr viel Neues. Einigen Experten gilt Erzrivale Microsoft seit diesem Jahr wieder als innovativer als Apple.

Heute habe ich das Gefühl, die einzigen, die Apple noch so richtig geil finden, sind die Mitarbeiter der Apple Stores. Viele Kunden aber haben sich an die Vorzüge der Premiumprodukte gewöhnt und ärgern sich nun über das, was nicht klappt: die tagelangen Wartezeiten bei Reklamationen, widersprüchliche Angaben bei der Hotline, im Chat und im Store. Perfekt frisierte Headset-Buben, die sich in ihrer Not bei Beschwerden an dem entlang hangeln, was das Headquarter in Cupertino ihnen auf ihren Verkäufer-iPads vorschreibt. Vergangene Woche habe ich im Apple Store Berlin einen Dialog mitgehört.

Die Evolution des iPhones

Kunde: "Entschuldigung. Ich hatte eigentlich einen Beratungstermin. Aber ich warte jetzt schon über eine halbe Stunde!"

Verkäuferin zückt ihr iPad: "Das System sagt mir: 26 Minuten."

Brrr! Uncool! Und die Apple Watch ist das passende Produkt dazu. Naja, das iPhone 8 soll ja der Knaller werden. Bis dahin bleibt eins der von Apple selbst gelobten Highlights: die neue iPhone-Farbe Hochglanz-Schwarz. Bill Gates wird es freuen.

Starbucks: etwas abgestanden

Die Kaffeekette hat vor 15 Jahren die ganze Welt dazu inspiriert, die Massenware Kaffee wieder zu zelebrieren. Was die Italiener nicht geschafft haben, mussten die Amerikaner richten. Aber jetzt hinkt die Kette aus Seattle den deutschen Cafés hinterher. Hierzulande bieten die Gastronomen längst rustikal belegte Brote, grandiose Torten, selbstgemachtes Eis, Quiches und Eintöpfe. Und die selbstbewussten Starbucks-Preise (manche würden sagen: dolldreiste Mondtarife) werden von der heimischen Konkurrenz locker unterboten.

Mittlerweile verkauft Starbucks Kaffee sogar an Shelltankstellen. Das wirkt irgendwie wie schnell noch alles mitnehmen. Das Pionier-Image ist bei mir flöten. Das verbliebene Starbucks-Highlight: bei der Bestellung bescheuerte Namen angeben, die die Kassierer auf die Becher schreiben müssen. "Wie heißt du?" - "Dossendrias" - "Ou, wie schreibt man das?" - "Mit th."

H&M: von der Ikone zum Basis-Ausstatter

Mitte/Ende der 90er-Jahre war die erste H&M-Filiale für eine jede mittelgroße Stadt der Ritterschlag. Dass der Bürgermeister zur Eröffnung kam, hat noch gefehlt. Ich erinnere mich an Freiburg. Wir Studenten standen Kopf! Alle wollten dort jobben. Alle wollten dort shoppen. Dort konnte man sich eindecken ohne nachzudenken. H&M war Avantgarde.

Die umsatzstärksten Modehändler der Welt

Heute ist der Markt mit H&M abgefüttert. Einige Filialen schließen wieder, wie demnächst angeblich die in der Berliner Friedrichstraße. Und selbst einige junge Leute decken sich bei H&M nur noch mit der Basis ein: T-Shirts, Socken, Unterwäsche. Extravaganteres holt sich der Teen und Twen heute bei Zara, wer richtig sparen will, geht zu Primark.

Und als Erwachsener 35+ sagt man: "Ist jetzt zwar von H&M aber ich finde, es geht."

"Du, das sieht man null. Sieht echt gut aus."

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